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Bequeme Sessel - schlechte Akustik

Bequeme Sessel - schlechte Akustik

Der Rathaussaal wirkt hell und freundlich, als sich zahlreiche Besucher über seine Gestaltung informieren. Beim Tag des offenen Rathaussaals faszinierte besonders die Technik zur digitalen Abstimmung. Ein kleiner Junge machte direkt von seinem Rederecht Gebrauch und stellte eine wichtige Frage.

Trier. Udo Hildebrand von der Stadtverwaltung erklärt den Besuchern im Saal die neue Technikanlage. Er lädt die Interessierten ein, einmal etwas ins Mikrofon zu sagen. Prompt meldet sich ein kleiner Junge. Er beugt sich über den Tisch und fragt: "Wo ist die Toilette?"
"Hier lässt es sich aushalten"


Beim Tag des offenen Rathaussaals sehen sich zahlreiche Besucher den neu eingerichteten Ratssaal an. Sie nehmen auf den Stühlen der Ratsmitglieder Platz und schauen sich aufmerksam um, wo die wichtigen Entscheidungen für die Stadt Trier fallen. "Ich war schon lange nicht mehr hier. Der Saal sieht jetzt freundlicher aus. Alles ist auf dem neusten Stand. Also hier lässt es sich aushalten", sagt Ingrid Greim (76) aus Trier, während sie sich auf ihrem Stuhl nach hinten lehnt. Günter Lemmer (78) aus Trier gefällt der Saal auch: "Die neuen Sessel mit ihren Armlehnen sind sehr bequem. Es ist richtig, dass die Einrichtung einmal erneuert wurde. Nur zu teuer darf es auch nicht werden."
Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) erläutert, dass der Umbau 270 000 Euro gekostet hat. Knapp 70 Prozent des Geldes seien dabei in die neue Technik gesteckt worden: "Kurz nach meinem Amtsantritt habe ich den Vertreter des Papstes in Berlin hier im Rathaussaal empfangen. Während der Feier wollte er sich setzen. Ich habe ihm einen der alten Stühle angeboten. Als er darauf Platz nahm, fielen die Armlehnen ab. Ich habe mich geschämt. Es war notwendig, die Einrichtung zu erneuern."
Die Triererin Sandra Schmitt (30) findet, dass die Kosten im angemessenen Rahmen geblieben sind: "Mir gefällt die neue Aufteilung der Sitze zur Seitenwand gut. Die neuen Stühle sind wirklich bequem und etwas für jede Körpergröße. In den alten Sesseln bin ich immer tief hineingerutscht." Udo Hildebrand probt mit den Besuchern eine Abstimmung. Neugierig bedienen sie das Touchpad. Sie loggen sich ein und votieren für Ja oder Nein.
Mit Begeisterung sind Marion (61) und Reinold Best (62) aus Trier dabei. Die Technik fasziniere beide: "Das neue System zur Abstimmung ist toll. Die einzige Schwachstelle ist die grauenhafte Akustik. Wenn jemand spricht, ist es sehr schwer, ihn zu verstehen."
Nachdem beide sich von den Ratsstühlen erhoben und auf die Stühle der Dezernenten Angelika Birk und Thomas Egger gesetzt haben, sind sie zufriedener: "Hier scheint die Akustik etwas besser zu sein. Auf jeden Fall haben wir von diesen Plätzen aus alles im Blick."
Angelika Meyer vom Denkmalpflegeamt stellt den Besuchern die Geschichte der heimgekehrten Petrusstatue vor (der TV berichtete). Der Stadtpatron präsentiert sich nun im Foyer des Saals auf einem Podest. "Die Mitarbeiter sind der Meinung, dass der Petrus einen Zentimeter größer sein sollte als der OB", sagt dazu Oberbürgermeister Wolfram Leibe schmunzelnd.
Margita Pokojna (57) und Volker Pannemann (72) sind überrascht. "Wir wussten gar nicht, dass das Trierer Rathaus früher am Kornmarkt stand. Der Vortrag war wirklich interessant." Nur der Saal sei für so viele Stadträte etwas eng. Einige Besucher beteiligen sich auch am Bürgerhaushalt (siehe Extra oben). Als Tanja Spies aus Trier die neuen Stühle testet, ist sie begeistert und scherzt: "Hier könnte ich gut einschlafen. Vielleicht ist im System auch ein Wecker installiert."Extra

Die Abstimmungsphase des Trierer Bürgerhaushaltes endete am Sonntag. Über 40 000 Bewertungen wurden insgesamt abgegeben, sagt Toni Loosen-Bach, Koordinator für Bürgerbeteiligung: "Dieses Jahr könnte ein Rekord werden. Die letzten drei bis vier Tage wird noch einmal viel abgestimmt. Über 12 000 meist qualitativ hochwertige Kommentare wurden zudem abgegeben." Welcher der 295 Vorschläge die meisten Stimmen erhalten habe, könne Loosen-Bach noch nicht sagen. Beim Tag des offenen Rathaussaals haben einige Besucher ihre Stimme schriftlich abgegeben. Eine ältere Frau habe sogar alle 295 Vorschläge manuell bewertet, berichtet Loosen-Bach. Mit dieser großen Resonanz habe er nicht gerechnet. behExtra

Der Trierer Rathaussaal hat zwar eine schlechte Akustik. Seine Geschichte ist allerdings groß. Seit 1967 dient die ehemalige Augustinerkirche als Rathaussaal. Ihren Ursprung hat sie im 13. Jahrhundert. Bis 1801 beteten dort die Ordensmitglieder der Augustiner-Eremiten. Im Zuge der Französischen Revolution wurde Trier 1794 von französíschen Truppen besetzt. Im Kloster wurden damals Soldaten einquartiert. Die wertvolle Einrichtung haben die Besatzer damals versteigert. 1925 übernahm die Stadt Trier das Gebäude und baute es als zweiten Standort des Rathauses für die behördliche Nutzung um. Im Zweiten Weltkrieg wurde die ehemalige Kirche beschädigt und in den 1950er Jahren wieder instand gesetzt. beh