Breite Mehrheit für Trierer Bürgermeisterkandidatin Elvira Garbes

Breite Mehrheit für Trierer Bürgermeisterkandidatin Elvira Garbes

Auch SPD und FDP wollen die Kandidatur von Elvira Garbes als künftige Bürgermeisterin und Sozialdezernentin von Trier unterstützen. Damit dürfte die Wahl der 61-jährigen Grünen am 6. November sicher sein.

So einig waren sich SPD und CDU in Trier zuletzt vor 17 Jahren. Damals, anno 2000, stand die Neuwahl des Baudezernenten an. Amtsinhaber Peter Dietze (SPD) kandidierte. Und nicht nur die Genossen unterstützten seine Wiederwahl. Auch die CDU votierte für eine zweite Amtszeit des angesehenen Beigeordneten.
Danach war es mit der Einigkeit vorbei: Bei allen folgenden Dezernentenwahlen, fünf an der Zahl, stellten die beiden großen Parteien eigene Kandidaten auf - und fochten dabei teils heftige Grabenkämpfe aus. Die Abstimmungen fielen dadurch stets so aus, dass der jeweilige Kandidat sich nicht von einer breiten Ratsmehrheit unterstützt fühlen durfte. Zuletzt war das so am 9. März bei der Wahl des neuen Kulturdezernenten Thomas Schmitt: Für Schmitt votierten 28 der 29 Mitglieder des schwarz-grünen Stadtratbündnisses. Die von SPD, FDP, Linken und Piraten aufgestellte Judith Schinker erhielt 22 Stimmen.
Am Montag, 6. November, muss der Stadtrat erneut an die Urne. Diesmal sind die Leitung des Sozialdezernats und das damit verknüpfte Bürgermeisteramt neu zu besetzen. Und diesmal gibt es mit Elvira Garbes eine Kandidatin, die von CDU und SPD gemeinsam unterstützt wird. Und dazu noch von den Grünen, der FDP und der AfD.
Ein bisschen Wasser muss allerdings in den Wein gegossen werden. Denn eine "echte" CDU-Kandidatin ist Garbes nicht. Vielmehr hat der grüne Bündnispartner der Christdemokraten Garbes ausgewählt. Die CDU, die als Zugeständnis an die Grünen keine eigenen Bewerber akquiriert hatte, hatte der Kandidatennominierung am Montagabend zugestimmt (der TV berichtete).
Am Mittwochnachmittag verkündete schließlich auch SPD-Chef Sven Teuber per Pressemitteilung: "Wir unterstützen die Bewerbung von Frau Garbes und damit eine gute Frau mit Erfahrung und Kompetenz." Einfach ist der SPD diese Entscheidung nicht gefallen. Schließlich hatte der Trierer Jugendamtsleiter Carsten Lang (42) bei den Sozialdemokraten nach der Vorstellungsrunde am Samstag mit allen Kandidaten zunächst vorne gelegen.
Lang sei denn auch ein "hervorragender Kandidat, der für uns eine richtige Wahl gewesen wäre", räumt Teuber ein. Aber auch Garbes habe einen kompetenten Eindruck hinterlassen. Im Sinne einer "starken Stimme für die soziale Stadt Trier" habe die SPD sich daher entschieden, die schwarz-grüne Kandidatin zu unterstützen. Bei der FDP ist die Lage ähnlich: "Auch bei uns lag Carsten Lang eigentlich auf Platz eins", erklärte Tobias Schneider, Chef der Trierer Liberalen, am Mittwochnachmittag auf TV-Nachfrage. Trotzdem stelle auch die FDP Elvira Garbes als Kandidatin auf. "Es macht einfach Sinn, eine Bewerberin zu unterstützen, die von den großen Parteien mitgetragen wird", erklärt Schneider. Ein großes Zugeständnis sei das nicht: "Garbes hat sich bei uns sehr gut präsentiert und vorgestellt und einen sehr guten Eindruck hinterlassen!"
Die dreiköpfige Linksfraktion im Trierer Stadtrat steckte im gleichen Kandidatendilemma wie SPD und FDP, hat allerdings einen pragmatischen Weg gefunden: "Bei uns liegen Carsten Lang und Elvira Garbes gleichermaßen auf Platz eins. Deswegen haben wir als Linksfraktion die Abstimmung im Stadtrat freigegeben, ohne uns vorher auf einen der beiden festzulegen", erklärt Theresia Görgen, Vorsitzende der Linksfraktion.
Neben CDU, SPD, Grünen und FDP hat sich auch die AfD eindeutig für Garbes ausgesprochen.
Die UBT hatte dagegen bereits am Montagabend erklärt, Carsten Lang zu unterstützen.
Kommentar

Der Ball liegt nun bei der künftigen Dezernentin

Nach allem Abwägen von Qualifikation und Erfahrung, Persönlichkeit und Parteibuch und nicht zuletzt aus politischem Kalkül hat sich nun also eine sehr breite Stadtratsmehrheit für Elvira Garbes zusammengefunden.
Dass die 61-Jährige anfangs weder von ihrer eigenen Partei, den Grünen, noch von der größten Fraktion im Rat, der CDU, als Favoritin geführt wurde, wird dabei ein Treppenwitz der Trierer Stadtgeschichte bleiben. Den die SPD wohl nur allzu gerne immer mal wieder aufwärmen wird - war sie es doch, die Garbes zum Vorstellungsgespräch nach Trier eingeladen hatte und damit der Grünen erst die Möglichkeit gab, sich auch ihrer eigenen Partei zu präsentieren.
Die mittlerweile große Zustimmung für Garbes bedeutet aber noch lange nicht, dass sie als Dezernentin hält, was die Fraktionen sich heute von ihr versprechen. Ihre langjährige Erfahrung mit sozialen Themen, in verschiedenen Rathäusern, mit öffentlichen Finanzen und privaten Trägern spricht zwar für sie. Aber eine Dezernentin muss mehr können als verwalten. Sie muss enge Denkansätze sprengen und neue, innovative Ideen haben und umsetzen. Eine breite Ratsmehrheit dürfte ihr dabei - so sieht es zumindest heute aus - den Rücken stärken. Der Ball liegt damit bei ihr.
c.wolff@volksfreund.de