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TRIER/TRIER-SAARBURG: „Besser nicht warten, bis es brennt“

TRIER/TRIER-SAARBURG : „Besser nicht warten, bis es brennt“

Für Trierer und Ratsuchende aus dem Kreis Trier-Saarburg gibt es ein neues Behinderten-Beratungsangebot.

„EUTB“ lautet eine Abkürzung, die zu merken es sich mitunter lohnt: Doch nicht schon wieder eine weitere EU-Institution. Weit gefehlt: Das neue Angebot hat, obwohl „EU“ in der Abkürzung verewigt, überhaupt nichts mit der Europäischen Union (EU) zu tun. Vielmehr bedeutet EUTB „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“. Dieses völlig neue Beratungsangebot gibt es seit dem vergangenen Freitag unter dem Dach des Clubs Aktiv (Selbsthilfeverein Behinderter und Nichtbehinderter) als Träger in Trier.

Es richtet sich sowohl an die Trierer wie auch an Bewohner aus dem Kreis Trier-Saarburg. Die städtische Beratungsstelle beim Club Aktiv in der Schützenstraße 20 (Trier-Ost) hat ihre Arbeit bereits aufgenommen. Auch im Kreis Trier-Saarburg ist das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt präsent: Beratungsstellen in Hermeskeil und Leiwen folgen am Montag, 1. Oktober (siehe Infokasten).

Aber: Gibt es nicht schon genug Beratungsstellen? Mitnichten. Der vom Gesetzgeber mit Paragraf 32 Sozialgesetzbuch gewollte Fokus richtet sich auf die „ergänzende unabhängige“ Teilhabeberatung. Diese soll alle Menschen mit Behinderungen, von Behinderung bedrohte und auch deren Angehörige unentgeltlich bei Fragen zur Rehabilitation und Teilhabe unterstützen. Um die 500 Beratungsstellen sind zwischenzeitlich bundesweit eingerichtet worden. Club-Aktiv-Geschäftsführer Paul Haubrich sagte zur kleinen (aus Platzgründen), aber illustren Eröffnungsrunde: .„Wir freuen uns auf die neue Aufgabe.“ Für Haubrich wichtig: Mit der Kontaktaufnahme nicht warten, bis es brennt, sondern sich lieber zu früh melden.

Zu den Gästen bei der Eröffnung gehörte Bundesjustizministerin Katarina Barley. Dem Gesetzgeber sei es in seinem Leitgedanken um „ein nicht ohne uns über uns zu entscheiden“ von behinderten Menschen gegangen, sagte sie. Menschen mit Behinderungen als Teil der Bevölkerung gehörten mitten in die Gesellschaft. Mit einem Dutzend Anhörungsrunden im Gesetzgebungsverfahren seien Betroffene „deutlicher beteiligt worden“, als dies im Normalfall üblich sei. In dieses Lob der Ministerin wollte die Trierer Grünen-Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer nicht einstimmen. Sie erinnerte an eine „riesige Protestaktion“, bei der Menschen sich am Berliner Reichstagsufer angekettet hatten, um auf Missstände bei den neuen Regelungen aufmerksam zu machen. Die Aktion habe bei der Umsetzung etwas gebracht. Aber: „Vor uns liegt noch wahnsinnig viel Arbeit“, sagte Rüffer. Das bundesweite Projekt ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt mit möglicher Verlängerung für weitere zwei Jahre.

Triers Bürgermeisterin Elvira Garbes (Bündnis 90/Die Grünen) hofft, dass die Einrichtung nicht irgendwann von der Bühne verschwindet. Eine unabhängig arbeitende Beratungsstelle bezeichnete sie als wichtigen Aspekt bei der künftigen Arbeit.