Bismarcktürme: Von Tansania bis Schoden

Sehenswürdigkeiten : Von Tansania bis Schoden – Die Geschichte des trutzigen Bismarckturms an der Saar

Auf der ganzen Welt finden sich Türme, die an Otto von Bismarck erinnern. Einer von ihnen steht seit über 100 Jahren in Schoden. Seitdem hat er zwei Kriegen getrotzt. Zu schaffen macht ihm jedoch etwas anderes.

Kilwa Kivinje ist eine Kleinstadt an der Küste Tansanias. Auf dem Singinoberg der Stadt ragt ein etwa zehn Meter hoher Steinturm auf, mittlerweile ist er von Gestrüpp überwuchert. An der Vorderseite prangte einst ein bronzenes Bismarck-Relief. Conception ist die zweitgrößte Region Chiles, knapp eine Million Menschen wohnen im Einzugsgebiet. Auf einem 240 Meter hohen Hügel nahe der Stadt steht auch hier ein Aussichtsturm, noch heute kann man ein gemeißeltes Bismarck-Medaillon über dem Eingang erkennen.

Ein dritter Turm steht an der Saar: Auf einem ehemaligen Weinberg über der Ortsgemeinde Schoden (Landkreis Trier-Saarburg) bietet er einen Blick auf die Saar und die Ayler Kupp. Auch an ihm ist eine Gedenktafel mit goldenem Relief angebracht. Die Inschrift: Otto von Bismarck. Knapp 120 Jahre ist der Turm jetzt alt, um die Jahrhundertwende wurde er als einer von 235 sogenannten Bismarcktürmen auf der ganzen Welt errichtet.

Dietmar Feilen saß 35 Jahre lang im Schodener Ortsgemeinderat. In den siebziger Jahren hat er die Geschichten über den Bismarckturm gehört und bald selbst zusammengetragen, was er darüber in Erfahrung bringen konnte. „Die Idee, Türme zu Ehren Bismarcks nach ihm zu benennen, entwickelte sich zunehmend ab dem 75. Geburtstag des Politikers im Jahr 1890“, erklärt er. Als der Reichskanzler nur wenige Wochen vorher zurückgetreten war, schrieb Theodor Fontane noch: „Es ist ein Glück, dass wir ihn los sind!“, und spiegelte damit die vorherrschende Meinung wider. Doch schnell schlug die Stimmung um. Es entwickelte sich ein Kult, der sich steigerte, bis dem „Reichsgründer“ zu seinem 80. Geburtstag hunderte Städte die Ehrenbürgerschaft verliehen und ganze Orte nach ihm benannt wurden.

Es seien Privatpersonen und national gesinnte Vereine gewesen, die den Bau von Bismarck-Aussichtstürmen angeregt hätten, sagt Feilen. In Concepción ergriff der Bund deutscher Turnvereine die Initiative, in Schoden war es der damalige Forstmeister Willibald Hepp. 1902 als Schutzhütte für die Arbeiter im Weinberg gebaut, wurde nur ein Jahr später ein bronzenes Bismarck-Relief angebracht.

Seitdem ist viel passiert: Im Zweiten Weltkrieg verlief der Westwall durch den Punkt, auf dem der Turm steht. Der mittlerweile brachliegende Weinberg beherbergt noch heute die Überreste eines Bunkers.

All das hat der Turm überlebt. Zu schaffen gemacht haben ihm ganz andere Dinge. In jedem Jahr wurde auf dem Saarweinfest ein Nachbau des Bismarckturms auf einem Festwagen präsentiert. Dazu hat man die Gedenktafel des Originals abgehangen und an dem Wagen angebracht.

Doch in einem Spätsommer in den Siebzigern wurde es abgenommen und kam nie wieder zurück, erinnert sich Dietmar Feilen.

Zweimal hat er mit einem Freund zusammen einen vier Meter hohen Fahnenmast angebracht, an dem die rheinland-pfälzische Landesflagge wehte. Auch ist der Mast Erklimmungsversuchen von Jugendlichen zum Opfer gefallen. Beide Male wurden zwei Turmzinnen zerstört.

Doch die Schodener Ortsgemeinde hat sich des Turms angenommen. Seit 1973 ist der Bismarckturm offiziell in ihrem Besitz. Die Zinnen wurden ersetzt, zur 100-Jahr-Feier spendete ein Schodener Bürger eine neue Gedenktafel.

Auch an der Pazifikküste haben sich Menschen gefunden, die ihren Bismarckturm erhalten wollen. In Concepción sammeln deutsch-chilenische Vereine gerade Geld, um den in die Jahre gekommenen Aussichtsturm zu sanieren.

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