Bonjour und guten Tag

Er ist seit zwei Jahrzehnten ein Baustein der deutsch-französischen Freundschaft: der Schüleraustausch zwischen dem Collège Haffreingue in Boulogne-sur-Mer und dem Trierer Max-Planck-Gymnasium (MPG). Trotz des Zeitalters sozialer Netzwerke muss nach wie vor die anfängliche Schüchternheit bei der ersten Begegnung überwunden werden.

Trier. Wenn MPG-Schüler Jannik Haas (14) wochentags um 6 Uhr aufsteht, dann steigt der gleichaltrige Blaise Cocquempot auch aus dem Bett, um wenig später zum Collège Haffreingue in der nordfranzösischen Hafenstadt Boulogne-sur-Mer zur Schule zu fahren. Für eine Woche ist Blaise nun als Austauschschüler zu Gast in Janniks Familie in Berglicht (Hochwald). Die beiden Schüler haben schon viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede entdeckt: Wurst zum Frühstück kennt Blaise nicht. Jannik wiederum kann sich den Start in den Tag mit Waffeln nur schwer vorstellen.
Austausch seit 20 Jahren


Jeweils 33 deutsche und französische Schülerinnen und Schüler lernen die jeweilige Sprache und landestypische Gewohnheiten zurzeit im Rahmen des Schüleraustauschs besser kennen. Der diesjährige Austausch ist ein besonderer: Denn seit genau 20 Jahren finden die gegenseitigen Besuche statt. "Ein Element des im Januar 1963 zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem Staatspräsidenten Charles des Gaulle geschlossenen Élysée-Vertrags setzte auf die Jugend", sagte Armin Huber, Schulleiter des MPG in seiner Rede zum Festakt anlässlich des 20-jährigen Jubiläums. Der Élysée-Vertrag gilt als Geburtsstunde der deutsch-französischen Freundschaft. "Ihr Schüler erfüllt den Vertrag mit Leben", sagte Huber. Seit 1993 lädt die Klasse 8a des Max-Planck-Gymnasiums , die in erste Fremdsprache Französisch lernt, jedes Jahr Gleichaltrige aus der französischen Partnerschule ein und macht einen Gegenbesuch.
Aufregung vor dem Treffen


Hat sich der Austausch im Zeitalter des Internets verändert? "Die Schüler nehmen zwar schon vorher Kontakt über soziale Netzwerke auf", sagt Französischlehrerin Vanessa Schaan, "aber die anfängliche Aufregung und Schüchternheit, wenn der Bus aus Frankreich ankommt und die Schüler sich dann das erste Mal gegenüberstehen, ist trotzdem geblieben." Schaan leitet den Austausch seit fünf Jahren. Nach den Besuchswochen beobachtet sie stets eine gesteigerte Motivation im Unterricht.
Im Mai fahren die MPG-Schüler dann nach Boulogne-sur-Mer. Jannik wird bis dahin einige französische Wörter mehr sprechen können. "Ich lerne viel von Blaise", sagt er - und umgekehrt. Bis zu ihrem Wiedersehen im Mai, dieses Mal in Frankreich, werden die Schüler über E-Mails Kontakt aufrecht halten. Jannik freut sich auf den Besuch - und auf die Waffeln zum Frühstück.Extra

Zum Festakt anlässlich des 20-jährigen Austauschjubiläums im Max-Planck-Gymnasium in Trier waren auch Philippe Lacheré, Schulleiter des Collége Haffreingue in Boulogne-sur Mer sowie Triers Bürgermeisterin Angelika Birk und viele Förderer des Austauschs gekommen. Die Lehrerinnen Bettina Maier und Gisela Shehada hatten den Festakt, dessen Herzstück ein Theaterstück der Klasse 8a und ihrer französischen Gäste war, organisiert. (kat)