"Bleibt nicht im Kleinkram hängen!"
Trier · Leo Schwarz, emeritierter Weihbischof von Trier, wird am Sonntag, 9. Oktober, 80 Jahre jung. "Jung" deshalb, weil er trotz seines Alters jugendliche Neugierde gepaart mit herzerfrischendem Humor und Menschenfreundlichkeit ausstrahlt.
Trier. Leo Schwarz pendelt zwischen seinen Wohnsitzen in Bolivien und Trier. Zwei Drittel des Jahres lebt er in Bolivien. An seinem Geburtstag ist er in Trier, das nächste Mal will er zur Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 an der Mosel sein. Mit ihm sprach TV-Mitarbeiterin Gabriela Böhm. Herr Weihbischof, im Volksfreund wurden Sie in Artikeln als "der Unverwüstliche" oder "Kirchenmann ohne Allüren" bezeichnet. Schmeichelt Ihnen das oder würden Sie sich anders titulieren?Leo Schwarz: Man merkt, dass das "Unverwüstliche" an seine Grenzen kommt. Das Alter fordert und bringt Beschwerden mit sich. Gott sei Dank kann ich noch auf zwei Beinen stehen und sie einsetzen, um im Sinne Jesu Christi für die Menschen da zu sein.MENSCHEN GANZ NAH
Mir geht es gut, ich kann nicht klagen. Allerdings sind die Flüge schon sehr anstrengend, das stundenlange Sitzen ohne Spielraum ist eine Tortur. In Bolivien nennen sie mich übrigens "Padrecito", also "Väterchen". Mit 75 Jahren sind Sie nach Ihrer Emeritierung wieder nach Bolivien als einfacher Priester zurückgekehrt. In welchen Verhältnissen leben Sie dort und was machen Sie? Leo Schwarz: Ich bin als einziger Priester vor Ort in dem Wallfahrtsort Chaguaya mit 100 Einwohnern in der Diözese Tarija eingesetzt. Dorthin kommen im Laufe des Wallfahrtsmonats etwa 100 000 Pilger. Ich nehme stundenlang die Beichte ab, segne die Menschen, bin einfach da, spreche mit den Menschen und sorge mich um sie. Ich habe ein Zimmer, in dem ich lebe, mit Bad und Dusche, die manchmal geht. Na ja, in der Regel sind Licht und Wasser vorhanden! Gibt es etwas in Bolivien, was Sie in Deutschland vermissen?Leo Schwarz: Die Nähe der Leute ist eine ganz andere. Auch die Offenheit der Menschen in der Begegnung mit Priestern gehört zur bolivianischen Kultur, der Austausch ist weit intensiver. In Bolivien ist jede Tür offen, man kann sehen, was gekocht wird. Hier wahren die Leute Distanz. In Bolivien bedeutet Religion für viele Menschen nicht nur viel, sondern alles. Gibt es für Sie einen Ruhestand? Leo Schwarz: Muss es den geben? Ich bin froh und dankbar, dass ich noch arbeiten kann.Was war der bewegendste Moment in Ihrem Leben? Leo Schwarz: Die Begegnungen mit den beiden neuen Seligen, Papst Johannes Paul II. und Mutter Teresa. Mit ihr bin ich mehrmals zusammengetroffen, sehr bewegend war auch ihre Beerdigung. Und der bitterste Moment? Leo Schwarz: Es gibt bittere Momente, aber darüber rede ich nicht. Wenn Sie am 9. Oktober nicht 80, sondern 20 würden, was würden Sie für die Zukunft planen? Leo Schwarz: Heute 20-Jährigen würde ich sagen: Bleibe offen, installiere Dich nicht, richte Dich nicht ein! Und zwar, um beweglich zu bleiben und offen für Welteinsichten! Man sollte nicht im Kleinkram hängen bleiben und sich daran verschleißen, sondern immer den Blick auf das Ganze haben. Wer das macht, sind etwa auch die vielen jungen Leute aus dem Bistum Trier in Bolivien, die dort einen sozialen Friedensdienst leisten. Stichwort Trier: Wie hat sich die Stadt in Ihren Augen entwickelt?Leo Schwarz: Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie die Stadt gehegt und gepflegt wird. Trier wird geprägt von der Geschichte, ihre Bewahrung zeichnet die Stadt aus. In meiner Hauskapelle hier in Trier habe ich einen Altar, der ist 1000 Jahre alt: Besucher aus Bolivien, die den Altar sehen, fallen ob des Alters fast um. In welchem Rahmen feiern Sie Ihren 80. Geburtstag?Leo Schwarz: Keine Feier, open House! Wer kommt, der kommt!Leo Schwarz: Geboren am 9. Oktober 1931 in Braunweiler, nach Abitur Studium der Pädagogik in Trier, später Theologie und Philosophie in Trier und Münster 31. Juli 1960: Priesterweihe. Kaplan in Cochem 1962 - 1970: Seelsorger in der Erzdiözese Sucre/Bolivien 1976: Ernennung zum Päpstlichen Ehrenkaplan und Hauptgeschäftsführer von Misereor 1982: Bischofsweihe in Trier 1992: Bischofs-Beauftragter für Osteuropa-Hilfswerk Renovabis 1994: Berater im Päpstlichen Rat "Justitia et Pax" 2004: Bischofsvikar Trier 2006: Emeritierung, seitdem zeitweise Seelsorger in Bolivien. gsb