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Bewährung für den Bischof-Stein-Platz in Trier

Missbrauch in der Kirche : Bischof-Stein-Platz behält Namen – vorerst

Die Mehrheit im Trierer Stadtrat stimmt gegen die Umbenennung und fordert das Bistum auf, schnell zu handeln. Die AfD-Fraktion verlässt nach einem Disput mit den Grünen die digitale Sitzung.

Der Bischof-Stein-Platz wird vorläufig nicht umbenannt. Der Stadtrat hat am Mittwochabend einen entsprechenden Antrag von Bündnis 90/Die Grünen mehrheitlich abgelehnt. Zwar verurteilen alle Ratsmitglieder den sexuellen Missbrauch von Kindern und dessen Vertuschung innerhalb der katholischen Kirche. Die Vorwürfe gegen Bernhard Stein, er war zwischen 1967 und 1980 Bischof in Trier, müssten aber zunächst von der vom Bistum angekündigten Kommission untersucht und belegt werden.

Richard Leukefeld hatte den aus zwei Teilen bestehenden Antrag für die Fraktion der Grünen eingebracht. Die Umbenennung des Platzes war der Teil, der nach langer Diskussion am Ende zur Abstimmung kam und keine Zustimmung aus den anderen Fraktionen fand. Mit 18 Ja-, 26 Nein-Stimmen und sieben Enthaltungen lehnte die Mehrheit des Rates eine Namensänderung zum aktuellen Zeitpunkt ab. Über die posthume Aberkennung der 1975 verliehenen Ehrenbürgerwürde wurde nicht befunden, da für einen solchen Antrag ein Drittel der gewählten Mitglieder des Rates notwendig wäre. Dazu fehlte den Grünen eine Stimme.

Der Vorwurf Bischof Bernhard Stein war in seiner Amtszeit unter der katholischen Bevölkerung geschätzt und anerkannt. Inzwischen wird aber immer deutlicher, dass er vermutlich an der Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Kleriker in seinem Amtsbereich beteiligt war. Die Opfer selbst haben in ihrem Verein MissBit nach Ansicht der Grünen belegt, dass Bischof Stein nicht nur die Täter gedeckt, sondern sie in ihren Ämtern belassen oder an andere Orte versetzt habe, wo sie erneut übergriffig geworden seien. „Dieses Fehlverhalten ist durch Zeugenaussagen, Opferberichte und Archivmaterial belegt. Diesen Anschuldigungen wurde bisher auch vonseiten der katholischen Kirche nicht widersprochen.“

Bewährung für den Bischof-Stein-Platz in Trier
Foto: TV/Schramm, Johannes

Das Bistum Bischof Stephan Ackermann hatte zwar im Juni 2020 angekündigt, eine mit unabhängigen Experten besetzte Kommission einzusetzen, um alle Missbrauchsvorwürfe im Bistum Trier aufzuarbeiten. Getagt hat diese aber noch nicht. Das wurde von allen Fraktionen im Rat kritisiert. Der Kommission wird vom Bistum zudem ein Arbeitszeitraum von bis zu sechs Jahren eingeräumt, um den gesamten Bereich des sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier aufzuarbeiten.

Die Fraktionen Die Aufarbeitung des Bistums sei notwendig und wichtig, bestätigte Richard Leukefeld. Ihm und allen Mitgliedern der grünen Fraktion geht das aber zu langsam. „Wir dürfen unser Handeln nicht von Bischofs Gnaden abhängig machen. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn der Stadtrat nicht handlungsfähig wäre.“

Den fast verzweifelten Appellen, selbstständig und sofort über die Umbenennung des Platzes hinter dem Dom zu entscheiden, schloss sich am Mittwochabend kein Sprecher einer anderen Fraktion an. „Wir haben keinerlei Zeitdruck“, argumentierte Thomas Albrecht (CDU), der nach eigener Aussage als Staatsanwalt die schlimmen Folgen des sexuellen Missbrauchs für die Opfer kennt. „Wenn wir aber Bischof Stein auf eine Ebene mit Hitler und Hindenburg stellen wollen, dann müssen die Vorwürfe vorher durch eine hochrangig besetzte Kommission untersucht werden.“ Beiden war durch den Rat posthum die Ehrenbürgerschaft aberkannt worden. Die Namensfindung für die Umbenennung der Hindenburgstraße läuft derzeit.

Auch Sven Teuber (SPD) plädierte dafür, erst zu handeln, wenn das Expertengremium eine Stellungnahme abgegeben hat. „Wir werden allerdings nicht bis zum St. Nimmerleinstag warten und haben Bischof Ackermann gebeten, zügig für eine Aufklärung zu sorgen.“

Marc-Bernhard-Gleißner (Die Linke) hält ein klares Zeichen des Rates und die Solidarität mit den Opfern ebenfalls für wichtig. Das Bistum habe aber angekündigt, dass die Expertenrunde im März ihre Arbeit aufnehmen werde. „Deshalb kommt der Antrag zum falschen Zeitpunkt.“ Sein Vorschlag, die Forderungen in eine Resolution zu verwandeln mit der Bitte, den Fall Bischof Stein vorrangig zu behandeln und innerhalb eines Jahres abzuschließen, wurde allerdings nicht aufgegriffen.

Auch Michael Frisch (AfD) kritisierte die schleppende Aufarbeitung der Vorwürfe durch das Bistum. Die Ergebnisse der Untersuchung müssten allerdings abgewartet werden. Sein mehrfacher Vorwurf, der Antrag der Grünen sei unredlich, weil die Partei eine eigene unrühmliche Vergangenheit im Umgang mit Pädophilie habe, trug wenig zur Versachlichung der Diskussion bei. Ein von ihm als persönliche Beleidigung aufgefasster und von Oberbürgermeister Wolfram Leibe nicht gerügter Vergleich seiner Person mit Pontius Pilatus durch den Grünen Thorsten Kretzer führte schließlich dazu, dass die AfD-Fraktion sich unter Protest aus der digitalen Sitzung zurückzog.

Das änderte aber nichts an der fehlenden Zustimmung für den Grünen-Antrag auch durch die FDP und die UBT. Joachim Gilles (FDP) nutzte die Möglichkeit, um noch einmal seine bereits in der Diskussion um die Hindenburgstraße gemachte Forderung anzubringen, ein Kontrollverfahren für alle Straßennamen in Trier zu initiieren. UBT-Sprecherin Christiane Probst zeigte sich zwar entrüstet über die „provozierende Langsamkeit“ der Kirche bei der Aufarbeitung des Missbrauchskandals. Dennoch müsse der Rat zunächst die Ergebnisse abwarten und dann handeln.

Das Fazit Ttrotz des mehrheitlichen Votums des Rats gegen eine schnelle Umbenennung des Bischof-Stein-Platzes ist klar: Dieses Thema wird wieder auf die Agenda des Trierer Stadtrats kommen.