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Bistumsreform: Vor dem Start viele Fragen offen

Bistumsreform: Vor dem Start viele Fragen offen

Eine Kirche, eine Pfarrei, ein Pfarrer: Diese Zeiten sind längst vorbei - auch in Schweich. Dort werden ab 1. September elf Kirchen, sieben Pfarreien und drei Pfarrer zusammengefasst. Der neue Kirchengemeindeverband wird mit knapp 15 000 Katholiken einer der größten im gesamten Bistum. Die Zeit drängt, doch noch sind viele organisatorische und bauliche Fragen ungeklärt.

 Sein neues Domizil ist St. Martin in Schweich: Der neue leitende Pfarrer ist Hochschulpfarrer Ralph Hildesheim. TV-Foto: Mechthild Schneiders
Sein neues Domizil ist St. Martin in Schweich: Der neue leitende Pfarrer ist Hochschulpfarrer Ralph Hildesheim. TV-Foto: Mechthild Schneiders

Schweich. Für Ralph Hildesheim bringt das laufende Jahr massive Änderungen mit sich. Der 46-Jährige gibt im Rahmen der Sparmaßnahmen des Bistums sein Amt als Trierer Hochschulpfarrer auf und wird ab 30. Oktober leitender Pfarrer in Schweich (der TV berichtete). Damit ist er Chef über sieben Pfarreien mit den Filialen Fastrau, Kirsch, Naurath/Eifel, Issel und insgesamt rund 15 000 Katholiken - eine der größten Einheiten im Bistum Trier.
Der neue Kirchengemeindeverband Schweich umfasst nach der Strukturreform 2020, die am 1. September in Kraft tritt, die Pfarreiengemeinschaften Fell-Kenn-Longuich-Riol und Föhren-Bekond sowie die Pfarrei St. Martin Schweich, deren bisheriger Pfarrer Edwin Prim die neue Pfarreingemeinschaft Zemmer-Schleidweiler-Rodt übernimmt. Hildesheim zur Seite stehen Pfarrer Andreas Bronder, seit fünf Jahren für Fell, Kenn, Longuich und Riol zuständig, sowie Pfarrer Andreas Noster, der seit gut acht Jahren Föhren und Bekond betreut.
"Der Strukturplan sieht allerdings nur zwei Priester vor", erklärt Hildesheim. "Wenn einer von uns weggeht, kommt kein neuer hinzu." Zum pastoralen Team gehören zudem die Gemeindereferentinnen Rita Hesseler und Birgit Noss sowie die ständigen Diakone Hans-Josef Puch und Jürgen Jäger.
"Ich würde am liebsten einfach Pfarrer von Schweich werden", sagt Hildesheim, doch die Strukturreform sehe vor, dass er die Leitung der sieben Pfarreien sowie deren gesamte Finanz- und Vermögensverwaltung übernimmt. "Diese macht einen Schwerpunkt meiner Arbeit aus. Wenn etwas renoviert oder umgebaut wird, landen beispielsweise alle Angebote und Rechnungen bei mir." Daneben ist Hildesheim Vorsitzender in sieben Verwaltungsräten, deren übergeordneter Verbandsvertretung und dem Pfarreienrat, der den Pfarrgemeinderäten vorangestellt ist, sitzt in der Dekanats- und Pfarrerkonferenz - insgesamt in elf Gremien.
Es stelle sich die Frage: "Teilen wir sieben Hauptamtlichen uns die sieben Pfarrgemeinderäte auf, rotieren wir, oder gehen mehrere von uns geschlossen in mehrere Räte, um alle kennenzulernen?", sagt Hildesheim. Auch die Frage nach den Anlaufstellen vor Ort ist offen. Zurzeit gibt es je ein Pfarrbüro in Schweich, Fell und Föhren sowie die Außenstelle in Kenn mit insgesamt vier Sekretärinnen. "Meine Idee ist, dass auch in Zukunft an diesen vier Standorten Büros als Anlaufstellen für die Gemeindemitglieder verbleiben." In einzelnen Büros könnten zudem gewisse Aufgaben für alle Pfarreien übernommen werden. Hildesheim denkt da etwa an den Pfarrbrief oder die Homepage.
Neuer Dienstsitz des in Kenn lebenden Pfarrers soll Schweich sein; Bronder bleibt in Fell, Noster in Föhren wohnen. "Schweich als zentraler Dienstsitz für den leitenden Pfarrer ist darauf nicht vorbereitet", sagt Hildesheim. Weil dort die Verwaltung sitzt, brauche das Pfarrhaus eine Infrastruktur mit deutlich größerem Pfarrbüro und Besprechungsraum. Dazu müsse umgebaut werden. Dem müsste der Verwaltungsrat Schweich zustimmen, da der Kirchengemeindeverband noch nicht besteht. Der Verwaltungsrat habe jedoch kürzlich abgelehnt, Kosten für ein Projekt zu übernehmen, das er alleine nicht benötige.
Nicht nur die Infrastruktur, auch die Seelsorge muss neu organisiert werden. Denn wenn in den Pfarreien eine Beerdigung war, fiel die Werktagsmesse aus. "Es kann aber nicht sein, dass wegen einer Beerdigung in Bekond in Fell keine Messe gehalten wird", sagt Hildesheim. Die Gottesdienstordnung müsse verbindlich sein, gleichzeitig aber flexibel für besondere Ereignisse. "Wenn etwa bei Weinfesten Messen zu anderen Zeiten und an anderen Orten gehalten werden, müssen wir künftig sieben Pfarreien im Blick haben." Der organisatorische Aufwand sei immens größer. "Und es wird wohl nicht alles umsetzbar sein; da stoßen wir auch an Grenzen."

