Birgit Müller unterrichtet bereits die zweite Generation von Ballettschülerinnen - "Ein Job für Idealistinnen"
Trier · Dass ihr Beruf etwas mit Tanz zu tun haben sollte, wusste Birgit Müller schon als Ballettschülerin der damaligen Trierer Schule Hilger-Lee. 1990, vor 25 Jahren, übernahm sie das Institut. Das Leben und der Alltag von Kindern habe sich seither sehr verändert, sagt Müller - und sieht doch eine wichtige Konstante.
Seit sie sechs Jahre alt ist, tanzt Birgit Müller Ballett. Vor 25 Jahren, im Winter 1990, übernahm sie die Tanzschule Hilger-Lee, an der sie selbst Schülerin war. Die Schule in dem weißen Altbau mit den hohen Decken in der Eberhardstraße wurde 1970 gegründet und bis 1990 von Müllers Ballettlehrerin in Kinderzeiten geführt.
"Dass ich beruflich etwas mit Tanz machen wollte, stand schon früh fest. Aber die Schule zu übernehmen, das ergab sich so", sagt die 51-jährige Müller. Sie ist registrierte Lehrerin bei der Londoner Royal Academy of Dance.
Mit 26 Jahren eine Ballettschule zu übernehmen sei nicht einfach gewesen, erzählt sie rückblickend. "Gleichzeitig habe ich noch mein Lehrdiplom gemacht und musste Prüfungen schreiben." Zunächst renovierte Müller und baute um. "Am Anfang war es schon etwas stressig. Wir haben hier lange Zeit in einer Baustelle gelebt."
30 000 Unterrichtsstunden habe sie mittlerweile gegeben, schätzt die Tanzpädagogin. "Trotzdem ist es nie Routine geworden, denn jeder Schüler, jeder Körper ist anders. Man fängt immer wieder von vorne an!" Müller erklärt ihre Arbeit so: "Es ist wie bei einer Leiter, jeder Schüler startet auf einer anderen Stufe. Mein Job ist es, alle auf dieser Leiter weiter nach oben zu bringen und ihnen zu zeigen, dass sie höher kommen, als sie glauben."
Tanzen ist für Brigit Müller eine Schule fürs Leben. "Es lehrt uns Disziplin, Selbstvertrauen, Koordination, Musikalität, Haltung und die Präsentation auf der Bühne. Die Mädchen entwickeln ein besseres Körperbewusstsein."
Seit ihrer eigenen Kindheit habe sich viel verändert, sagt die Lehrerin. "Die Kinder gehen heute in Ganztagsschulen, haben weniger Freizeit und noch andere Hobbies. Der Tanz muss konkurrieren. Aber das ändert nichts an seiner Beliebtheit."
Müller unterrichtet 30 Klassen pro Woche - die Kleinsten sind drei Jahre alt. Auch einen Jazz-Kurs und zwei Pilates-Klassen für Erwachsene gibt es an ihrer Schule. "Einige der Erwachsenen waren während der gesamten 25 Jahre dabei, auch manche ihrer Kinder tanzen heute bei mir", sagt sie. Der Beruf sei oft stressig, aber sie gehe ihm mit Leidenschaft nach - und bleibe fit und gefordert durch die jungen Leute. "Ballettlehrerin ist nun mal ein Job für Idealistinnen."