1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Bis auf Falschparker ist die Welt in Ordnung

Bis auf Falschparker ist die Welt in Ordnung

Vorgartencharakter attestiert Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz seinem Stadtteil Euren. Was er mit einer Million Euro dort anfängen würde, verrät er im Interview zur Stadtteiltour.

Trier-Euren. Ortsvorsteher zu sein liegt in der Familie: Schon Hans-Alwin Schmitz\' Vater Hans hatte dieses Amt. inne. Für den TV hat sich Redakteur Michael Schmitz mit dem Amtsinhaber über den Stadtteil unterhalten.
Unsere Standardfrage am Anfang an Ortsvorsteher: Welches ist der schönste Trierer Stadtteil?
Schmitz: Wie jeder Ortsvorsteher antworte ich da natürlich mit dem Heimatstadtteil Euren. Die Ausgangslage für den Stadtteil ist ja sehr günstig. Wir haben die Nähe zur Innenstadt, die gute ÖPNV-Anbindung, wir haben eine gute Infrastruktur mit Lebensmittelversorgung, Banken, Ärzten, Kirche, Kindergarten und Schule, wir haben viel Wald, und wir haben die Mosel. Ich bekomme regelmäßig Anfragen nach Wohngrundstücken - eigentlich könnte ich mich als Makler selbstständig machen. (lacht). Als Eurener empfindet man das zwar manchmal gar nicht so, aber es sagen einem dann aber andere, wie schön der Stadtteil ist.
Sie sagen, Sie könnten Immobilienmakler werden. Gibt es denn in Euren viel Bewegung im Immobilienmarkt?
Schmitz: Nein, das Baugebiet BW 51 ist so gut wie komplett bebaut. Aber im Rahmen des Flächennutzungsplanes sind ja Baugebiete Richtung Zewen vorgesehen. Das werden so rund acht bis neun Hektar, die für Wohnbebauung ausgewiesen werden sollen.
Der Güterverkehr auf der Westtrasse der Bahn und der damit verbundene Lärm hat ja jüngst monatelang für Aufsehen gesorgt. Auch dem Ausbau des Personenverkehrs auf der Westtrasse stehen viele Eurener skeptisch gegenüber. Ist aber so eine Anbindung an eine Bahnstrecke nicht auch ein Vorteil für einen Stadtteil?
Schmitz: Die Angst war da, dass es zu einer Verschiebung von Güterverkehr in die Nachtstunden auf der Trasse kommt. Gegen die Regionalbahn hat keiner etwas. Die ist ja auch leise. Ob die Verkehrsprognosen dafür nachher eintreffen, wird man sehen. Ein Nachteil für den Stadtteil ist es sicher nicht, wenn die Anbindung hier besser wird.
Bei allen Stadtteiltour-Interviews gab es kaum einen Ortsvorsteher, der nicht über Verkehrsprobleme klagte. Welche Klage führen Sie?
Schmitz: Wir beklagen den Zustand der Eisenbahnstraße, die in einem katastrophalen Zustand ist. Was die Eurener nicht verstanden haben, ist, dass man die im Zuge des Ausbaus der Eurener Straße nicht mitgemacht hat. Ein Problem ist auch der Verkehr, der über die Bitburger abfließt, wenn die mal wieder zu ist. Da kommen dann über Trierweiler nach Euren doppelt so viele Autos runter als sonst. Ein anderes Problem ist das Parkverhalten der Leute im Stadtteil selbst. Das ist aber vermutlich im restlichen Stadtgebiet auch nicht anders. Da wird gegen die Fahrtrichtung geparkt, im absoluten Halteverbot, so dass kein Bus mehr durchkommt - und trotzdem kriegt niemand einen Knoten. Ich unterstütze deshalb auch den Stadtratsbeschluss, dass da härter vorgegangen wird. Der Ortsbeirat hat jetzt auch einstimmig den Antrag gestellt, dass wir auf der Eurener Straße im Bereich der Eisdiele zumindest mal ein eingeschränktes Halteverbot machen. Es kann nicht sein, dass Leute da den ganzen Tag ihr Auto stehen lassen.