Aus ursprünglich rund 1000 eigenständigen Pfarreien im Bistum Trier werden 173. Dies legt der Strukturplan 2020 fest, der am 1. September in Kraft tritt und die derzeit 389 pastoralen Einheiten um mehr als die Hälfte reduziert. Neu gegründet werden 160 Kirchengemeindeverbände, in denen mehrere Kirchengemeinden verbindlich zusammenarbeiten, sowie 13 fusionierte Pfarreien. Diese entstehen neu aus der Auflösung und Zusammenführung von bisherigen Pfarreien. Im Dekanat Schweich-Welschbillig werden aus neun Pfarreien und Pfarreienverbänden mit knapp 40 000 Katholiken fünf: Trierweiler (7200), Welschbillig (7800), Zemmer-Schleidweiler-Rodt (3600), Schweich (14 600) und Mehring (6200). Im Dekanat Hermeskeil-Waldrach (36 200 Katholiken) werden aus neun drei: Wal drach mit 16 400 Katholiken und zwölf Einzelpfarreien, Hermeskeil und Zerf-Greimerath-Hentern. mehi ... Ralph Hildesheim, ab Oktober leitender Pfarrer im neuen Kirchengemeindeverband Schweich. Wer sind die Ansprechpartner für die Menschen in den Pfarreien? Ralph Hildesheim: "Wir wollen zunächst die vier bisherigen Pfarrbüros erhalten. Oftmals sind die Pfarrsekretärinnen die, die in seelsorgerischen Fällen wie etwa Beerdigungen erste Ansprechpartner sind. Sie haben zuerst Kontakt zu den Angehörigen." Was ändert sich für die Gläubigen in der Messe? Hildesheim: "Wer künftig etwa in Bekond in die Messe geht, kann auf jeden von uns drei Pfarrern stoßen. Die Gläubigen haben nicht mehr nur einen Ansprechpartner. Würden wir unsere Aufgaben als Priester so wie bisher aufteilen, würde beispielsweise einer von uns nur eine und ein anderer vier Erstkommunionen halten, was natürlich ungerecht wäre." Was ist für Sie die größte Herausforderung an Ihrem neuen Job? Hildesheim: "Es gibt zwei gewaltige Herausforderungen. Zum einen diesen riesigen Bereich zu verwalten, zum anderen pastoral zu arbeiten und den Kontakt zu halten zu den Gläubigen. Es ist eine Balance zwischen ‚wir lassen die Kirche im Dorf\\' und den Anforderungen, die die Struktur einer so großen Pfarreiengemeinschaft mit sich bringt." mehi