Bombenangriff auf Trier

Genau 60 Jahre ist das heute her: Am 14. August 1944 überfliegen alliierte Bomberverbände Trier und entladen ihre todbringende Fracht über unsere Stadt. Mehr als 20 000 Stabbrandbomben setzen in den Mittagsstunden die Innenstadt in Brand: Von der Porta Nigra bis zu den Kaiserthermen - alles brennt.

Neben Dom, Liebfrauen, Steipe und St.Gangolf wird auch die Konstantin-Basilika getroffen. Der Dachstuhl der Evangelischen Kirche zum Erlöser brennt. "Man hätte das Gebäude retten können, wenn man mit dem Wasser so hoch gekommen wäre", berichtet eine Zeitzeugin. Aber ausreichende Leitern gibt es nicht. Und auch nicht genügend Löschwasser. Die Basilika brennt vollständig aus. Lediglich die massiven Mauern widerstehen den Flammen. Noch nach drei Tagen kann man die Wärme der Flammenglut am Mauerwerk spüren. Heute vor 60 Jahren wurde auch in unserer Stadt deutlich: Der Sturm, den Hitler-Deutschland mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges entfacht hatte, kehrte als Orkan nach Deutschland zurück. Nach Guernica, Rotterdam, Warschau und Coventry nun auch Trier. Und viele andere deutsche Städte. Natürlich war dieser Bombenangriff auf unsere Stadt Unrecht. Getroffen wurden zivile und kulturelle Ziele - und genau sie sollten auch getroffen werden. Bombenterror - um die Bevölkerung zu demoralisieren. Menschenverachtend, zynisch, verbrecherisch - anders lassen sich diese Bombenangriffe nicht bezeichnen. Aber, und dieses "Aber" ist für mich entscheidend: All diese Angriffe waren die unausweichliche Konsequenz: Antwort, Resultat auf all die Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen, die von deutschem Boden ausgegangen waren. Ich meine: Wenn wir uns an das Leid erinnern, das Menschen in unserer Stadt vor 60 Jahren geschah, dann müssen wir auch diesen Zusammenhang zwischen Ursache und Folge bedenken. Meine Großeltern sagten nach dem Krieg: "So etwas darf nie wieder geschehen. Krieg darf nicht mehr sein." Eine Lektion, die wir Jüngeren vielleicht erst wieder neu lernen müssen. Orientierung gibt mir, was Jesus gesagt und getan hat: "Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen" (Matthäus 5,9). Pfarrer Guido Hepke Evangelische Kirchengemeinde Trier hepke.trier@ekkt.de

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