Beim Westwall-Bau spielten Naturschützer eine unrühmliche Rolle

Beim Westwall-Bau spielten Naturschützer eine unrühmliche Rolle

Welche Rolle spielte der Naturschutz in der Nazizeit? Ein vom Land Rheinland- Pfalz in Auftrag gegebenes Gutachten sollte auch diese Frage beantworten. In Trier stellte nun im Beisein von Umweltministerin Ulrike Höfken ein Historiker seine Ergebnisse vor.

Fachleute aus den Bereichen Naturschutz, Denkmalschutz und politische Bildung diskutieren mit den Referenten der Infoveranstaltung zum Thema Geschichte des Westwalls und Naturschutz in der Zeit des Nationalsozialismus. TV-Foto: Katja Bernardy. Foto: Katja Bernardy (kat) ("TV-Upload Bernardy"

18 000 Bunker, ungezählte Panzersperren, Gräben und Stollen ziehen sich auf einer Länge von 630 Kilometern durch die Landschaft - von der niederländischen bis zur Schweizer Grenze. Der Bund wollte die Relikte abreißen, das Land sie als Mahnmal erhalten. Seit Ende vergangenen Jahres ist das westlich der Landesgrenze verlaufende Band an Anlagen aus der Nazizeit Eigentum des Landes Rheinland Pfalz. Und nun?
Gemeinsam mit Denkmalschutz, politischer Bildung, Naturschutz und der noch jungen Landesstiftung Grüner Wall im Westen - Mahnmal ehemaliger Westwall soll der Anlagenverbund zum Mahnmal werden und ein Biotopverbund soll entstehen. Das sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) in Trier.

Das Besondere für Naturschützer: Die Natur habe sich den Raum um den ehemaligen Westwall zurückerobert, ein einzigartiger Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen sei entstanden, sagte Höfken. Noch steckt das Vorhaben in den Kinderschuhen. Neben der Gründung der Landesstiftung war ein weiterer erster Schritt die Erstellung eines Gutachtens über den Westwall und über die Rolle des Naturschutzes in der Nazizeit.

Nils Franke vom Wissenschaftlichen Büro in Leipzig hatte im Auftrag des Landes geforscht und präsentierte nun in den Räumen der Volkshochschule seine Ergebnisse: "Der Naturschutz hat eine unrühmliche Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus gespielt", resümierte Franke. Naturschützer hätten beispielsweise an der Tarnung der Bauwerke mitgearbeitet; die Ablehnung nicht einheimischer Pflanzen sei eine weitere Konsequenz der Blut- und Bodenideologie gewesen - mit ihrem Hintergrund, nur die "deutsche Landschaft" mit ihren spezifischen Eigenschaften bringe "den deutschen Menschen" hervor. Franke betonte auch, dass der Westwall kein reines Verteidigungsbauwerk, sondern in gleichem Maße Stützpunkt und Rückgrat für den nationalsozialistischen Angriffs- und Vernichtungskrieg gewesen sei.

"Das Gutachten bietet viel Stoff zum Nachdenken", sagte Höfken. Ein Zuhörer aus Nordrhein-Westfalen riet den Akteuren, von Anfang an auf Begrifflichkeiten zu achten. Seiner Meinung nach ist Westwall ein Begriff aus der Propagandasprache der Nazis. Neben Franke informierten Eva-Maria Altena vom BUND Rheinland-Pfalz, Uwe Bader, Leiter des Gedenkstättenreferats der Landeszentrale für politische Bildung sowie Landeskonservator Joachim Glatz jeweils aus ihren Fachbereichen, die zusammenarbeiten werden, damit verantwortungs- und sinnvoll mit dem Erbe umgegangen wird.

Wie geht es weiter? Laut Höfken wird eine Geschäftsführung als Ansprechpartner für das Vorhaben Grüner Wall im Westen installiert werden, weitere nächste Schritte werden die Erfassung der Anlagen, die zum ehemaligen Westwall gehören, sowie die Erstellung einer Prioritätenliste der Anlagen, die verkehrssicher gemacht werden müssen, sein.