Bodenständige Krisen-Vermeidung

Offensichtlich zufrieden waren die Teilnehmer der Vertreterversammlung der Volksbank Trier. Sämtliche Beschlüsse wurden diskussionslos und einstimmig gefasst. "Widerspruch" erhob einzig Gastreferent Manfred Lütz, das allerdings satirisch und gegen den Gesundheitswahn.

Gut gelaunt nach der Vertreterversammlung: Die Volksbank-Spitze mit geehrten langjährigen Mitarbeitern und Gastreferent Dr. Manfred Lütz (Zweiter von links). TV-Foto: Roland Morgen

Trier. "Internationale Finanzmarkt-Krise - nicht bei uns" hätte das Motto der Volksbank-Vertreterversammlung am Montagabend im IHK-Tagungszentrum lauten können. Die Vorstands-Mitglieder Horst Schreiber, Karl A. Heinz und Wolfgang Junkes nutzten die Gelegenheit, den bodenständigen "In der Region, mit der Region, für die Region"-Kurs ihres Unternehmens als Erfolgsrezept hervorzuheben. Neun Jubilare insgesamt 240 Jahre im Unternehmen

"Die Bankenkrise ist eine Angelegenheit der Finanzkonzerne und der weltweit aktiven Banken. Wir sind und bleiben vor Ort erfolgreich", betonte Horst Schreiber. Die Bilanz 2007, die bereits zum Jahresbeginn präsentiert worden ist, bestätigte das. Das Kundenvolumen wurde gegenüber 2006 (1,172 Milliarden Euro) auf 1,312 Milliarden Euro gesteigert, die Bilanzsumme auf 575 Millionen Euro (2006: 557 Millionen Euro). 115 Millionen Euro an Krediten gewährte die Volksbank Trier im vergangenen Jahr. Auch hier unterscheide sie sich von manch anderen Geldinstituten: "Wir verkaufen keine Darlehen, die ordentlich bedient werden", versprach Vorstandsmitglied Wolfgang Junkes. Einen Seitenhieb Richtung der fusionierenden Eifel-Sparkassen mochte sich Horst Schreiber nicht verkneifen. Dort herrsche "politische Fremdbestimmung", während bei Genossenschaftsbanken das Prinzip "Ein Kopf - eine Stimme" gelte. Volksbank-Köpfe gibt es immer mehr. Seit 2003 stiegt die Zahl der Mitglieder um rund 3000 auf derzeit mehr als 21 700. Ihr Stimmrecht übten die 102 anwesenden gewählten Vertreter in bemerkenswerter Harmonie aus. Sämtliche Beschlüsse wurden diskussionslos und ohne Gegenstimmen gefasst. Bei den turnusgemäßen Wahlen zum Aufsichtsrat wurden der Vorsitzende Norbert Feder (Langsur), Robert Reis (Riol), Karl-Heinz Schneider (Trier-Euren) und Siegfried Schneider (Heidweiler) in ihren Ämtern bestätigt. Aus dem Jahresüberschuss von 2,03 Millionen Euro erhält jedes Mitglied eine Bar-Dividende von 6 Prozent. Aufsichtsrat und Vorstand ehrten neun Firmenjubilare: Norbert Thesen für 40-jährige Betriebszugehörigkeit sowie für jeweils 25 Jahre Peter Ambré, Astrid Berg, Monika Braband, Sonja Girst-Dahm, Christa Horsch, Karin Kolz, Kurt Kullmann und Manfred Longen.Abschließendes Highlight war der Vortrag "Lebenslust - über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit" des Kölner Mediziners und Bestseller-Autors Manfred Lütz ("Lebenslust", "Gott"). Fazit nach 70 äußerst kurzweiligen Minuten voller Kritik am Gesundheitswesen und seinen "totalitären Verhältnissen": Wer allzu ",gesund" lebt, Körner essend durch die Wälder joggt und den Tod verdrängt, der verpasst das Leben. Eventuell anwesenden "humorlosen Fitnessstudio-Betreibern" hatte der 54-Jährige, der auch Philosophie und katholische Theologie studiert hat, eingangs vorsorglich empfohlen, die Veranstaltung "lieber jetzt bereits zu verlassen".