1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Bin ich schuld daran, wenn Papa stirbt?

Bin ich schuld daran, wenn Papa stirbt?

Wenn ein Elternteil Krebs bekommt, ist dies eine große Belastungsprobe für die Familie. In der Beratungsstelle Papillon werden Kindern ihre drängendsten Fragen zu dem Thema beantwortet, sie finden dort Freizeitangebote und können sich mit anderen Betroffenen austauschen.

Burgen/Trier. Papillon ist das französische Wort für Schmetterling. "Anna liebte Schmetterlinge", erklärt Hermann Becker, Vorsitzender des Vereins "Von Betroffenen für Betroffene - Annas Verein". Die 17-jährige Anna aus Burgen war 2003 an Krebs gestorben. Ihre Eltern hatten mit Gleichgesinnten den Verein zur Förderung von Einrichtungen zur Behandlung chronisch und krebskranker Kinder gegründet, der unter anderem die Trierer Villa Kunterbunt unterstützt.
Im Jahr 2009 mietete der Verein eine kleine Wohnung in der Krahnenstraße an und richtete dort die Beratungsstelle Papillon für Kinder krebskranker Eltern ein. Dort, im Hinterhof des Mutterhauses der Borromäerinnen, wurde nun das fünfjährige Bestehen gefeiert.
"Wir kooperieren eng mit dem Mutterhaus und machen auch Hausbesuche", erklärt Anne Klormann, eine der beiden Psychologinnen der Beratungsstelle. Die meisten Gespräche finden mit den Kindern allein statt: "Dann trauen sie sich mehr zu erzählen und ihre Ängste und Sorgen offen anzusprechen."
Ängste, ob sie vielleicht schuld daran sind, dass ein Elternteil krank ist. Ängste, ob sie noch mit Freunden spielen und Spaß haben dürfen oder wer ihnen nun bei den Hausaufgaben hilft. "Die Freunde in der Schule verstehen die Kinder oft nicht", sagt Anne Klormann. Gespräche mit Kindern in ähnlicher Lage sowie erlebnispädagogische Gruppenangebote sorgten für Entlastung. Gleichzeitig nutzten Eltern die Gelegenheit, sich auszutauschen.
Papillon plant auch eine Trauergruppe: "Viele Familien wenden sich relativ spät an uns, und in vielen Fällen sind die Prognosen nicht gut." Mit einer Trauerbegleiterin der Katholischen Familienbildungsstätte bestehe eine enge Kooperation.
Ein Trauer-Wochenende für Mütter und Kinder habe sich als sehr hilfreich erwiesen: "Es war teilweise sehr belastend und tiefgehend, aber insgesamt sehr entlastend", erinnert sich die Psychologin.
Mehr als 400 Familien hat Papillon in den fünf Jahren betreut, rund 50 sind es aktuell. "Der Bedarf ist sehr groß", resümiert Anne Klormann. "Wir sind ständig auf der Suche nach Spenden." Hermann Becker betont: "Von uns steckt ganz viel Herzblut darin. Annas Tod hat so schon sehr vielen Menschen geholfen. Es ist für uns natürlich ein schwacher Trost, aber es gibt dem Ganzen einen Sinn." DQ
Weitere Informationen und die Daten zum Spendenkonto unter <%LINK auto="true" href="http://www.papillon-trier.de" class="more" text="www.papillon-trier.de"%>