Bleiben oder Gehen?

Gehören Sie auch zu den Christen, die in den vergangenen Wochen mehr als sonst darüber nachgedacht haben, aus der Kirche auszutreten? Vielleicht haben Sie sogar ihren Austritt erklärt? Oder gehören Sie zu denen, die zwar zurecht sauer sind über das, was in der Kirche alles passiert, aber trotzdem sagen: "Ich bleibe dabei"?



Wer mit seinem Kirchenaustritt der Kirche einen Denkzettel erteilen wollte, der hat sein Ziel auf eine Art erreicht: Mir ist es als Gemeindepfarrer nicht egal, wenn wir in vier Wochen 24 Gemeindemitglieder verlieren. Schade. Aber mehr Respekt hab' ich vor denen, die bleiben, weil sie ihrer Kirche auch in der Krise verbunden sind, weil sie ihrem Glauben trauen, weil sie ihre Gemeinde kennen, die meistens doch anders lebt, als es der Gesamteindruck von Kirche in der Öffentlichkeit hergibt.

Die Zukunft wird zeigen, dass Kirche wandelbar ist, wenn sie weniger Geld zur Verfügung hat. Aber wäre es nicht interessanter, den Wandel von innen aktiv mitzugestalten anstelle nur zu sagen: Da mach' ich nicht mehr mit?

Ja, Fehler und Verfehlungen müssen aufgearbeitet werden in diesen Wochen, aber es muss auch weitergehen dürfen, denn es gibt noch so viel zu tun, um zu zeigen, dass das Leben der Christen aller Konfessionen glaubwürdig und gut und froh sein kann. Jeder, der seiner Kirche nicht den Rücken kehrt - ob in Gedanken, Worten oder Taten - ist ein Ausdruck der Hoffnung, dass die Botschaft Gottes vom Leben nicht zu zermürben ist. Weder von außen noch von innen. Jeder, der bleibt, hält es für möglich, dass die von Menschen getragene Kirche ein Ort und eine Gemeinschaft ist, in der man Gott begegnen kann.

Eine solche Erfahrung wünsche ich Ihnen, der (oder die) Sie jetzt über die gelesenen Zeilen nachgrübeln und sich Ihren Teil denken ...

Pastor Stefan Dumont, Trier

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