Beichtstuhl auf Rädern

TRIER. "Gott gibt Gas" lauten die Schlagzeilen oder "Beichte im Bulli": Ein zum Beichtstuhl umfunktionierter VW-Bus des Hilfswerks "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe" tourt durch Deutschland und erregt Aufsehen, wo immer er auftaucht. Jetzt machte das ungewöhnliche Fahrzeug Station in Trier.

Gaskocher, Spüle, bunt gemusterte Sitzbänke: Auf den ersten Blick sieht der weiße VW aus wie ein gewöhnlicher Campingbus. Dann öffnet Pater Hermann-Josef Hubka ein Schränkchen, nimmt ein Kreuz heraus und eine Bibel, streicht die hellblaue Serviette auf dem Tisch glatt und stellt eine Kerze darauf. Fertig. Wenn der Geistliche jetzt auf einem Kirchvorplatz in Hamburg, einem Markt in München oder einer Autobahnraststätte irgendwo dazwischen wäre, würde er sich vor den Bus stellen und warten. "Es dauert nie lange, bis Leute kommen und fragen", erzählt Pater Hermann-Josef, der derzeit mit seinem "Beichtmobil" von Pressehaus zu Pressehaus tingelt - auch kirchliche Innovationen wollen beworben werden - und an diesem Morgen vor dem TV parkt. "Erst wird oft ein Witz gerissen über Verkehrssünden", erzählt er, "dann geht das Gespräch tiefer." Oft so tief, dass am Ende tatsächlich die Beichte steht. Dieses Sakrament soll einen größeren Stellenwert erhalten - dazu hat das Hilfswerk "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe", dessen Generalsekretär der ehemalige Trierer Wirtschaftsdezernent Norbert Neuhaus ist, den Bus vor zwei Jahren auf den Weg geschickt. Das "Beichtmobil" steht unter der Schirmherrschaft des Augsburger Bischofs Walter Mixa, Papst Johannes Paul II. hat ihm seinen Segen erteilt. "Viele Menschen verbinden mit der Beichte Zwang und schlechte Erfahrungen", bedauert Pater Hermann-Josef. Der geistlicher Leiter des Hilfswerks legt deshalb besonderen Wert auf den Angebotscharakter des Sakraments: "Es geht nicht um Pflicht, sondern um Begegnung. Die Beichte ist eine Gesprächsform. Man darf sich das nicht eng oder streng vorstellen." Der Pater will Menschen helfen, mit Schuld umzugehen. "Was macht man denn mit Schuld? Wie wird man sie los?", fragt er und erzählt von Gesprächen über Kriegserinnerungen oder zerbrochene Beziehungen. "Da kann man eine Betonplatte drauflegen, aber darunter kocht die Schuld weiter." Die Beichte könne in Vergebung münden, in Befreiung. "Wenn man da mal drauf gekommen ist, dann wird das ganz schön wichtig." Pater Hermann-Josefs VW-Bus steht in der Tradition der so genannten "Kapellenwagen" - umgebaute LKW, mit denen das Hilfswerk nach 1945 die Seelsorge bei heimatvertriebenen Katholiken sicherstellte. Gemeinden, die das "Beichtmobil" beim Pfarrfest oder anderen Anlässen einsetzen wollen, können es - mit oder ohne Beichtvater - kostenlos anfordern. Infos: www.kirche-in-not.de.