Bewegende Szenen im Moselort

Zum dritten Mal seit dem Jahr 2000 laden rund 200 Laienschauspieler in Klüsserath (Kreis Trier-Saarburg) ein, den Leidensweg Jesu Christi mitzugehen. Der TV war bei der Generalprobe der Passionsspiele dabei.

Klüsserath. Jesus (Michael Merten) ist zum zweiten Mal unter der Last des schweren Holzkreuzes zusammengebrochen. Von den Strapazen gezeichnet und dem Dornenkranz gepeinigt, liegt er auf dem nassen Pflaster. Seine Mutter Maria (Dorothee Feller), die Apostel, das Volk, seine Peiniger und die Zuschauer stehen um den Gefallenen herum.

Szenen erzeugen Mitgefühl und Betroffenheit



"Ich fühle die Erbärmlichkeit und Erschöpfung mit", sagt Katharina Brost aus Saarburg. Die 87-Jährige ist wie Hunderte von Zuschauern, die zur Generalprobe nach Klüsserath gekommen sind, mittendrin in dem Geschehen - einer Szene der Leidensgeschichte Jesu.

Rund 200 Laienschauspieler sind beteiligt: als Jesus, Maria, Pilatus, Judas oder als das Volk von Jerusalem.

Seit September haben sie wöchentlich unter der Leitung der Regisseure Hermann Lex und Achim Durwen geprobt. Und: Die männlichen Darsteller ließen sich Bärte wachsen, der heimische Paramentenverein hat die Kostüme genäht oder vorhandene auf Vordermann gebracht. Die jüngste Teilnehmerin ist die neun Monate alte Elena. Ihre Mutter spielt eine gute Frau aus dem Volk und trägt die Kleine in einem Tuch.

Das Zusammenspiel aller Beteiligten trägt dazu bei, dass die Gäste das biblische Damals hautnah miterleben können.

Der Kreuzweg ist rund einen Kilometer weit



Das Passionsspiel beginnt mit der Abendmahlszene und Fußwaschung in der Pfarrkirche. Die Ölbergszene spielt in den angrenzenden Weinbergshängen, und die Zuschauer begleiten den rund einen Kilometer langen Kreuzweg bis zur Kreuzigungsszene.

"Sehr ergreifend", sagt Ulrike Wagner aus Klüsserath. Auch ihr elfjähriger Sohn Fabian ist von dem Geschehen beeindruckt: "Interessant zu sehen, wie das damals abgelaufen ist." Die Aufführung endet mit der Grablegung in der Kirche. Diese Schluss-Szene wird von viel Applaus für die Schauspieltruppe und den Passionschor begleitet, der das Geschehen mit elf Liedern aus der Fastenzeit untermalt.

Die Generalprobe ist geglückt, lediglich an der Technik muss noch gefeilt werden. Die Zuschauer sind berührt, die Akteure erleichtert. Auch Jesus-Darsteller Michael Merten: "Es ist eine besondere Herausforderung die zentrale Person des Glaubens zu spielen." Nach der letzten Aufführung komme zwar der Bart ab, sagt Merten, aber die Vertiefung des eigenen Glaubens durch diese Rolle werde bleiben.

Die nächste Aufführung ist am 28. März um 15 Uhr. Start an der Klüsserather Pfarrkirche.

Die Hauptakteure: Jesus (Michael Merten, Frank Burbach); Petrus (Josef Thekes, Alfred Regnery); Johannes (Elvis Mihu); Thomas (Oliver Mattes); Judas (Frank Burbach, Michael Merten); Maria (Dorothee Feller, Maria Merten); Maria Magdalena (Pia Fuchs, Heike Schwarz); acht Apostel (Klaus Gebert, Stefan Lex, Steffen Zumpe, Hermann Lex, Bernhard Lex, Marco Schwarz, Robert Lex, Josef Morbach); Pilatus (Markus Lex); Hohepriester (Heinz Thielen), Passionschor (Leitung; Ewald Follmann), Regie (Hermann Lex, Achim Durwen), Autor ( Michael Friedrich).

Extra Die Idee zu den Klüsserather Passionsspielen stammt von Michael Friedrich, der auch das Buch für die Aufführung schrieb. Im Jahr 2000 wurden sie zum ersten und 2005 zum zweiten Mal aufgeführt. Mehrere Tausend Zuschauer erlebten dort bislang den Leidensweg Jesu mit. 2009 gründeten die Initiatoren den Verein "Klüsserather Passionsspiel". Der Verein beansichtigt, die Spiele alle fünf Jahre aufzuführen. Der Besuch der Aufführungen ist kostenlos. Der Verein bittet aber um Spenden, um die Kosten der Aufführung zu decken.