Bewegung in der Trierer Gastro-Szene

Bewegung in der Trierer Gastro-Szene

Drei Betreiber binnen elf Jahren: Nun soll eine dauerhafte Lösung für die Trierer Gastwirtschaft Friedrich-Wilhelm (Ex-Cumvino) kommen.

Der Abschied kommt für viele überraschend. Der Trittenheimer Sternekoch Alexander Oos (48) und seine Frau Daniela (46) ziehen sich aus der Gastwirtschaft Friedrich-Wilhelm zurück. Das Tagesgeschäft in dem Restaurant an der Weberbach nahe der Konstantinbasilika haben sie bereits Ende 2016 aufgegeben. Und wenn der Februar vorüber ist, dann ist auch mit Veranstaltungen und Feiern Schluss. Drei Jahre zuvor sind sie mit großen Elan gestartet, wollten "zurück zu den Wurzeln" und in der Trierer Altstadt zeigen, dass sie "auch einfach kochen können".

Doch das zweite Standbein hat wohl zu sehr an den Kräften der Familie gezehrt. "Wir beenden den Vertrag. Die Arbeit in Trier hat uns viel Freude gemacht und neue Freunde gebracht, aber wir wollen uns schon der Kinder wegen nicht übernehmen", sagt Daniela Oos. Der Abschied falle deshalb nicht schwer, weil man den Betrieb in guten Händen wisse. Besagte Hände gehören Alexander Rinke (48) und Ali Boussi (32). Gute Bekannte nicht nur der Familie Oos, sondern vor allem in der Ruwertaler Gastro-Szene. Das Duo betreibt bereits die Grünhäuser Mühle (Mertesdorf), den Pauliner Hof (Kasel) und die Casa Verde (Trier-Ruwer) und hat schon seit einiger Zeit ein Objekt in der Trie rer City gesucht.

Deshalb ist Gerhard Biewer (58), Verwaltungschef des Bischöflichen Priesterseminars und damit Hausherr der Gastwirtschaft Friedrich-Wilhelm, bei der Ali Boussi & Alexander Rinke OHG offene Türen eingelaufen. Der Pachtvertrag ist frisch unterzeichnet. Am 1. April beginnt eine neue Betreiber-Ära an der Weberbach - die dritte binnen elf Jahren.
Rückblick: 2006 hatte die Trägergesellschaft Bistum Trier (TBT) auf dem Gelände des früheren Stiftungsweinguts Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG) das Cumvino, ein Weinrestaurant mit Außengastronomie, eröffnet.

Das Unterfangen stand unter keinem guten Stern. 2009 schasste das Bistum den TBT-Geschäftsführer Jürgen Kast (52), um 2013 gänzlich die Notbremse zu ziehen: Die TBT sah sich vor allem wegen zu hoher Personalkosten (die kirchlichen Arbeitsverträge bescherten den Mitarbeitern Löhne, die fast ein Drittel über denen in der Gastronomie üblichen lagen) außerstande, das Cumvino wirtschaftlich zu betreiben, und machte den Laden dicht. Zu Beginn der darauf folgenden Saison stieg die Familie Oos ein - was nun auch schon Geschichte ist.

Rinke und Boussi wollen das machen, was der Begriff Gastwirtschaft suggeriert: ein gemessen an den Vorgängern eher rustikales Konzept mit regionaler frischer Küche und einem "deutlich günstigeren Preisniveau als bisher". Mit Mittagstisch, Vesperangebot, einem stattlichen Anteil an vegetarischen Speisen und einer Moseltapas-Bar, in der auch Weinproben über die Bühne gehen. Hinzu soll Catering kommen. Und im Sommer wird auf der Außenterrasse gegrillt.
Die Weinkarte erhält Zuwachs. Zu den obligatorischen Rieslingen der Bischöflichen Güter kommen Weine aus dem fünf Hektar Rebfläche umfassenden Gut, das Rinke und seine Frau Marion (48) besitzen.

Alexander Rinke geht "fest davon aus, dass Ali und ich dauerhaft an der Weberbach bleiben und für Kontinuität sorgen können. Das ist eine Superlage mit enormem Potenzial. Man muss sie nur wachküssen."

Ausgezaubert hat Ex-Fußballstar Ratinho (46; 1998 deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern) im Romikulum in der Metternichstraße (Trier-Nord). Das hatte das "Zaubermäuschen" (Spitzname) 2015 in eine Churrascaria (brasilianisches Grillrestaurant) verwandelt, mit anfangs beachtlichem Erfolg. Allerdings war Ratinho sehr selten vor Ort - zu selten, um Gäste bei der Stange zu halten oder neue zu gewinnen. Neuer Betreiber ist Jürgen Weber (55), zuvor im Pizzeria-Restaurant Waldsee (Riol) tätig. Im Romikulum gibt es nun ebenfalls auch Pizza und Pasta.

Vorläufig ausgenossen hat es in der Genussgesellschaft (Nagelstraße). Nach "zweimaligem Pech mit Pächtern" will Michael Becker (44), dem das aufwendig restaurierte Jugendstilhaus gehört, "erst mal nicht auf die Suche" nach jemandem gehen, mit dem sich das favorisierte Konzept (Kombination aus Café und Buchhandlung) realisieren lässt. Phase eins ( 2012 bis 2015) der Genussgesellschaft hatte mit der Insolvenz der Pächterin ein abruptes Ende gefunden, Phase zwei dauerte nur wenige Monate im zweiten Halbjahr 2016.

Noch nichts Neues zu vermelden gibt in Sachen Krim - aber vielleicht bald. Pächter Peter Brommenschenkel (61) hatte das Traditionslokal in der Glockenstraße während des mehrjährigen Umbaus der ihm und seiner Frau Anne (65) gehörenden Glocke als "Exil-Glocke" genutzt. Seit dem Rückzug im Oktober steht die Krim leer. Derzeit verhandelt Brommenschenkel mit mehreren Interessenten und sieht "gute Chancen", dass die Krim noch im Frühjahr wiedereröffnet. Er selbst hat kein Interesse am Weiterbetrieb. Sein Pachtvertrag endet spätestens im Herbst.WEITERE VERäNDERUNGEN IN DER STADT

Extra

Das ehemalige Chinarestaurant in der Palaststraße ist eine Baustelle. Hier entsteht ein Burgerhouse. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Bleibt vorerst geschlossen: die Genussgesellschaft in der Nagelstraße. TV-Fotos (2): Friedemann Vetter. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Veränderungen gibt es auch an anderen Gastro-Schauplätzen in Trier. Im ehemaligen China-Restaurant Mandarin (Palaststraße 28/Am Breitenstein) gibt es demnächst Burger statt Penking-Ente. Das neue Restaurant heißt Burgerhouse; Betreiber ist die Foodhouse GmbH aus Wittlich, die dort bereits ein gleichnamiges Lokal hat. Das Gebäude am Breitenstein gehört der Günther und Käthi Reh-Stiftung & Co KG und wird derzeit umgebaut.

Mehr von Volksfreund