Brandserie in Trier: Brennende Container, zerstörter Supermarkt - Ermittler machen Druck und setzen Belohnung aus

Brandserie in Trier: Brennende Container, zerstörter Supermarkt - Ermittler machen Druck und setzen Belohnung aus

Die Vorgehensweise ist stets dieselbe: Ein Unbekannter zündelt und lässt Müllbehälter in Flammen aufgehen. Sechs Mal binnen 16 Tagen im August brennt es auf dem Trierer Petrisberg. Nach Einschätzung der Kripo eine Serie und ein Brandstifter. Um ihn zu ermitteln, setzt die Staatsanwaltschaft 2000 Euro Belohnung aus.

10. August 2015 - der Tag der Beinahe-Katastrophe: Ein Unbekannter lässt in den späten Abendstunden jenes Montags einen Container neben dem Mix-Markt am Weidengraben in Flammen aufgehen. Das Feuer greift rasch auf das Dach des Einkaufsmarkts über. Wenige Minuten später brennt das ganze Gebäude lichterloh und ist nicht mehr zu retten. Sachschaden: rund eine Million Euro.

In dem direkt angrenzenden Hochhaus kommt glücklicherweise niemand der 79 Bewohner zu Schaden. Wegen der starken Rauch- und Hitzeentwicklung wird das Haus gleich evakuiert, die Berufsfeuerwehr und die zur Unterstützung herbeigeeilten Stadtteil-Löschzüge schaffen es gemeinsam, ein Übergreifen der Flammen zu verhindern.

Knapp an Katastrophe vorbei

"Dank des schnellen und gut koordinierten Einsatzes von Feuerwehren und Polizei ist nichts Schlimmeres passiert", resümiert Eckhard Otto, Erster Kriminalhauptkommissar bei der Kripo Trier. Der 60-Jährige ermittelt in Sachen Mix-Markt-Brand und ist überzeugt: "Da war ein Serientäter am Werk."

Binnen 16 Tagen sind gleich sechsmal im Bereich Kürenz/Petrisberg Müllbehälter in Flammen aufgegangen.
Die Brände eins und zwei entfacht der Unbekannte am Lottoforum des Landesgartenschaugeländes: den ersten zwischen Sonntag, 2. August, 20 Uhr, und Montag, 3. August, 8 Uhr, den zweiten am Samstag, 8. August, gegen 23 Uhr. Einmal wird ein Müllbehälter an den Holzzaun im Lottoforum gestellt und sein Inhalt in Brand gesetzt, ein andermal ein Bastkorb. Die vermutete Absicht, den Brand auf die Holzvertäfelung übergreifen zu lassen, geht auf.
Allerdings geht das Feuer von allein aus, hat aber Sachschaden angerichtet. Ebenso wie bei Brand Nummer vier: Etwa zur selben Zeit gehen ganz in der Nähe, in der Robert-Schuman-Allee 10, drei Papiercontainer in Flammen auf. Schaden hier: 1500 Euro.

Die Feuer fünf und sechs legt der Unbekannte am Dienstag, 18. August: Um 20 Uhr setzt er eine Mülltonne am Wasgau-Markt (Robert-Schuman-Allee 16) in Brand, eine Stunde später einen Papiercontainer hinter dem Studentenwohnblock Robert-Schuman-Allee 4. Die Brände werden gelöscht.

Der Brandstifter ist offenbar kein Phantom mehr, jedenfalls haben die Ermittler Anhaltspunkte. Otto: "Wir führen seit Wochen konkrete täterorientierte Ermittlungen. Aus ermittlungstaktischen Erwägungen wenden wir uns jetzt nochmals an die Öffentlichkeit, um weitere Informationen oder Hinweise zu verdächtigen Wahrnehmungen in Zusammenhang mit der Brandserie zu erhalten. Wir benötigen neben Indizien für eine mögliche Täterschaft auch gerichtsverwertbare Beweise."

Für Hinweise, die zur Aufklärung der Brandstiftung am Mix-Markt (Am Weidengraben 9) führen, hat die Staatsanwaltschaft 2000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Außerdem wurde ein sogenanntes Vertrauenstelefon eingerichtet. Otto: "Dort können Personen anonym vertrauliche Mitteilungen machen." Die Rufnummer: 0152/28854968.
Extra Zwei weitere Brandserien

Neben der vom Petrisberg gab es in den vergangenen Jahren zwei weitere Brandserien in Trier:
PKW-Brände im Bereich Universität/Neu-Kürenz zwischen dem 2. Juli 2003 und dem 30. Mai 2007: In elf Fällen waren insgesamt 25 Autos betroffen. Schadenshöhe: rund 200 000 Euro. Die Kripo überprüfte damals mehrere Verdächtige. Wer zündelte, konnte nicht ermittelt werden.

Brandserie in Trier-Ruwer/Eitelsbach: Zwischen dem 7. April und dem 22. Mai 2011 gab es neun Fälle von Brandstiftung im Doppelstadtteil. Betroffen waren vor allem Wohnhäuser und Lagerhallen. Der Gesamtschaden betrug rund 200 000 Euro. Die Kripo nahm als Tatverdächtigen einen damals 17-Jährigen fest, der Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Trier-Ruwer war. Er wurde in zweiter Instanz verurteilt, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. rm.

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