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Berührende Bilder menschlicher Not

Berührende Bilder menschlicher Not

Ergreifend, berührend und authentisch: Das war die "Trierer Winterreise", die der Diözesan-Caritasverband in der Trierer Liebfrauenbasilika veranstaltet hat. Im Mittelpunkt standen Menschen, die den Halt im Leben verloren haben und auf der Straße leben.

Trier. Der Frankfurter Künstler Stefan Weiller hatte mit Wohnungslosen und anderen "Menschen am Rande" gesprochen und ihre Aussagen mit dem Liederzyklus "Winterreise" von Franz Schubert verknüpft und in Szene gesetzt. Mit diesem außergewöhnlichen Konzert lenkte die Caritas den Blick auf ausgegrenzte Menschen: "Die Hilfe für Wohnungslose gehörte von Anfang an zu den Kernaufgaben der Caritas", sagte Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Kugel in ihrer Begrüßung und stellte so die Verbindung zum 100-Jahr-Jubiläum her, das der Caritasverband dieses Jahr feiert. Aus diesem Anlass hatte die Caritas die Winterreise nach Trier geholt, unterstützt von den Sponsoren Pianohaus Hübner Trier, der Kulturstiftung Trier, der stiftung winter reise und Kaudio-Eventtechnik.
In der Liebfrauenbasilika entfaltete sich vor rund 250 Zuhörern ein emotionales Gesamtkunstwerk aus Musik, Text und Licht. In den Lebensgeschichten von Menschen, die Stefan Weiller in Caritaseinrichtungen in Luxemburg, Neunkirchen, Saarbrücken und Trier interviewt hatte, kommen Gefühle wie Trauer, Schmerz und Verlassenheit zum Ausdruck. Helmut Krauss, der als Synchronsprecher unter anderem die deutsche Stimme von Marlon Brando ist, trug die Texte einfühlsam und lebendig vor. Es wurde deutlich, was tragische Lebensereignisse wie Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit und Tod bei Menschen auslösen können, im schlimmsten Fall den Weg in Obdachlosigkeit oder Prostitution. Das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, am Rande zu stehen und "auch bei 35 Grad im Schatten zu frieren", zog sich durch alle Aussagen. Auch Flüchtlinge kamen zu Wort: "Es brennt in meinem Leben, in Syrien brennt ein ganzes Land", lautete das Zitat eines Geflüchteten. So endete die Aufführung denn auch nicht versöhnlich, sondern mit den Worten eines Menschen, für den es keine Hoffnung in seinem Leben gibt.
Verwoben mit den Schubert-Liedern von Einsamkeit und Verlorenheit in einer kalten Welt führten die Texte den Zuhörern berührende Bilder von menschlicher Not vor Augen, die nicht an eine bestimmte Zeitepoche gebunden ist. Die gesangliche Leistung des Chores Portavoci unter Leitung von Nicolaus Billaux und der Solisten Timon Führ, Susanna Frank und Christina Schmid brachte dies in ergreifender Weise zum Ausdruck. Begleitet wurden sie von Eva Maria Hodel (Orgel) und Jonas Djeddikar Hedayet (Piano). Die nach dem Konzert gegebenen Spenden kommen den Trierer Wohnungsloseneinrichtungen Café Haltepunkt und Haus Lukas zugute. red