Betreuung dringend gesucht

Obwohl kreisweit 1850 Kitaplätze für unter Dreijährige Kinder neu geschaffen wurden, finden viele Eltern keinen Wunschplatz für den Nachwuchs. In 15 Gemeinden gibt es Engpässe. Das liegt hauptsächlich am Zuzug von Familien: Ende 2015 gab es 450 Kinder mehr mit Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz als noch ein Jahr zuvor.

Konz/Saarburg/Schweich. Hubert Ludwig vom Jugendamt der Kreisverwaltung Trier-Saarburg hat keinen leichten Job. Kaum hat er es geschafft, in dem einen Kindergarten eine Lücke zu stopfen, tut sich im nächsten schon wieder eine neue auf. In 15 Orten des Kreises gibt es weniger Kitaplätze, als von Eltern nachgefragt werden (siehe Extra).
Dass der Kreis trotz großer Anstrengungen - in den vergangenen Jahren wurden mehr als 40 Millionen Euro in den Kita-Ausbau investiert und 1850 Plätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen - noch zu wenig Kitaplätze hat, liegt in erster Linie am Zuzug junger Familien mit Kindern.
Innerhalb eines Jahres, von Ende 2014 bis Ende 2015, hat sich die Zahl der Ein- bis Sechsjährigen mit einem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz um 450 erhöht. Aktuell gibt es in den 76 Kindertagesstätten im Kreis knapp über 7000 Plätze, davon 5000 für Drei- bis Sechsjährige, knapp 1000 für Zweijährige und 865 Krippenplätze. 55 Förderplätze werden für behinderte Kinder vorgehalten, daneben gibt es 55 Hortplätze. Kreisweit sind 96 Tagesmütter im Einsatz.
Rechtsanspruch: Keine Klage


Wo vor Ort keine Kitaplätze angeboten werden können, sei man bemüht, einen Platz bei einer Tagesmutter oder in benachbarten Kitas anzubieten, sagt Hubert Ludwig. Laut Kindertagesstättengesetz muss ein Platz in "zumutbarer Entfernung" bereitgestellt werden. Zumutbar heißt nicht automatisch wohnortnah. Das könne auch eine Kita sein, die auf dem Weg zur Arbeit liege, sagt Ludwig. Er berichtet von einer Mutter aus Kenn, die in Luxemburg arbeitet und ihr Kind in die Kita nach Langsur gegeben hat, weil in ihrem Heimatort kein Platz mehr war.
Durch den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, der seit drei Jahren auch für Einjährige gilt, können Eltern notfalls einen Betreuungsplatz vor Gericht durchsetzen. In Trier-Saarburg habe es noch keine Klage gegeben, sagt Hubert Ludwig. Man habe bisher immer Übergangslösungen anbieten können, um Engpässe zu überbrücken.
Gleich in mehreren Orten sind Aus-, Um- oder Neubauten geplant. In Schweich laufen in Bahnhofsnähe Ausschachtarbeiten für den Neubau einer integrativen Kita mit fünf Gruppen. Bauherr ist die Lebenshilfe Trier-Saarburg. Untergebracht werden 85 Kinder. Der Neubau soll nach Auskunft von Lebenshilfe-Vorstand Michael Gölzer Ende 2017 fertiggestellt sein und dann die Kita Angela Merici in Schweich-Issel entlasten.
In der Moselstadt fehlen derzeit 39 Plätze. Auch in Mehring (Erweiterung um eine Gruppe) und in Föhren (voraussichtlich Neubau von zwei Gruppen) soll sich die Situation bald entschärfen. Auch in Zemmer ist ein Neubau in der Planung, nach den Sommerferien soll zunächst eine zusätzliche provisorische Gruppe eingerichtet werden.
In der Kita in Konz-Könen sollen zwei provisorische Gruppen den Engpass beheben, bis eine bauliche Erweiterung kommt. In Konz ist ein neuer Kindergarten mit zwei integrativen Gruppen in der Konstantinstraße vorgesehen; Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein. In Tawern soll es eine zusätzliche Gruppe geben, in Nittel sind die Zuschüsse für den Umbau des ehemaligen Pfarrhauses zu einer zweigruppigen Kita bereits bewilligt. Auch hier soll der Spatenstich noch in diesem Jahr erfolgen. Das gilt auch für die Stadt Saarburg, wo die Kita St. Laurentius um zwei Gruppen erweitert werden soll. Zusätzlich soll das Mittelzentrum eine neue Kita mit vier Gruppen erhalten.

In Fisch, Irsch, Bekond, Pellingen und Trittenheim seien die Möglichkeiten zur Schaffung neuer Plätze noch nicht abschließend geprüft, heißt es in einer Stellungnahme der Kreisverwaltung. Neue Plätze bedeuteten nicht automatisch Baumaßnahmen, gegebenenfalls könne das Ziel auch durch Umstrukturierungen innerhalb der Kitas erreicht werden. Etwa durch Änderungen in den Gruppenstrukturen. Dies werde beispielsweise derzeit in Aach schrittweise praktiziert.
Meinung

Gut investiertes Kinder-Geld
Gefühlt ist es eine Ewigkeit her, seit der Bund mit dem Konjunkturpaket Milliarden ausgegeben hat, um die Wirtschaft anzukurbeln. Doch das Investitionsprogramm lief 2009 und 2010, also erst vor wenigen Jahren. Das meiste Geld floss damals an die Kommunen als Co-Finanzierung für den Ausbau von Schulen und Kindergärten. Alleine im Kreis Trier-Saarburg wurden 64 der 72 Kitas saniert, erweitert oder energetisch optimiert. Jetzt muss also schon wieder Geld in die Hand genommen werden. Aber es ist gut investiertes Geld, weil es der Ausbildung unserer Kinder dient und damit der Gesellschaft nutzt. Durch Zuzüge, auch von Asylantenfamilien, nimmt die Zahl der Kita- und Schulkinder zu. Das ist erfreulich. Andere Regionen haben mit Abwanderung und Leerständen zu kämpfen, müssen Schulen und Kitas schließen. Der Trend, dass Räume mit Arbeitsplätzen und guter Infrastruktur weiter wachsen und andere ausbluten, dürfte sich weiter fortsetzen - und wird die Politik vor neue Herausforderungen stellen. a.follmann@volksfreund.deExtra

Seit dem 1. August 2013 haben Kinder vom ersten Geburtstag bis zur Einschulung einen Rechtsanspruch auf einen Teilzeitplatz in einer Kita. Kann eine Kommune keinen Platz anbieten, besteht ein Kostenerstattungsanspruch. Die Erziehungsberechtigten haben dann die Möglichkeit, die Betreuung ihres Kindes privat zu organisieren, sei es in einer privaten Kita oder bei einer Tagesmutter. Die Kosten müssen erstattet werden. In folgenden Kita-Standorten gibt es laut Kreisverwaltung Engpässe: Mehring, Föhren, Schweich, Zemmer, Konz, Tawern, Fisch, Irsch, Bekond, Pellingen, Nittel, Trittenheim, Saarburg, Aach und Igel. Tagesmütter stehen in allen genannten Gemeinden zur Verfügung mit Ausnahme von Bekond, Pellingen, Nittel, Trittenheim und Saarburg. alf