Bewegende Begegnung mit Mutsuko Ayanos Mutter

Campus : Uni-Präsident trifft Mutter von ermordeter Austauschstudentin

Bei einem Besuch der Universität in Okayama hat  Professor Michael Jäckel mit der japanischen Partneruniversität vereinbart, die Zusammenarbeit zu vertiefen. Unverhofft kam es dabei zu einem ergreifenden Treffen, das mit einem Mord vor 36 Jahren zu tun hat.

Das Fach Japanologie und der Fachteil Deutsch als Zweit- und Fremdsprache (DaF) der Universität Trier pflegen bereits einen regen Austausch mit Kollegen der Universität Okayama. Bei dem Besuch in Okayama zeigte die japanische Partneruniversität Interesse an weiteren Themenfeldern, etwa am jährlich stattfindenden internationalen Ferienkurs in Trier, aber auch an der Pflegewissenschaft und am Thema Nachhaltigkeit.

Für die Gäste aus Trier kam es überraschend zu einer vom Präsidenten der Universität Okayama arrangierten Begegnung mit der Mutter der 1983 als Austauschstudentin in Trier ermordeten Mutsuko Ayano. In dem sehr bewegenden Gespräch berichtete Präsident Jäckel Frau Ayano von der an der Universität nach wie vor aktiv gelebten Erinnerung, die von Trierer Bürgern mitgetragen werde.

Mutsuko Ayano hatte  in ihrer Heimat Japan ein Studium der Germanistik abgeschlossen und war   im Jahr 1981 als Rotary-Stipendiatin an die Universität Trier gekommen, um dort zu promovieren. In Briefen, die sie an ihre ihre Eltern schrieb, berichtete sie über das Leben in Deutschland und ihre Liebe zur deutschen Sprache.

Am Morgen des 17. November 1983 ging Mutsuko Ajano  von der Kurfürstenstraße in Trier-Ost über den Kreuzweg zur Universität und begegnete dabei einem 20 Jahre alten polnischen Schaustellergehilfen. Dieser war zur Allerheiligenmesse in Trier. Der Mann versuchte, Mutsuko Ayano die Handtasche zu entreißen. Als diese sich wehrte, stürzte sie. Der Mann trat ihr mehrfach gegen den Kopf.  Er flüchtete mit einer Beute von 90 Mark. Mutsuko Ayano erlag Tage später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Zunächst hatte die Polizei nichts in der Hand und ermittelte in alle Richtungen.  Der Fall konnte gelöst werden, als der Täter im Dezember 1983 in Regensburg gefasst wurde, wo er eine weitere Frau beraubt und zu Tode getreten hatte. Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Im Jahr 1984 wurde an der Stelle des Mords auf dem Petrisberg eine vom Trierer Bildhauer Jupp Zimmer nach den Wünschen der Eltern Mutsuko Ajanos gestaltete Gedenkstele aufgestellt. Sie war  von Rotariern gestiftet worden. 2008 wurde eine Straße in Petrisberg-West nach Mutsuko Ayano benannt.

Im vergangenen Jahr hatten die Universität und das Fach Japanologie aus Anlass des 35. Todestages am Gedenkstein für Mutsuko Ayano an der Stelle des Mordes auf dem Trierer Petrisberg zu einem gemeinsamen Erinnern eingeladen. Bis heute löse das tragische Ereignis an der Universität und in der Stadt Trauer, Bestürzung und Verständnislosigkeit aus.

Unter dem Namen ihrer Tochter hatten Mutsuko Ayanos Eltern eine Stiftung zur Förderung des Austauschs von Studierenden aus beiden Ländern eingerichtet. Präsident Jäckel konnte Frau Ayano mitteilen, dass dank dieser Stiftung inzwischen mehrere Hundert Studierende vom deutsch-japanischen Austausch profitiert haben. „Ich habe Frau Ayano unseren großen Dank für die gemeinsame Erinnerungsarbeit ausgesprochen, die durch die Stiftung zugleich der Zukunft zugewandt und somit etwas ganz Besonderes ist“, so Jäckel.

Mutsuko Ayanos Briefe Die Briefe, die Mutsuko Ayano an ihre Eltern geschrieben hatte, wurden zusammengestellt und publiziert.

Das Buch kann gegen einen kleinen Kostenbeitrag per E-Mail an freundeskreis@uni-trier.de beim Freundeskreis Trierer Universität bestellt werden.

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