Bischof will Seligsprechung für Schweicher Pater Johannes Haw
Schweich/Trier · Der gebürtige Schweicher Pater Johannes Haw könnte der erste Katholik im Bistum Trier seit 2008 sein, der von der Kirche seliggesprochen wird. Bis der Vatikan und letztlich der Papst über den Fall entscheiden, kann es allerdings noch Jahre dauern.
Schweich/Trier. Seit Jahren verfolgt das Bistum Trier das Ziel, Pater Johannes Maria Haw seligsprechen zu lassen. Im Juli 2010 wurde eine erste Hürde genommen. Der Vatikan erklärte, keine Bedenken gegen ein Verfahren zur Seligsprechung zu haben (der TV berichtete). Dieses Verfahren wurde im März 2011 eröffnet.
Inzwischen sind wesentliche Voraussetzungen geschaffen, das Ziel zu erreichen. Bischof Stephan Ackermann hat die "diözesane Phase im Seligsprechungsverfahren für den Diener Gottes Pater Johannes Maria Haw" abgeschlossen, wie es offiziell vom Bistum heißt. Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen werden zur weiteren Prüfung nach Rom weitergeleitet.Befragung von Zeugen
An der feierlichen Schlusssitzung im Gotischen Saal des Domkreuzgangs nahmen auch die Ordensoberen der von Haw gegründeten Johannesschwestern und Johannesmissionare teil. Der vom Bischof mit dem Verfahren beauftragte Gesandte Prälat Klaus Peters stellte den Prozessverlauf zusammenfassend dar. Dazu gehörten unter anderem die Befragung von Zeugen und die Inspektion der Wirkstätten von Pater Haw. Eine historische Kommission trug Dokumente zusammen, sichtete das Material und prüfte die Qualität.
Bischof Ackermann dankte allen Beteiligten für ihre Arbeit, begutachtete das Original der Akte und vergewisserte sich über die angefertigten Kopien. Nach der Anordnung des Bischofs, die Dokumente nach Rom zu übergeben, leistete die Überbringerin der Dokumente, Schwester Celeste Gonçalves, den entsprechenden Eid.
Anschließend legten auch der Bischof, Delegat Peters, Kirchenanwalt Prälat Professor Maximilian Hommens, die Notare Michael Klahm und Karin Pohl sowie Postulator Pater Johannes Ambach den Eid ab, dass das Verfahren ordnungsgemäß abgelaufen sei.
Nach dem Verlesen des Protokolls, der Schlusserklärung des Bischofs und dem Versiegeln der Dokumente endete die Sitzung mit dem Gebet für die Seligsprechung Pater Haws.
Im Anschluss an die Sitzung folgte ein Gottesdienst in der Trie rer Kirche St. Irminen, deren Rektor Pater Haw von 1906 bis 1909 war und in der noch heute Johannesschwestern tätig sind. Der Bischofsvikar für die Orden und Offizial Prälat Georg Holkenbrink betonte in seiner Predigt, in dem Seligsprechungsverfahren gehe es um das, "was wir im Leben und Wirken des Johannes Maria Haw als gnädiges Wirken Gottes erkannt haben". Es gehe um die Prüfung dieser Glaubenserfahrungen und deren Bestätigung durch die Kirche.
Haw habe als Priester und Seelsorger Einblick erhalten in die vielfältigsten Formen von Nöten und sei diesen Nöten mit Entschlossenheit begegnet. Er sei nicht müde geworden, "den nach geistlicher Orientierung Suchenden den Weg zu weisen zu dem Leben in Fülle, das es in der lebendigen Beziehung mit Gott und Jesus Christus gibt".
Ob Pater Haw seliggesprochen wird, entscheidet sich in Rom. In Schweich ist bereits eine Straße nach Johannes Haw benannt.
Im Bistum werden bisher mehr als 60 Selige und Heilige verehrt. Zuletzt wurde die Ordensgründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, Mutter Rosa, 2008 seliggesprochen. Nach der Seligsprechung kann eine Heiligsprechung folgen. Heilige dürfen nach dem Willen des Vatikans offiziell weltweit verehrt werden, während Selige nur lokal verehrt werden dürfen.Extra
Johannes Haw, 1871 in Schweich geboren, wurde 1895 im Trierer Dom von Bischof Michael Felix Korum zum Priester geweiht. Nach kurzer Tätigkeit als Kaplan in Koblenz war er als Pfarrvikar im saarländischen Holz und dann als Pfarrer in Wintersdorf bei Trier tätig. Unter den Bergleuten in Holz lernte Haw die Not der Familien kennen, die von Alkoholabhängigkeit betroffen waren. Er engagierte sich im Kampf gegen Alkoholismus, wurde Direktor des Katholischen Mäßigkeitsbundes im Bistum Trier und übernahm die Leitung des Katholischen Mäßigkeitsbundes für Deutschland. Er gründete den Johannesbund mit Sitz in Leutesdorf (Kreis Neuwied). Dort kaufte er ein Haus für Alkoholabhängige. Aus dem Johannesbund entstanden zwei Orden: die Johannesschwestern von Maria Königin und die Missionare vom heiligen Johannes dem Täufer. 1949 starb Haw in Leutesdorf. red