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Bomberabsturz bei Trier – Ein Gewitter war schuld an sechs Toten

Geschichte : Bomberabsturz bei Trier – Ein Gewitter war schuld an sechs Toten

Eine neue Gedenkplakette erinnert an den Absturz eines kanadischen Bombers am 25. August 1941 am Sievenicher Hof. Laut Nazipropaganda war es ein Abschuss. Die wahre Ursache: Ein heftiges Unwetter über der Eifel.

Der Heimatforscher Adolf Welter aus Trier-Euren verfügt über ein riesiges Archiv zur Geschichte der Stadt. Besonders zum Ersten und Zweiten Weltkrieg hat er zahlreiche Schriftstücke und Fotos gesammelt und seine Erkenntnisse in zahlreichen Büchern veröffentlicht. In seiner 1987 veröffentlichten  Chronik „Trier-Euren 1939-1948“ berichtet er über einen Bomberabsturz am Sievenicher Hof. Sechs Soldaten starben damals. Die Nachkommen des einzigen Überlebenden, Denis Lloyd,  haben vor wenigen Tagen mit Unterstützung Welters und der „Arbeitsgruppe Vermisstenforschung“ an dem Hauptgebäude des Reiterhofes an der Trierer-Straße bei Aach eine Gedenktafel angebracht.

Die Geschehnisse von vor 78 Jahren hat Adolf Welter rekonstruiert: „In der Nacht vom 25./26. August 1941 startete die Royal air-Force einen Luftangriff auf Karlsruhe. Der Hin- und Rückflug führte über das hiesige Moselgebiet. Auf dem Rückflug gerie­ten die Flugzeuge über dem Trierer Land in einen orkanartigen Gewittersturm, der zum Absturz von drei Maschinen führte. Die Flugwache Fluko Trier notierte dazu: 23.53 Uhr Absturz eines Flugzeugs bei Überdonven/Luxemburg, 23.55 Uhr Absturz eines Bombers beim Sievenicher Hof, nahe der Bitburger Straße, 23.58 Uhr Absturz einer Maschine im Dreikopf bei Pellingen. Alle Abstürze erfolgten durch Gewittereinwirkung.“

Nach Recherchen von Adolf Welter gehörte der Stirling-Bomber Nummer 6020, der auf den Höhen über Trier zerschellte, zur 7. Squadron der Royal Canadian Air Force. Sechs der sieben Besatzungsmitglieder starben. Sie wurden an der Kirche in Aach bestattet, nach 1945 aber auf den englischen Soldatenfriedhof Rheinberg bei Krefeld umgebettet. Lediglich dem Funker Denis Lloyd (1915 bis 2006) war der Absprung mit dem Fallschirm geglückt. Er landete in der Nähe des Erlenhofs bei Trier-Biewer, wurde gefangengenommen und zur Gefangenen-Sammelstelle auf dem Flugplatz Trier-Euren gebracht. Lloyd überlebte den Krieges, kehrte in die USA zurück und starb dort im Alter von 91 Jahren.

In Begleitung von Uwe Benkel, der mit seiner „Arbeitsgruppe Vermisstenforschung“ seit den 80er Jahren mehr als 140 abgestürzte Weltkriegsflugzeuge ausgegraben und die Schicksale vieler Besatzungsmitglieder aufgeklärt hat, bekam Heimatforscher Welter nun Besuch von Nachkommen des überlebenden Sergeant Lloyd. Susan und Jaen Walker aus New York/USA hatten eine Gedenktafel dabei, die sie, einvernehmlich mit dem Eigentümer, nun in der Nähe der Absturzstelle anbringen durften. „Sie erinnert an das furchtbare Geschehen damals und mahnt zum Frieden in der Welt“, sagt Adolf Welter, der seine Gäste auch zum Friedhof Aach, zum Erlenhof und zum ehemaligen Flugplatz Euren führte.

In den Unterlagen des Heimatforschers befindet sich auch ein Exemplar des Nationalblatts vom 30. August 1941. In der Propaganda-Zeitung der NSDAP findet sich das Foto von einem größeren Trümmerteil des zerschellten Flugzeugs. „Im Trierer Gebiet abgeschossener englischer Bomber. Er wurde, wie unser Bild zeigt, restlos vernichtet, bevor er seine Bomben auf die Bevölkerung unsere Gaues abwerfen konnte.“ Diese Beschreibung von damals sei falsch, schimpft Welter. „Die Maschine ist durch Blitzschlag abgestürzt und hatte keine Bomben mehr an Bord, da sie sich auf dem Rückflug befand.“

Die Gedenktafel am Sivenicher Hof. Foto: Adolf Welter
Dieses historische Bild zeigt, was nach dem wetterbedingten Absturz von dem amerikanischen Bomber übrig geblieben ist. Foto: Archiv Adolf Welter

Welter verweist auf eine Veröffentlichung des Trierer Historikers Thomas Schnitzler, die er als „sensationell“ bezeichnet. Schnitzler habe vor einigen Jahren bei Recherchen im Luxemburger Nationalarchiv den Brief eines deutschen Flaksoldaten  gefunden, der im Bereich Trier im Einsatz war. „Dieser Brief entlarvt die Nazi-Lügen des Nationalblattes“, sagt Welter und zitiert als Beweis dafür das Ende des alten Schriftstücks: „Darf man diesem Blatt überhaupt noch etwas glauben? – Nein lautet die Antwort.“