Brennende Autos und nächtliches Treiben

Brennende Autos und nächtliches Treiben

TRIER-NORD. Einst war der Milchhof die stolze Zentrale der Trierer Molkerei, inzwischen ist er ein Schandfleck. Nach Bränden auf dem Gelände fordern die Nachbarn geordnete Zustände.

"Mosel Milch" steht auf dem Bronzeschild über der Tür, darüber ist die Porta Nigra abgebildet. Das Tor steht weit offen, niemand hindert die Gruppe von etwa 15 Anwohnern, das Gelände zu inspizieren. Sie treffen den einzigen Bewohner des Milchhofs. Er sei vor drei Jahren in die Wohnung eines Seitengebäudes eingezogen, berichtet Luther Erbes. Bis zum März habe er knapp 80 Euro monatlich erhalten, damit er mit seinem Hund Runden drehe, seitdem nichts mehr.Auf den Eigentümer, den Trierer Autohändler Heribert Orth, ist Erbes stinksauer: "Ich warte nur darauf, dass er mir kündigt."Was genau sich auf dem Gelände tut, hat auch der einstige Bewacher nicht im Griff. "Ich habe nur den Schlüssel vom Tor", sagt er.Vor einigen Jahren kaufte Orth das Gelände, um dort ein neues Autohaus zu bauen. Die nach Worten des Händlers "wenig verständliche Vertriebspolitik der Automobilindustrie" machte die Pläne zunichte, Orth vermietete die Hallen an verschiedene Firmen."Wir haben vermietet, aber wir haben Mieter, mit denen ich nicht einverstanden bin", sagt Orth. "Leider kann man nach den heutigen Mietgesetzen jemanden nicht so einfach rauswerfen."Ein Straßenbauunternehmen lagert Baumaterialien, eine Rennsport-Firma residiert in einem Nebengebäude, und in den Garagen reparieren mehrere Unternehmen Autos.Zahlreiche abgemeldete PKW sind im Freien abgestellt. Sie gehören nach Auskunft von Orth einer Firma, die in einer der Hallen Gebrauchtwagen repariert. Auch hinter den Kellerfenstern des ehemaligen Verwaltungsgebäudes zeichnen sich schemenhaft die Umrisse von Autos ab - eingelagert von Auto Orth. Vor einer Halle steht ein Zwölf-Zylinder Jaguar. Hier sei eine Firma, die Oldtimer restauriere, berichten Anwohner."Von den Firmen geht Lärm- und Geruchsbelästigung aus", beklagt sich Achim Dornbusch, dessen Garten an das Gelände grenzt. Auch lackiert würde schon mal. Suspekt sind den Anwohnern auch die Arbeitszeiten. "Hier wird überwiegend nachts gearbeitet", berichtet Anni Schäfer, eine Nachbarin von Dornbusch. Als eine halbe Stunde vor Mitternacht aus einer der Hallen Arbeitslärm schallte, riefen die Anwohner die Polizei. "Wir konnten ja nicht mehr schlafen", sagt Schäfer. Sie wünscht sich, dass "nachts kein Palaver mehr ist".Angst bereitet den Bürgern, dass es bereits dreimal auf dem Grund-stück gebrannt hat. Ein alter Wohnwagen und ein VW-Käfer gingen 2002 in Flammen auf, im Juni diesen Jahres war ein Auto, in dem Farbdosen gelagert waren, an der Reihe. Kurz darauf brannte ein Stapel Gartenstühle, der direkt an der Mauer zu den Nachbarn gelagert war. "Die Flammen haben unseren Kirschbaum erwischt, er fing an zu brennen", berichtet Dornbusch. "Nachbarn haben dann gelöscht." Die Polizei geht bei beiden Bränden von Brandstiftung aus.Bürger haben Unterschriften gesammelt

Die Spuren der Feuer sind unübersehbar: Die verkohlten Reste der Gartenstühle stehen an der Mauer zum Nachbarhaus, unter einem Stapel Palettenholz liegen verkohlte Holzreste. Zwischen abgestellten Autos steht das Gerippe eines ausgebrannten Kleinwagens, gleich daneben ein Auto mit geöffnetem Fenster. "Sehen Sie, da braucht nur jemand was Brennendes reinzuwerfen", sagt eine Anwohnerin.Um ihren Forderungen nach geordneten Verhältnissen Nachdruck zu verleihen, sammelten die Bürger 60 Unterschriften und übergaben sie der Verwaltung."Ich hab einen Hausmeister, der nichts macht, und einen Zaun drumherum gemacht", verteidigt sich Orth. "Warum haben sich die Anwohner nicht zuerst bei mir gemeldet?"Trotzdem verspricht er Besserung: "Ich habe vier, fünf gute Mieter und einen, der ist daneben geraten. Das wird sich ändern." Ende September laufe der zeitlich begrenzte Mietvertrag mit der Firma, die für die Lärmbelästigungen verantwortlich sei, aus. Mit der Stadt stünden Gespräche über die Zukunft des Milchhofs an. Auch einen neuen Mieter mit Hausmeister-Funktion suche er für die Wohnung auf dem Gelände.

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