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Viezjupp: Bisschen große Keule

Viezjupp : Bisschen große Keule

Mit Nazi-Vergleichen muss man vorsichtig sein.

Der Leiter der Stadtbibliothek hat die Keule trotzdem geschwungen. Die Bibliothek macht zwischen 1,4 und 2,3 Millionen Euro Miese pro Jahr. Daneben gibt’s ein weiteres Problem: Der Platz ist so knapp, dass ein Teil der Bücher gar nicht mehr ordentlich sortiert, geschweige denn ausgeliehen werden kann. Fotos des Landesrechnungshofs, der die Bibliotheksfinanzen geprüft hat, zeigen das Chaos. Schlimmer als bei Hempels unterm Sofa. Um Ordnung zu schaffen, forderte der Rechnungshof, dass die Bibliothek einen „Großteil“ der Bücher, die nach 1850 erschienen sind, anderen Bibliotheken zur Verfügung stellen soll. „Unverzichtbare Werke“ selbstverständlich ausgenommen, betonte die Behörde. Dieses Zugeständnis hatte der Bibliotheksleiter wohl vergessen, als er entrüstet davon sprach, dass die Erstausgabe des Karl-Marxschen Kapitals aussortiert werden soll. Bei der Bücherverbrennung der Nazis seien rund 25 000 Bände vernichtet worden – von Trier fordere der Rechnungshof das Zehnfache, beklagte der Bibliotheksleiter im Kulturausschuss. Die Bibliothek trennt sich jetzt übrigens nicht von 25 000 und erst recht nicht von 250 000 Büchern. Lediglich 30 Bände alter Zeitschriften und die deutsch-französische und deutsch-amerikanische Bibliothek kommen weg. Ob das ausreicht, langfristig für Ordnung zu sorgen, ohne weitere teure Räume anmieten zu müssen bezweifel: Euer Jupp!