Bilder einer Straße

TRIER-WEST/PALLIEN. Zwölf Monate hat Elke Wickel von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) mit Kamera, Stift und Block ein LOS-Projekt des Dechant-Engel-Hauses begleitet. So ist ein Buch mit Geschichten über Menschen entstanden, die im Irminenwingert wohnen, mit den Bewohnern arbeiten oder sich ehrenamtlich engagieren.

17 Menschen, 17 Gesichter, 17 Geschichten. Sie sollen dazu beitragen, dass die Herkunft, der Wohnort etwa bei Bewerbungen kein Stigma mehr ist, so der Wunsch von Elke Wickel. Hinschauen, helfen, aktiv werden, dazu soll das Buch motivieren. Und aufzeigen, dass es sich lohnt, einen Prozess in Gang zu bringen, Vertrauen in Hilfsangebote zu setzen und auch selbst dafür einzustehen.Ausstellung in Köln

Denn in dem Buch ist abzulesen, was sich durch ein LOS-Projekt (Lokales Kapital für soziale Zwecke) im Umfeld des Irminenwingerts verändert hat. Im Februar 2005 startete das Dechant-Engel-Haus die Initiative, die dort die Verschönerung und Renovierung der Hauseingänge und die Gestaltung eines kleinen Gartens im Schatten der Ruine des Hauses Nummer sieben zum Ziel hatte. Die Künstlerin Linde Andersen und Sozialarbeiter und Anwohner Tom Willinger unterstützten die Aktion ehrenamtlich und arbeiteten mit den Bewohnern. Mittlerweile ist das verfallende Haus abgerissen, Rasen wurde gesät, der Garten mit Weidentipi und Skulpturen neu angelegt. Von erneuten Müllablagerungen ist er bisher verschont geblieben, Zeichen für die Wertschätzung und Verantwortung, die die Menschen im Irminenwingert nun für ihr Umfeld empfinden. In dem Fotobuch "Uns schöner Trier" kommen eben diese Menschen zu Wort: Bewohner, Menschen, die mit ihnen in sozialen Einrichtungen des Stadtteils arbeiten und auch solche, die sich ehrenamtlich engagiert haben. Es ist Teil des Projekts "Nah dran - Alternativer Sozialreport Deutschlands" der KAB-Stiftung "Zukunft der Arbeit und der sozialen Sicherung". In 20 weiteren Städten wurden unter diesem Stichwort ebenfalls Projekte durchgeführt, die sich mit Arbeitslosen, Frauen, die in Altenheimen leben, oder mit Migranten und deren Lebensumständen beschäftigen. Die Ergebnisse münden in eine Ausstellung Mitte Juni in Köln. Danach geht der alternative Sozialreport als Wanderausstellung auf Reisen. Das Fotobuch über den Irminenwingert können sich Interessierte im Dechant-Engel-Haus ansehen. "Die Wohnungen im Irminenwingert sind zum Teil in schlechtem Zustand. Doch trotz aller Widrigkeiten sind die Menschen dort fest verwurzelt", sagt Dagmar Burozzadeh, Leiterin des Dechant-Engel-Hauses. "Und sie haben dennoch nur bescheidene Wünsche, das ist mir aufgefallen", sagt Autorin Wickel. Bezeichnend ist ein Satz aus dem Interview mit einer 34-jährigen Frau: "Es gibt noch viel ärmere Leute als uns."