Bombensuche zwischen Küche und Bad
Ein neu ausgewiesenes Baugebiet mitten in Trierweiler hat bereits zahlreiche Interessenten angelockt. Doch es gibt Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg, die aufzeigen: Hier könnten noch Kampfstoffe liegen.
Trierweiler. Konzentriert zieht Dietmar Schulz auf der mit Holzkleinteilen bedeckten Wiese seine Bahnen. Doch was er mit sich führt, ist kein landwirtschaftliches Gerät, sondern ein Fünfkanalsystem-Instrument mit "Datalogger". In Zwei-Meter-Abständen fährt der Hilfstruppführer damit die vorher eingemessene Fläche ab. Vermessungstechniker Thomas Baader löst ihn immer wieder ab: "Das steht man den ganzen Tag nicht durch", sagt Dietmar Schulz lachend. Seit mehreren Tagen sind die beiden Mitarbeiter der Magdeburger Firma "KMB Kampfmittelbergung GmbH" in Trierweiler damit beschäftigt, das neu ausgewiesene 6,7 Hektar große Baugebiet nach Kampfstoffen zu durchsuchen. "Der Kampfmittelräumdienst hat erkennbare Kriegseinwirkungen festgestellt, aufgrund von Luftraumbefliegungen im Planungsgebiet während des Zweiten Weltkriegs", sagt Ortsbürgermeister Matthias Daleiden. "Die Luftbilder sind jedoch zu ungenau für konkrete Rückschlüsse." Zeugenaussagen aus der Gemeinde bestätigten, dass hier während des Endkampfs im Großraum Bomben abgeworfen worden seien, als die Amerikaner von Luxemburg herüberkamen. "In Sirzenich im Wald sind noch überall große Bombentrichter zu sehen", sagt Daleiden.Die Mitarbeiter der Kampfmittelbergung können feststellen, welche Größe Metallteile haben und in welcher Tiefe sie sich in der Erde befinden. "Abends werten wir die gespeicherten Daten aus", berichtet Thomas Baader. Metallteile machen sich als dunkelblaue und rote Punkte auf dem blauen Bild bemerkbar. Ein kleiner Punkt kann ein Stück Draht sein, ein großer zeigt eine Störung an - wie etwa einen mit Draht umwickelten Obstbaum, einen Eimer - oder eine fünf bis zehn Kilo schwere Bombe. "Gestern haben wir etwas gefunden - einen Granatsplitter", sagt Baader und zeigt das rostige, gut neun Zentimeter große Teil. "Wir stecken nun noch die nächsten Felder auf der anderen Seite ab." Ein Grundstück in der Nähe des ausgewiesenen Baugebietes sei im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert worden, berichtete ein Anwohner den Männern. Finden die Magdeburger etwas, so muss der Kampfmittelräumdienst anrücken, und das Gebiet muss evakuiert werden. Finden sie nichts, kann die Baufirma am Mittwoch wie geplant anfangen, das Baugebiet für insgesamt zwei Millionen Euro zu erschließen.