Bei den Höhenstadtteilen oder den Stadtteilen am Rande der Stadt wundert es einen nicht, dass sie noch einen sehr dörflichen Charakter haben. Auch in Euren gibt es noch sehr viele Vereine. Gibt es hier noch diesen dörflichen Zusammenhalt?
Schmitz: Ja, der ist außergewöhnlich gut.
Woran liegt das?
Schmitz: Wir sind tatsächlich irgendwie noch so eine Art Dorf, auch wenn Euren 1930 eingemeindet worden ist. Euren hat auch so einen Vorgartencharakter - das ist in der Stadt sonst ja auch nicht üblich, dass viele Häuser frei stehen und Gärten haben. Die Welt ist in Euren noch irgendwie in Ordnung, die Leute kommen gerne her und wohnen gerne hier.
Zu Euren gehört ja auch das ehemalige Dorf Herresthal. Fühlen sich die Herresthaler eigentlich auch als Eurener?
Schmitz: Herresthal ist schon ein kleiner Stadtteil für sich. 1998 hat es da eine 750-Jahr-Feier gegeben, für die die Bewohner den ganzen Ort auf Vordermann gebracht hatten. Das war eine ganz tolle Sache. Was die Identität angeht, so sind die Herresthaler ein bisschen geteilt. Beerdigt werden sie in Trierweiler. Die Kinder gehen in den Kindergarten nach Zewen, zum Teil auch dort zur Schule. Und politisch gehören sie zu Euren.
Nach Trier-West werden jetzt große Summen für den Stadtumbau gepumpt. Blicken Sie da neidisch auf die Nachbarn?
Schmitz: Nein, neidisch nicht. Trier-West ist halt auch ein sozialer Brennpunkt. Wenn man da die Struktur des Stadtteils ändern kann mit solchen finanziellen Mitteln, dann finde ich das einfach gut. Es ist notwendig, das kann man nachvollziehen.
Gedankenspiel: Der Oberbürgermeister gewinnt im Großstadtlotto etliche Millionen Euro und verteilt das Geld in den Stadtteilen. Sie bekommen eine Million für Euren. Was würden Sie damit machen?
Schmitz: Da würde ich sagen: Mir reicht der Hickhack, den wir bisher mit unserem Dorfplatz hatten, den Ausbau würde ich direkt mal machen. Vielleicht auch noch die Sanierung der Eisenbahnstraße, das dürfte noch reichen. Damit wäre den Eurenern schon mal gut geholfen.
Am Wochenende wird Eurener Kirmes gefeiert. Warum lohnt es sich denn auch als Nicht-Eurener, da hinzugehen?
Schmitz: Es ist noch so eine typische Dorfkirmes, die es sonst ja kaum noch gibt. Und die Nachkirmes am Donnerstag, 28. August, ist so etwas wie Kult geworden - da ist immer jede Menge los. micExtra

 Ein überzeugter Eurener: Hans-Alwin Schmitz, Ortsvorsteher in der zweiten Generation. TV-Foto: Friedemann Vetter
Ein überzeugter Eurener: Hans-Alwin Schmitz, Ortsvorsteher in der zweiten Generation. TV-Foto: Friedemann Vetter

Hans-Alwin Schmitz ist seit zehn Jahren Ortsvorsteher in Euren. Zuvor hatte sein Vater Hans schon 15 Jahre dieses Amt inne. Dem Ortsbeirat gehört Schmitz seit 20 Jahren an. Bei der Kommunalwahl wurde er mit knapp 83 Prozent der Stimmen im Stadtteil wiedergewählt. Schmitz war Elektromeister beim RWE, ist 60 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Söhne. mic