Bilder von Großkopferten und kleine Gesten: Ausstellung zeigt politische Pressefotos und Karikaturen

Bilder von Großkopferten und kleine Gesten: Ausstellung zeigt politische Pressefotos und Karikaturen

Der Wettbewerb "Rückblende" würdigt seit mehr als 30 Jahren besonders eindrückliche politische Pressefotos und Karikaturen. Die aktuelle Wanderausstellung ist derzeit in Trier zu besichtigen - und enthält auch ein Werk aus dem Volksfreund.

Trier. "Tristesse" - so hat TV-Fotograf Friedemann Vetter ein Werk getitelt, das eine Frau und ein Kind zeigt, die durch die Scheibe eines Wohncontainers in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Trier nach draußen schauen. Es entstand im Rahmen eines Ortstermins mit Politikern und anderen Verantwortlichen nach einem Brand auf dem Gelände in Trier-Nord - und wurde von der Jury des "Rückblende 2014"-Wettbewerbs für besonders wertvoll befunden. Damit hat es sich mit 99 anderen Fotos sowie 50 Karikaturen einen Platz im Katalog und in der Wanderausstellung gesichert, die bis zum 1. Juli im Gebäude der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) zu besichtigen ist.
Erinnerung an Charlie Hebdo


Im Rahmen einer kleinen Feier führte Michaela Veith, Presssprecherin der Landesvertretung Rheinland-Pfalz beim Bund, in Vertretung von Staatssekretärin Jacqueline Kraege in die Ausstellung ein. Als Vorsitzende der zwölfköpfigen Wettbewerbsjury habe sich Jacqueline Kraege 1100 Fotos und Zeichnungen angesehen und bewertet. Veith: "Was die Fotografen in ihrer Funktion nicht fassen können, bewerten die Zeichner."
Gerade die waren im vergangenen Jahr buchstäblich mörderischen Angriffen ausgesetzt - daran erinnerte neben Kraege auch Isabell Funk. In ihrem Grußwort verteidigte die TV-Chefredakteurin die unbedingte Freiheit der spitzen Federn: "Aber die größten Feinde der Meinungs- und Pressefreiheit sind nicht einige Fanatiker und Terroristen. Die größten Feinde sind politische Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit."
Auch viele der Fotos von nationalen und internationalen Spitzenpolitikern in der Ausstellung bringen ihre Botschaft mit Witz herüber: Wenn etwa der Auslöser genau in dem kurzen Moment betätigt wurde, in dem eine nicht immer gewollte Geste oder Mimik die Rollen und Ansichten der Staatenlenker entweder denkbar stark betont oder aber humorig konterkariert.
Und bei mancher opulenten, aber auch scheinbar selbstgefälligen Hochglanzoptik vermutet der Betrachter zu Unrecht Inszenierung - darauf weist Michaela Veith hin: Das berühmte Bildnis Ursula von der Leyens, die in strenger Haltung vor der Silhouette eines Flugzeugs steht, sei von der Verteidigungsministerin so nicht intendiert gewesen.
Die emotional stärksten Bilder sind aber sicher die, die keine Prominenten zeigen - sondern Flüchtlinge auf Grenzzäunen oder Maori, die Regierungssprecher Seibert anzugreifen scheinen. Eine vollverschleierte Frau, deren Taschen ein angriffslustiges "Islam.Ist.In" ziert.
Oder eben ein Kind und eine Frau in einem grauen Wohncontainer an einem ebenso grauen Oktobertag. "Mich haben solche Menschen eigentlich immer mehr interessiert als die Großkopferten", sagt TV-Fotograf Friedemann Vetter.
Die Ausstellung "Rückblende 2014" kann bis 1. Juli im Gebäude der ADD am Willy-Brandt-Platz während der allgemeinen Geschäftszeiten besichtigt werden. Der Eintritt ist frei, ein Katalog zur Ausstellung kostet acht Euro. Mehr zum Wettbewerb und Beiträge aus den Vorjahren im Internet: www.rueckblende.rlp.de

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