Bitte nicht füttern!

TRIER. Gut gemeint, aber gefährlich: Füttern Spaziergänger Pferde oder andere Weidetiere mit Grünzeug vom Wegrand, können hochgiftige Pflanzen dabei sein, die bei den Tieren zu Koliken, Fieber oder sogar Herztod führen können.

Harmlos sieht sie aus, die Akelei. Und auch der Aronstab, der mit seinen feuerroten Dolden in einigen Wochen die Wanderwege zieren wird, scheint für den Laien zumindest im knospenden Zustand unverdächtig. Dabei können beide Pflanzen bei Pferden Krämpfe, Koliken sowie Herz- und Nierenschäden auslösen - und im Extremfall sogar zum Tod führen. Verschimmeltes Brot, Bonbons, Teilchen

"Die Leute machen das ja nicht absichtlich", sagt Irene Kuhn, die mit ihrem Mann Franz eine Pferdepension auf dem Brubacher Hof betreibt. "Aber wenn man eine Handvoll Gras vom Wegrand pflückt, um die Pferde zu füttern, können Akelei und Aronstab halt mit darunter sein." Normalerweise sortieren die Pferde die für sie giftigen Pflanzen heraus, "aber wenn es kleine Stücke sind oder die Pferde schnell nach dem hingehaltenen Grün schnappen, kann es vorkommen, dass sie auch Giftiges mitfressen." Auch Ginster, Fingerhut, Buchsbaum, Schöllkraut, Eisenhut und Nachtschattengewächse enthalten Substanzen, die die Tiere krank machen oder langfristig schädigen können. "Wir haben etliche Hinweisschilder an unseren Koppeln aufgestellt, aber trotzdem füttern die Spaziergänger, Wanderer und Kinder die Pferde", klagt Franz Kuhn. Bis zu 20 Haflinger, Isländer und Großpferde haben die Kuhns auf ihren Koppeln entlang des beliebten Spazierwegs zum Brubacher Hof stehen. Gerade auf Kinder üben die Tiere eine offenbar unwiderstehliche Anziehungskraft aus. "Da werden nicht nur giftige Pflanzen über die Zäune geworfen, auch Bonbons und Teilchen sind häufig dabei", sagt Thomas Claßmann, dessen Freundin sein Pferd bei den Kuhns untergebracht hat. Auch verschimmeltes Brot sei häufig. "Aber selbst wenn das Brot völlig durchgetrocknet ist, dürfen die Pferde damit nicht gefüttert werden", betont Irene Kuhn. Denn um die Leckerbissen könne leicht Futterneid ausbrechen. "Dann keilen die Anführerpferde nach den Rangniedrigeren, dabei können schlimme Verletzungen entstehen." Außerdem könnten die Pferde aus Angst, zu kurz zu kommen, übereilt nach dem hingehaltenen Futter schnappen. "Da kann schon mal ein Finger dazwischen sein, wenn man nicht aufpasst." Die vielen Feiertage im Frühling bereiten den Kuhns keine reine Freude. "Dann sind hier so viele Spaziergänger unterwegs, dass wir regelrecht Wachen organisieren müssen", erzählt Irene Kuhn, "darüber, dass es am Vatertag geregnet hat, waren wir richtig froh!" Auch beim Reitstall Monaise, dessen Koppeln am Moselradweg liegen, kämpft man mit dem Problem. "Einmal hat ein Spaziergänger sogar ein Brötchen mit Curryketchup gefüttert", erzählt Reitschulleiterin Claudia Dick. Darauf, dass Pferde krank sein oder Medikamente bekommen können, und dann selbst Äpfel oder trockenes Brot nicht vertragen, weist Joachim Molz, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Trimmelter Hof hin. "Die Spaziergänger meinen es gut, aber generell sollte man Pferde auf Koppeln nicht füttern!"

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