Blick hinter die Fassaden

TRIER. "Ich mag das Gewöhnliche nicht", sagt Mehrdad Sade. Verkitschte Postkartenmotive und sinnentleerte Bilder kommen dem Kommunikationsdesigner und Fotografen nicht vor die Kamera. Immer ist er auf der Suche nach dem richtigen Augenblick, inszeniert seine Motive, setzt Lichtakzente und baut auf Ästhetik und Natürlichkeit.

Mehrdad Sade bezeichnet sich selbst als Fotodesigner, der die Menschen gestaltet. Denn bloßes fotografisches Handwerk auszuüben, obwohl er als Fotograf in der Handwerkerrolle eingetragen ist, reicht dem gebürtigen Iraner nicht. Er studierte an der Trierer Fachhochschule Kommunikationsdesign, nachdem er im Alter von 14 Jahren seine erste Kamera in Händen hielt und er seine Vorliebe für Werbefotografien, Plakat- und Katalogbilder entdeckte. "Ich liebe die Fotografie. Das war schon früher mein Traumberuf. Aber Porträt- und Studiofotografie hat mich nicht so sehr interessiert." Die Bildidee mit einem Slogan zu verbinden und die Aussage mit bildnerisch-fotografischen Mitteln umzusetzen, "das hat mich fasziniert". Seine Vorbilder hat Sade in dem Fotografen David Hamilton und der Pariser Modefotografin Sarah Moon gefunden, die für ihre Modelle tagträumerische Stimmungen entwirft. "Schönheit zieht mich immer an. Das Motiv ins richtige Licht zu setzen, ist mir wichtig. Ein Bild soll nicht nur Informationen weitergeben, sondern beim Betrachter auch einen emotionalen Effekt auslösen." Dies gelte für Interieur-Aufnahmen und Architektur-Fotos ebenso wie für Menschen als Motiv. "Ich will nicht nur Fassaden ablichten, sondern die Seele, die zweite und dritte Dimension hinter einem Gesicht zeigen." Sade scheint der Spagat zwischen kundenorientierter Arbeit und künstlerischem Anspruch zu gelingen. Selbst ein Katalog für eine Parkett-Firma wird zu einem Fest für die Sinne. Sade kreiert eine Stimmung, die Sinnlichkeit und wohliges Lebensgefühl vermittelt. Außerdem wählt er häufig überraschende Perspektiven. In seinen Trier-Kalendern von 2001 und 2002 zeigt er die schönen Seiten der Stadt, die ihm zur Heimat geworden ist, aus ungewohnten Blickwinkeln. "Ich mag Trier und habe hier meine Wurzeln geschlagen", sagt Mehrdad Sade. Ab dem Frühjahr will Sade Fotografie-Abendkurse anbieten, an denen jeder teilnehmen kann, der "einen Sinn für Ästhetik" mitbringt. Als Dozent hat er bereits an der Berufsschule für Gewerbe und Technik im Fachbereich Fotografie unterrichtet, seit 2002 lehrt er an der Fachhochschule im Bereich Modedesign. Vor einem Jahr hat der diplomierte Kommunikationsdesigner seine eigene Agentur "Sade Fotografie" auf dem ehemaligen Güterbahngelände in der Schönbornstraße eingerichtet. Der Kontrast zwischen den alten Gebäuden und dem modernen Atelier und Fotostudio sei inspirierend und die Kreativität fördernd. Als eine Blüte dieser Inspiration hat er gemeinsam mit der Visagistin, Kosmetikerin und Kostümbildnerin Olga Bohl von der Kosmetikschule Epper ein spezielles Foto-Projekt zum Thema "Zeitepochen" entwickelt. In rund 25 üppigen und farbstrahlenden Fotografien zeigt Sade Models, die von den Teilnehmerinnen eines Visagisten-Kurses unter Bohls Leitung mit Kostümen und Schminke in Schönheiten unterschiedlicher Zeitalter verwandelt wurden. Dazu kombiniert der Fotograf Aufnahmen von Häuserfassaden aus Südfrankreich, Motive, die den Lauf der Zeit auf poetische Weise einfangen. Zu sehen sind die Bilder in einer Ausstellung bis zum 22. Januar im Textorium in der Trierer Tuchfabrik. Die Vernissage ist am morgigen Sonntag, 8. Januar, um 15 Uhr.

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