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Biber hat sich häuslich eingerichtet

Biber hat sich häuslich eingerichtet

Der Biber am Lorscheider Bach könnte länger bleiben und verursacht bisher keine Probleme in seinem Umfeld. So lautet das Fazit der rheinland-pfälzischen Biberexpertin Stefanie Venske, die sich umgesehen hat. Mit Hilfe von Fellproben will sie ermitteln, woher der Nager gekommen ist.

Lorscheid. In Regenjacke und Gummistiefeln stapft Stefanie Venske vom Biberzentrum Rheinland-Pfalz durch das sumpfige Ufer am Lorscheider Bach. Begleitet wird sie von Förster Clemens Philipps. Der hat der Biberexpertin gemeldet, dass sich in seinem Revier einer der seltenen und unter Naturschutz stehenden Nager häuslich eingerichtet hat (der TV berichtete).
Dass die Bäume am Bach tatsächlich von einem Biber gefällt wurden, davon hatte sich die Fachfrau bereits anhand von Fotos überzeugt. Nun will sie klären, ob das Tier in der Umgebung Schäden anrichten und Konflikte mit den privaten Eigentümern der Grundstücke am Bach heraufbeschwören könnte. Der erste Eindruck: "Ich sehe kein unmittelbares Konfliktpotenzial."
Mit dem Förster bahnt sich Venske ihren Weg am Bachlauf entlang. Sie will die Grenzen des Biberreviers abschreiten. Schon ein gutes Stück vor der Lorscheider Teichkläranlage können die beiden keine abgeschälten Bäume oder sonstige Spuren des Pflanzenfressers mehr erkennen.

Burg für längeren Aufenthalt


"Von der Anlage ist er also weit genug entfernt. Dort stehen auch keine Bäume, die ihn interessieren würden", urteilt Venske. Auch bis zu den Fischteichen sei der Biber bisher nicht vorgedrungen. In Höhe des Damms, den das Tier errichtet hat, um vor seiner Wohnstätte das Bachwasser zu stauen, erregt ein Abwasserrohr die Aufmerksamkeit der Biberexpertin. Sie gibt aber Entwarnung: "Das hier macht dem Biber nichts aus. Was die Wasserqualität angeht, ist er ohnehin weniger empfindlich als manche denken. "
Laut Venske siedelt der Biber wohl schon seit Herbst am Lorscheider Bach. Die Ansammlung von Ästen in Nähe des Damms sei - wie vom Förster vermutet - eine Biberburg: "Das ist ein Zeichen dafür, dass er nicht so bald verschwindet." Die Ankunft des seltenen Nagers habe sich im Dorf rasch herumgesprochen. Weil "zu viel Störung" nicht gut für das Tier sei, hofft die Expertin, dass sich die Aufregung bald wieder legt.
An einem Fressplatz des Bibers hinterlässt Venske eine spezielle Falle, mit der sie an Fellproben herankommen will. "Ein Gentest kann uns seine Herkunft verraten", erklärt sie. Es gebe kanadische und europäische Biber, aber nur letztere seien vor ihrer Ausrottung um 1840 in der Region heimisch gewesen und stünden deshalb unter Schutz. Anhand der europäischen Untergattung lasse sich auch bestimmen, woher das Tier gekommen sei: "Ist es ein Elbe-Biber, dann kommt er aus dem Saarland." cweb