Bilder vom Kaiser und Neues aus Trier
Trier · 302 Seiten, 26 Beiträge: Der Verein Trierisch hat den 53. Band des Neuen Trierischen Jahrbuchs mit Texten rund um Geschichte, Kultur, Kunst, Architektur und Mundart vorgestellt. Den Festvortrag hielt der Kunsthistoriker und Medienwissenschaftler Ralf Kotschka über die filmische Rezeption des Kaiserbesuchs in Trier im Jahr 1913.
Druckfrisch und lesenswert: Udo Fleck, Vorsitzender des Vereins Trierisch, Kunsthistoriker Ralf Kotschka, Klaus Fischbach, Leiter des Madrigalchors, Vizevorsitzender Udo Köhler und Trierer Mundart-Urgestein Walter Schrage (von links) präsentieren das Neue Trierische Jahrbuch. TV-Foto: Cordula Fischer
Trier. "Punk: Kultur des Protests" ist wohl einer der ungewöhnlichsten Beiträge, die im Neuen Trierischen Jahrbuch abgedruckt sind. Die Autorin, Petra F. Köster, hat in Trier studiert, ist Pädagogin, hat ihre Diplomarbeit unter dem Titel "Punk - die unsichtbare Grenze" geschrieben und sich unter anderem mit der Trierer Punkszene beschäftigt. Ebenso ungewöhnlich war auch das Thema für den Festvortrag gewählt, für den der Verein Trierisch den Trierer Kunsthistoriker und Film-Experten Ralf Kotschka gewinnen konnte.
Stummfilm geht um die Welt
Im Gepäck hatte er einen zweieinhalb Minuten langen Stummfilm, den die französische Filmgesellschaft Pathé Frères 1913 vom Kaiserbesuch Wilhelms II. in Trier gedreht hat. Mit anderen Beiträgen zum "Pathé-Journal" zusammengeschnitten hat der Schwarz-Weiß-Streifen überlebt. Es waren die ersten Bilder von Trier, die um die Welt gingen und einem überregionalen Massenpublikum zugänglich gemacht wurden.
Gezeigt werden nicht nur Szenen, wie Wilhelm II. zur Einweihung der neuen Moselbrücke - der Kaiser-Wilhelm-Brücke - kommt und durch die Stadt geführt wird. Für einige Sekunden ist auch der Trierer Filmpionier Peter Marzen - zu erkennen an seinem Markenzeichen, dem Strohhut - mit seiner Filmkamera zu sehen . Solche "audiovisuellen Zeugnisse der Stadtgeschichte" könnten junge Menschen besser erreichen als so mancher Text, sagte Kotschka und machte darauf aufmerksam, wie wichtig es sei, sie zu bündeln und in einer zugänglichen Datenbank zur Verfügung zu stellen.
Nachzulesen ist Kotschkas Vortrag im Neuen Trierischen Jahrbuch nicht, allerdings enthält es ebenfalls Interessantes aus der Moselstadt. Wolfgang Schmid etwa widmet sich 125 Jahren Eifelverein, Adolf Welter schreibt über die Militärparade von 1893 (Anlass für den ersten Trier-Besuch Kaiser Wilhelms II.), Horst Lachmund über Paul Trappen, Hiltrud Holzberger über die Firmen der Trierer Familie Laeis. Weitere Jubiläen wie die der Pfarrei Heiligkreuz und der Lebenshilfe sind ebenfalls berücksichtigt.
Auch kunsthistorisch Interessierte kommen auf ihre Kosten: Peter A. van Stipelen geht auf Spurensuche zu den Anfängen der Denkmalpflege in Trier zurück, Arthur Fontaine berichtet über den Trierer Bilder- und Heiligenbäcker Louis Kieffer. Auf nur zwölf Seiten gibt es Mundart zum Nachlesen sowie ein Stück von Arnt Finkenberg über die Viezbruderschaft. Denn, erklärt Udo Fleck, Vorsitzender des Vereins Trierisch, "wir sind kein Mundart-Verein. Das ist ein Bestandteil. Aber wir kümmern uns verstärkt um Geschichte und Kultur in Trier".
Unter der Rubrik "Ehrungen, Glückwünsche und Gedenken" kommen Franz Ronig, der 2012 den Rheinlandtaler verliehen bekommen hat und seinen 85. Geburtstag feierte, sowie Annemarie Zander, die 100-jährige "Grande Dame der Trierer Stadt- und Familiengeschichte", zu Ehren. Nachrufe gibt es auf Karl Haeh ser, Heinz Heinen und Gisela Schrage. Obligatorisch: Berichte aus dem Vereinsleben von Udo Fleck, Buchbesprechungen, und Udo Köhler hat unter der Rubrik "Verloren - Gefährdet - Gerettet" genau hingeschaut.
Extra
Der Verein Trierisch ist 1897 gegründet worden und hat zurzeit etwa 500 Mitglieder. Er bietet Vorträge und Mundartveranstaltungen an, gibt jedes Jahr das Neue Trierische Jahrbuch (NTJ) heraus. Neu ist, dass es eine Reihe zusätzlicher Beiträge gibt, für die der Platz im NTJ zu begrenzt ist, die der Verein nun aber in Beiheften veröffentlicht. Band 1 "Vierzig Jahre Universität Trier (1970-2010)" von Ignaz Bender ist wie das NTJ frisch erschienen. Weitere Information zum NTJ und dem Verein Trierisch im Internet unter www.verein-trierisch.com cofi