Blaue Lagune: Baudezernentin Kaes-Torchiani wehrt sich

Blaue Lagune: Baudezernentin Kaes-Torchiani wehrt sich

Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) ist sauer: „Der Rückbau der Tankstelle Ostallee ist schon 2004 im Rahmen der Aktion Trier 2020 als Visionsbaustein festgehalten worden. Dieser Vision einer hochwertigen Landschafts- und Lebensqualität in der Innenstadt fühle ich mich verpflichtet.“ Einer Petition auf Facebook dagegen nicht.

Die Vision einer grünen Zone im Alleenring prallt gegen die einzige Chance in der Innenstadt, auch nachts um halb drei noch Chips oder einen Sechserpack zu kaufen. Die Stadt will den Pachtvertrag der Aral-Tankstelle in der Ostallee Ende 2012 auslaufen lassen und dort einen Radweg errichten. Dagegen wehren sich mittlerweile fast 4000 Menschen im Internet (der TV berichtete). "Es geht in dieser Geschichte nicht um den Radweg", betont Baudezernentin Kaes-Torchiani. "Es geht darum, den im Rahmen der Aktion Trier 2020 mit hohem Aufwand entwickelten Zielen konsequent zu folgen und die Lebensqualität in der Innenstadt zu erhöhen." Die Arbeitsgruppe Alleenring - sie hat den Abschied von der Tankstelle schon 2004 festgehalten und empfohlen - habe in vielen Sitzungen und mit hohem Engagement gearbeitet, ebenso wie andere am Trier 2020 beteiligte Institutionen wie die Lokale Agenda 21 und auch viele interessierte Trierer. "Diese seriöse Arbeit wiegt für mich schwerer als das Angebot, nachts um halb drei Chips zu kaufen."

Auch die Entscheider im Stadtrat, so betont Kaes-Torchiani, haben das im März 2009 im Dezernatsausschuss IV gefallene Votum gegen eine Zukunft der Tankstelle mehrheitlich mitgetragen. "Es gab damals nur wenige Gegenstimmen und nicht viel Widerspruch." Dennoch stehen mittlerweile drei der sechs Ratsfraktionen hinter der blauen Lagune (siehe Extra).

"Der Stadtrat trifft die Entscheidung, und diese führe ich aus", sagt Kaes-Torchiani mit mühsam gebremstem Zorn. "Man muss sich eben genau überlegen, wie sich die Stadt Trier positioniert und ob man für ein Mehr an Lebensqualität eintritt oder eine Tankstelle und die Umgehung der Ladenschlusszeiten unterstützt." Kurze Pause zum Luftholen. "Und ob man jedem Druck auf Facebook nachgeben will."

Laut Mitteilung des Tankstellenbetreibers Lothar Schmitz habe Aral angeboten, die Ein- und Ausfahrten auf einer Seite der Tankstelle zuzubauen und die Kosten für einen Radweg zu übernehmen. "Ein solches Angebot liegt mir nicht vor", sagt Triers Baudezernentin. "Der einzige aktuelle Kontakt mit der Deutschen BP, zu der auch Aral gehört, besteht in der Anfrage, das Pachtverhältnis über 2012 hinaus weiter zu verlängern." Diese Anfrage ist durch den gültigen Beschluss vom März 2009 zwar schon abgelehnt, aber die FWG wird in der Novembersitzung des Stadtrats den Antrag stellen, die Tankstelle zu erhalten.

TV-Ortstermin

Was ist wichtiger: ein Grüngürtel am Alleenring oder eine florierende Tankstelle als Anlaufpunkt für Nachtschwärmer? Darüber will der TV mit Ihnen diskutieren. Wir laden ein zum TV-Ortstermin am Samstag, 1. Oktober hinter der "Blauen Lagune". Gesprächspartner sind unter anderem der Tankstellenpächter Lothar Schmitz, Vertreter der Trierer Stadtratsfraktionen und der Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld. Beginn ist - nachschwärmerfreundlich - um 21 Uhr.mic

Extra: Das sagen die Ratsfraktionen

Karl-Josef Gilles, FDP: "Unsere Fraktion hat sich in ihrer Fraktionssitzung am vergangenen Montag mit dem Thema auseinandergesetzt und wird sich einer Liquidierung der Tankstelle widersetzen."

Sven Teuber, SPD: "Es gibt noch kein Meinungsbild innerhalb der SPD, wir haben noch nicht über das Thema gesprochen. Es gab dazu bisher auch keinen Anlass."

Dominik Heinrich, Die Grünen: "Wir sind eindeutig gegen eine weitere Verlängerung des Tankstellen-Pachtvertrags. Der Radweg spielt in dieser Entscheidung überhaupt keine Rolle, ein Radwegekonzept liegt uns schließlich auch noch nicht vor."

Katrin Werner, Die Linke: "Die Stadt macht es sich hier zu einfach. Unsere Fraktion tritt dafür ein, die Tankstelle in der Ostallee zu erhalten."

Peter Spang, FWG: "Wir fordern die Verwaltung auf, das Angebot von Aral anzunehmen. Hiernach sollen die Ein- und Ausfahrten auf einer Seite abgebaut und auf Kosten der Aral ein Radweg angelegt werden."

Thomas Albrecht, CDU: "Es gibt noch keine eindeutige Haltung in unserer Fraktion."

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