Blauäugig

Zum Artikel "Bei Standortpolitik alles falsch gemacht" (TV vom 7. August):

Mit seiner Feststellung trifft Topvision-Geschäftsführer Udo Valerius den Nagel auf den Kopf. Er wird auch nicht entkräftet durch die Schönrederei der Wirtschaftsförderung - wobei die Frage erlaubt sei, durch welche Brille Herr Thesen die Innenstadt betrachtet, wenn er die kühne Behauptung wagt, in den 1-A-Lagen gebe es keine Leerstände. Seine Einschätzung bezüglich der Magnetwirkung der neuen Trier-Galerie mit 13 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist blauäugig. Realistischer und schlüssiger ist die Betrachtungsweise von Uschi Britz ("Wenig aussagekräftig", TV vom 26. Juli). Ausgeklammert bleiben dennoch einige Fragen. Können Triers noch existierende alteingesessene Ladengeschäfte den zu erwartenden Abfluss der Kaufkraft an die Trier Galerie auf Dauer verkraften? Können schwächere Lagen an altstädtischen Nebenstrecken fortan noch existieren, wenn über 70 Geschäfte an einem Ort mit nahtlos angegliederten Parkmöglichkeiten konzentriert sind, und diese Geschäfte womöglich 90 Prozent des Bedarfs decken? Muss eine Stadt wie Trier eine solche Nivellierung ihres historischen Stadtkerns hinnehmen und gar unterstützen? Darf diese einzigartige Stadt Zug um Zug in ihrem zentralen Teil überwiegend auf den trendgerechten Konsum ausgerichtet werden? Haben historische Stadtkerne nicht auch andere wichtige Funktionen, die vom unmittelbaren Wirtschaftsgeschehen nicht erfasst sind? Wie will man rechtfertigen, dass ein Alleen-Center und das überdimensionale Paulinusprojekt Schule machen, und dass so mit dem weiteren Verkauf großer zusammenhängender Flächen im innersten Altstadtbereich der städtische Gestaltungseinfluss erlischt? Hans-Josef Jänschke Ehrenpräsident der Handwerkskammer, Trier