Berechtigter Aufschrei

Man muss die Situation am Moselstadion nicht unverhältnismäßig aufbauschen. Genauso wenig jedoch gehört sie klein geredet. Es gab eine Zeit, und die ist etwa 20 Jahre her, da hatte menschliches Fehlverhalten und Ignoranz im Umgang mit der Natur noch eine ganz andere Öffentlichkeit und brachte in Folge deutlich mehr Menschen als heute auf die - damals noch tiefgrüne - Palme. In Zeiten der Ökobewegung, die in den 80ern ihre Hochphase erlebte, schienen die Sinne vieler Menschen wesentlich sensibler und geschulter für offensichtlich frevelhaften Umgang mit unserer Umwelt. Selbst wenn auf breiter Basis mittlerweile eine Art Rückbesinnung auf das Ursprüngliche, auf das Leben mit und in der Natur - vor allem im Freizeitverhalten - eingesetzt hat, scheint die Wahrnehmung in weiten Bereichen eine andere geworden zu sein. Die, die heute in der Mehrzahl derartige Missstände anprangern, werden gerne in die Ecke der Spinner und Fantasten gestellt. Dabei sollte das, was rund um den Neubau am Moselstadion mit um die 100 Jahre alten Bäume passiert, nach wie vor aufschrecken. Jeder Bauherr weiß um Vorschriften, Auflagen und DIN-Normen für die "stummen Beteiligten" solcher Bauprojekte. Nicht anders ist dies im aktuellen Fall am Stadion. Umso dreister erscheint in diesem Licht die Auskunft etwa des zuständigen Architekten, das Missachten der Schutz-Vorschriften im Sinne der Bäume wissend in Kauf genommen und damit den Fortbestand der einzigartigen Kastanien-Allee massiv gefährdet zu haben. Dass sich jemand in verantwortlicher Position wider besseres Wissen über Erkenntnisse von Experten hinwegsetzt, mag dadurch begünstigt sein, dass mögliche Konsequenzen nach Erfahrungswerten erst in zehn bis 15 Jahren offensichtlich werden - und, nebenbei bemerkt, dann die Stadt eine Menge Kosten wird. Und wer wird dann, müssten die Bäume tatsächlich aus Sicherheitsgründen gefällt werden, noch die Vorgehensweise aus dem Jahr 2003 rekonstruieren können? Die Aktion am Moselstadion ist in Trier kein Einzelfall. Genau deswegen sind die Aufschreie vermeintlicher Spinner umso berechtigter. Es geht nicht darum, Verantwortliche an den Pranger zu stellen, sondern scheinbar betäubte Sinne wieder zu schärfen. s.windfuhr@volksfreund.de