1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Bizarre Folgen eines „Schnitzelkriegs“

Bizarre Folgen eines „Schnitzelkriegs“

Wurde eine Westerwälder Lehrerin suspendiert, weil sie muslimische Schüler versehentlich Schweinefleisch essen ließ? Ja, sagt die Lehrerin. Nein, sagt die Schulaufsicht in Trier. Ein netter Fall für die Boulevard-Medien.

(sey) „Deutsche Lehrerin von Moslems weggemobbt“, titelte gestern die Internet-Ausgabe der „Bild“-Zeitung; in der gedruckten Version klang es etwas weniger martialisch: „Lehrerin gefeuert!“, stand da zu lesen und „Wenn Multi-Kulti zum Irrsinn wird“. Was war passiert? An einer Betzdorfer Gesamtschule hatte eine altgediente Lehrerin muslimischen Schülern beim Mittagsessen versehentlich Schweineschnitzel statt Schnitzel aus Hühnerfleisch auf den Teller gelegt.

Ein Schüler erzählte seinen Eltern davon, die beschwerten sich bei der Schule. Nach einem Gespräch mit der Lehrerin wurde die 59-Jährige für zwei Tage beurlaubt – „um den Fall in Ruhe zu klären“, sagt der Schulleiter. Die Betroffene aber behauptet, man habe ihr gesagt, sie sei an der Schule nicht mehr tragbar und habe ihr eine Versetzung nahegelegt. „Das weisen wir strikt zurück“, sagt Eveline Dziendziol von der für die Schulaufsicht zuständigen Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion.

Es steht also Aussage gegen Aussage. Seit acht Monaten. Denn so lange liegt der Vorfall schon zurück, wurde durch mehrere Boulevardmedien im Kontext der Zuwanderungsdiskussion jetzt wieder aufgewärmt. Die Lehrerin ist seit damals krankgeschrieben. „Sobald sie gesund ist, wird sie wieder eingesetzt“, sagt ADD-Sprecherin Dziendziol.

Parallel ist vor dem Koblenzer Verwaltungsgericht ein Verfahren anhängig. Die Lehrerin wehrt sich gegen ihre Suspendierung. „Wir haben sie gar nicht suspendiert“, sagt die ADD-Sprecherin dagegen. Das RTL-Boulevardmagazin „Extra“ berichtete indes über den in Betzdorf angeblich tobenden „Schnitzelkrieg“. Dabei hat sich die Aufregung unter den örtlichen Muslimen längst wieder gelegt