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Bessere Bedingungen auf dem Trierer Straßenstrich

Sexarbeit : Bessere Bedingungen auf dem Trierer Straßenstrich

SPD, Linke und Grüne fordern für die Zeit nach der Corona-Krise Toiletten, Licht und Mülleimer – die UBT will dagegen die Sexarbeiterinnen in der Ruwerer Straße nicht weiter dulden.

Zurzeit sind nicht nur in Trier alle Bordelle wegen der Corona-Krise geschlossen. Aber auch schon vor Corona hatten einige der insgesamt rund 20 Etablissements ihre Schotten dichtgemacht. Der Grund: Um die Vorgaben des seit 2017 geltenden Prostituiertenschutzgesetzes zu erfüllen, müssen Bordelle und entsprechende Bars aufwendige Umbauten vornehmen – mehr Fluchtwege, Aufenthaltsräume für die Frauen und gesonderte Schlafräume etwa. Nicht alle Betreiber können oder wollen diesen Aufwand betreiben.

„Es ist zu erwarten, dass weitere Bordelle keine neue Genehmigung mehr erhalten. Dadurch werden in Zukunft wohl mehr Frauen auf der Straße arbeiten müssen“, meint Nicole Schulze. Die 40-jährige Trierer Sexarbeiterin kämpft für die Rechte der Straßenprostituierten und sitzt im Bundesvorstand des Berufsverbands Sexarbeit.

In den vergangenen Wochen und Monaten hat Schulze sich mit Vertretern der Trierer Stadtratsfraktionen getroffen – und Erfolg gehabt: Die SPD hatte schon im Januar bei der Stadtverwaltung beantragt, die Arbeitsbedingungen auf dem Trierer Straßenstrich zu verbessern. Die Linksfraktion ist mittlerweile mit als Antragsstellerin eingestiegen. Und die Stadtratsfraktion der Grünen hat einen eigenen entsprechenden Antrag im Rathaus eingereicht.

Als größere Stadt ist Trier laut Gemeindeordnung verpflichtet, Straßenprostitution zuzulassen. Ausgewiesen ist dafür laut Sperrgebietsverordnung die Ruwerer Straße (zwischen Eisenbahnbrücke und Einmündung des Radweges) und ein Stück entlang der Bitburger Straße (B 51), etwa in Höhe des ersten stadtauswärts gelegenen Parkplatzes. Rund acht Frauen insgesamt stehen bislang mehr oder weniger regelmäßig dort, um ihre Dienste anzubieten – ausschließlich zwischen 22 und 4 Uhr am Morgen, so schreibt es die Sperrgebietsverordnung vor.

Die SPD fordert, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten, die den Prostituierten eine sichere und menschenwürdige ,Berufsausübung’ möglich machen. Eine angemessene Beleuchtung, sanitäre Anlagen und Mülleimer gehörten dazu. Außerdem müsse geprüft werden, ob die zulässigen Arbeitszeiten nicht ausgeweitet werden können, damit die Frauen nicht auf Nachtarbeit angewiesen sind.

Die Grünen fordern noch mehr: Den  Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen solle „ein Aufenthaltsort, welcher vor allem Schutz vor Kälte und Regen bietet, in Kombination mit einem Notrufsystem bereitgestellt werden“, heißt es in dem Ergänzungsantrag. Außerdem solle die Stadt zusammen mit dem runden Tisch für Sexarbeit prüfen, an welchem anderen Ort in der Stadt, die Sexarbeiterinnen „sicherer und geschützter ihrer Arbeit nachgehen können“. Geplant war, dass über die Anträge in der Sitzung des zuständigen Sozialausschusses am Mittwoch beraten wird. Doch der Termin fällt – wie alle anderen Sitzungen städtischer Gremien – wegen der Corona-Krise aus. Wann das Thema erneut auf die politische Agenda gesetzt wird, ist derzeit offen.

Dass die Anträge bei den übrigen Fraktionen nicht unbedingt auf Zustimmung stoßen werden, steht dagegen bereits fest: „Wir haben in unserer jüngsten Ortsbeiratssitzung einstimmig unseren Beschluss von 2016 erneuert, dass wir den Straßenstrich an dieser Stelle nicht dulden“, betont Christiane Probst, UBT-Stadträtin und Ortsvorsteherin von Trier-Ruwer/Eitelsbach. Daher lehne man auch Verbesserungen wie Beleuchtung, Mülleimer oder Toiletten für die Sexarbeiterinnen ab. „Die Stelle, wo die Frauen stehen, ist von dem Radweg, der in der Nähe gebaut wird, und auch von dem uns zugesagten Fußweg aus einsehbar. Und das wollen wir nicht“, sagt Probst. „Es muss daher geprüft werden, ob der Straßenstrich nicht an eine andere Stelle im Stadtgebiet verlegt werden kann.“ Beispielsweise ins Eurener Gewerbegebiet entlang der Niederkircher- oder Monaiser Straße. „Gespräche dazu laufen bereits“, sagt Probst.