Botschafter in Sachen Humor

Sein neues Programm "Fremdenverkehr mit Einheimischen" hat der Dortmunder Kabarettist Fritz Eckenga in der Tufa Trier vorgestellt. Dabei brillierte er mit ebenso knochentrockenem wie hintergründigem Ruhrpott-Humor, pointierter Lyrik, Prosa und Parodie.

Trier. Nach einem ersten Gastspiel im Rahmen der Spaßgesellschaftsabende 2007 ist Fritz Eckenga jetzt mit einem neuen Programm in die Tufa Trier gekommen. Und wieder hat der Radio- und Zeitungskolumnist (taz, FR) sowie jüngst mit einem Literaturpreis ausgezeichnete Autor zahlreicher Bücher mit treffsicherem, sprachlich virtuosen Kabarett begeistert. Thema diesmal: Der Mitmensch, denn: "Irgendeiner emittiert einem immer was ins Dasein", sogar ins eigene Heim.

Da ist zum Beispiel der Nachbar, der mit schwerem Gerät durch die trennende Wand bricht und damit dem "Morgengrauen" neue Bedeutung verleiht. Oder die Politiker, die aus sämtlichen elektrischen Geräten "Miiinuswachstum" oder "Rettungschirrrrm" absondern. Eckenga suhlt sich mit satirischer Wonne im Leiden des Belästigten, der nur aus humanitären Gründen nicht zurückschlägt. Der stattdessen sein Heil im Fremdenverkehr, dem Gang hinaus in die Welt, sucht, wo jedoch auch das Grauen lauert. Sei es "Außenminister Westerwelle, die perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit", oder der vom Supermarkt veranstaltete Familientag im Vergnügungspark, bei dem die "Hüpfburgen Kids kotzen". Da rettet nur die vom Bergmann-Opa übernommene lässige Ruhrgebiets-Weisheit: "Man kann se sich nich aussuchen."

Überhaupt das Ruhrgebiet: Eckenga präsentiert sich an diesem Abend als dessen Botschafter in Sachen Humor wie auch Kultur und Sprache. Zum Beispiel liefert er - als Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr - eine zum Brüllen komische "ruhrische" Shakespeare-Übersetzung.

Dichtung spielt auch sonst eine große Rolle in seinem Programm. Wenn er die Abgründe des Zeitgeists in Reimform packt, ist er die personifizierte Sprachgewalt. Plastisch, poetisch, messerscharf und immer pointiert sind seine mal vierzeiligen, mal epischeren Schöpfungen. Sie klingen ein bisschen wie die moderne Antwort auf Wilhelm Busch und Heinz Erhardt. Abgerundet wird das Vergnügen durch Eckengas parodistisches Talent, das er als Müntefering, Assauer oder in der Rolle zweier Handelsvertreter spielen lässt. Das Publikum bekommt nicht genug und feiert den Kabarettisten mit viel Applaus.