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Beißende Frau: Augenzeugen werfen Polizisten extreme Härte vor

Beißende Frau: Augenzeugen werfen Polizisten extreme Härte vor

Die Polizei hat am Dienstagabend eine unter Alkohol- und Drogeneinfluss stehende 28-Jährige festgenommen. Die Frau biss zwei Beamte. Jetzt melden sich Zeugen und kritisieren die Härte des Polizeieinsatzes. Ein „vor Wut zitternder“ Polizist habe die schwangere Frau mehrmals geschlagen. Die Polizei spricht von „einfacher körperlicher Gewalt“.

Passanten hatten die Polizei informiert: Eine Frau torkele in der Saarstraße über den Gehweg, remple Fußgänger an und habe ein Motorrad umgestoßen. Als eine Streife die Frau in der Neustraße fand, habe sie die beiden Beamten angespuckt und gebissen. Sie sei daraufhin festgenommen worden - so die Darstellung der Polizei.

Therese Kruse aus Trier war an diesem Abend zusammen mit ihrem Mann in der Neustraße unterwegs. "Wir haben alles gesehen", sagt sie im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. "Von einem professionellen Verhalten der Polizisten oder von Deeskalation konnte leider nicht die Rede sein." Vor allem einer der Polizisten habe "vor Wut gezittert."

Theresa Kruse veröffentlichte ihre Sicht der Dinge zuerst auf der Internetplattform Facebook und stellte sich dann dem Gespräch mit der Redaktion. Das Ehepaar betont: Der Polizist habe die Frau an den Haaren gepackt und ihr einen Faustschlag gegen den Kopf versetzt. "Es muss einem trainierten und ausgebildeten Polizisten doch möglich sein, eine solche Situation ohne die Anwendung roher Gewalt in den Griff zu bekommen", sagt Therese Kruse. "Obwohl die Frau angab, sie sei schwanger, ist sie mehrfach geschlagen worden."

Ein weiterer Augenzeuge sei eingeschritten und habe den Polizisten angesprochen. "Diesem Herrn hat der Beamte mit einer Anzeige wegen Behinderung einer Amtshandlung gedroht", sagt die Augenzeugin. "Außerdem sagte der Polizist, dass er die Frau kenne und sogar mit ihr verwandt sei."

Der Volksfreund konfrontierte das Polizeipräsidium Trier mit den Vorwürfen des Ehepaars Kruse. "Die 28-jährige Tatverdächtige ist vielen Beamten bekannt", sagt Polizei-Sprecherin Monika Peters. "Ihr aggressives Auftreten, das sich durch Spucken, Beißen und Treten äußert, ist den Kolleginnen aus früheren Ereignissen nicht fremd." Ob allerdings eine wie auch immer geartete Verwandtschaft zu einem Mitarbeiter der Polizeiinspektion Trier besteht, "entzieht sich indes unserer Kenntnis".

Peters weist die Schilderungen von Therese Kruse zurück. "Im Rahmen des Einsatzes wurde natürlich seitens der Kollegen versucht, durch Kommunikation beruhigend auf die Frau einzuwirken." Sprunghaft sei das Verhalten der 28-Jährigen jedoch in "pure Aggression" umgeschlagen, sie habe zwei Beamte durch mehrere Bisse verletzt.

"Diese Umstände sowie Gründe der Eigensicherung machten den Einsatz von einfacher körperlicher Gewalt sowie eine Fesselung der Tatverdächtigen erforderlich", betont Peters. "Aufgrund der bestehenden Schwangerschaft konnte die übliche Fixierung bäuchlings nicht erfolgen." Inzwischen sei die 28-Jährige aufgrund eines richterlichen Beschlusses in eine Spezialklinik gebracht worden.