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Bis zu zehnmal mehr Kinder in der Notbetreuung – Warum auf Kita-Seite „Hilflosigkeit und Frustration“ herrscht

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Alltag : Bis zu zehnmal mehr Kinder in der Notbetreuung – Warum auf Kita-Seite „Hilflosigkeit und Frustration“ herrscht

Immer mehr Eltern melden ihre Kinder in den Kitas an. Die Unklarheit, wann die Einrichtungen zum Regelbetrieb zurückkehren, führt allerdings zu Hilflosigkeit und Frust.

Die Frisöre haben wieder auf, Restaurants, Kosmetikstudios und so weiter auch. Auch Büros stellen teilweise wieder von Homeoffice auf Anwesenheitspflicht um. Für viele Eltern bedeutet das: Zurück zur Arbeit. Und das zeichnet sich auch bei der Nachfrage nach Notbetreuung in den Kitas in Stadt und Landkreis ab:

In den 44 Kindertagesstätten, die die kirchliche gemeinnützige Kita gGmbH betreibt, waren es vergangene Woche 541 Kinder. Am Wochenanfang setzte sich der Trend nach oben fort. „Es ist erneut ein deutlicher Anstieg zur Vorwoche festzustellen“, bestätigte Kita-gGmbH-Pressesprecherin Sarah Hoffmann am Montag auf TV-Nachfrage.

Zum Vergleich: Noch Ende April waren nur gut 130 Kinder in den Kita-gGmbH-Einrichtungen im Landkreis zur Notbetreuung angemeldet. In den Kitas im Trierer Stadtgebiet ist die Nachfrage noch stärker gestiegen: Bis zu 700 Kindern seien in der vergangenen Woche in insgesamt 62 Einrichtungen notbetreut worden, teilt Rathaus-Pressesprecher Michael Schmitz mit. Ende April waren es noch 74 Kinder. Der Bedarf hat sich damit in den vergangenen drei Wochen in etwa verzehnfacht.

Die Regeln für die Aufnahme in die Notbetreuung sind – zumindest auf dem Papier – immer noch strikt. Laut Landesverordnung dürfen Kinder nur aufgenommen werden, wenn die Eltern keinerlei andere Betreuungsmöglichkeit haben. Die Auslegung dieser Voraussetzung wurde in den vergangenen Wochen dabei streng ausgelegt. Homeoffice galt zum Beispiel nicht als Notbetreuungsgrund. Die Einrichtungen gingen zumindest zum Teil davon aus, dass Eltern parallel zu ihrem Arbeitstag im Homeoffice auch kleine Kinder zu Hause betreuen können (der TV berichtete).

Wenn die Nachfrage für die Notbetreuung weiter so wie in der vergangenen Woche ansteige, müsse allerdings „aufmerksam geprüft werden, wie Angebot und Nachfrage in Einklang gebracht werden können“, formuliert Rathaussprecher Schmitz. Schließlich gelte weiterhin der „höchstmögliche Schutz aller Beteiligten durch Verhaltens- und Hygieneregeln“. Dass eine Lehrerin der Nelson Mandela Realschule plus in Trier vorige Woche positiv auf das Coronavirus getestet wurde und mittlerweile Symptome bei weiteren Lehrkräften und auch einer Schülerin aufgetreten sind, dürfte den Druck auf die Einrichtungen und die verantwortlichen Behörden nochmal erhöhen. Zumal die Hygieneregeln bei Kindern der 9. und 10. Klasse wohl einfacher einzuhalten und umzusetzen sind als bei Kleinkindern. Von den geltenden Abstandsempfehlungen ganz zu schweigen.

Besonders schwierig ist dabei die Eingewöhnung von Kindern, die eigentlich ab Mitte März erstmals in eine Kita gegangen wären, aber zu Hause bleiben mussten. Von den Eltern, die sich beruflich auf die beginnende Kita-Zeit eingestellt hatten, werde nun „verstärkt die Eingewöhnung nachgefragt“, erklärt Rathaussprecher Schmitz. Während der Eingewöhnungszeit sind allerdings auch die Eltern anfangs mit in der Kita und anschließend „auf Abruf“ zu Hause, um im Falle, dass das Kind sich in der fremden Umgebung gar nicht beruhigen lässt, dieses abholen zu können. Die Anwesenheit der Eltern in den Kitas sei „natürlich unter Berücksichtigung der notwendigen Maßnahmen zum Infektionsschutz eine besondere Herausforderung“, betont Schmitz.

Die Kita gGmbH hat in den vergangenen Wochen alle Eltern angerufen – sowohl im Landkreis als auch in der Stadt Trier, wo der kirchliche Träger 26 Kitas betreibt. Bei den Telefonaten sei es vorrangig „um das allgemeine Befinden“ gegangen. „Zusammenfassend kann man sagen, dass es für keine Familie einfach ist. Viele sehen sich völlig neuen Herausforderungen gegenüber. Die meisten haben jedoch einen individuellen Weg gefunden, um diese so gut wie möglich zu bewältigen“, berichtet die Kita-gGmbH auf TV-Nachfrage. Die „allermeisten Eltern“ würden zudem Verständnis für die Umsetzung der Notbetreuung signalisieren. Die Unsicherheit darüber, ab wann die Kitas wieder den Regelbetrieb aufnehmen und wie dann der neue Betreuungsalltag aussehen wird, hätte bei vielen Familien allerdings „auch zu Hilflosigkeit und Frustration geführt“ (siehe auch Bericht auf Seite 2).