1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Brennnesseln und Kastanien gegen den Hunger

Brennnesseln und Kastanien gegen den Hunger

Wenn es in der Welt zu einem Flächenbrand kommt, dann bleibt auch ein kleiner Ort wie Ehrang nicht davon verschont. Von den dramatischen Erlebnissen und tragischen Verlusten der Ehranger im Ersten und Zweiten Weltkrieg berichtet ein frisch erschienener Sonderband der Schriftenreihe "Ehranger Heimat".

Trier-Ehrang. Wir befinden uns im Winter 1916. Vor zwei Jahren hat der Erste Weltkrieg begonnen. Die Versorgung der Menschen wird immer schwieriger, viele Kinder sind unterernährt. August Antz, Rektor der Ehranger Volksschule, berichtet, dass immer weniger Zeit für Schulunterricht ist: "Die Schüler arbeiteten unter Aufsicht der Lehrer in der Landwirtschaft, sie trockneten Laubheu, sammelten Brennnesseln und Kastanien. Die Mädchen strickten Strümpfe, Schals und Pulswärmer für die Front."
Ein neuer Sonderband der Schriftenreihe "Ehranger Heimat" befasst sich damit, wie die beiden Weltkriege in dem 1969 eingemeindeten Trierer Stadtteil erlebt worden sind. "Der Beginn des Ersten Weltkriegs ist nun 100 Jahre her, der Beginn des Zweiten Weltkriegs 75 Jahre", erinnert Horst Orth, Vorstandsmitglied des Vereins Ehranger Heimat, der den Band "Ehrang im Krieg" im Bürgerhaus vorgestellt hat. "Die Verluste der beiden Weltkriege waren mehr als erschreckend", resümiert er. 18,6 Millionen Kriegsopfer waren von 1914 bis 1918 zu beklagen. Im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945), dem bislang größten militärischen Konflikt in der Menschheitsgeschichte, kamen mehr als 65 Millionen Menschen um.
Erinnerung weitergeben


"Wir sollten uns nicht mit dem Bekenntnis begnügen, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf. Von deutschem Boden sollte der Frieden ausgehen!", betont Orth. Die Erinnerung und die Lehren aus diesen Jahren des Terrors und der Verfolgung müssten von den Älteren an die Jugend weitergegeben werden.
Dazu soll der Sonderband "Ehrang im Krieg" beitragen. Er enthält zahlreiche Totenzettel aus dem Zweiten Weltkrieg, oft mit Porträtfoto des gefallenen Soldaten. Vielfach waren die jungen Männer gerade einmal 20 Jahre alt. Mehr als 300 Kriegstote waren damals in Ehrang zu beklagen, das knapp 5000 Einwohner hatte. Darunter waren zahlreiche zivile Opfer, etwa der Ehranger Arzt Dr. Gustav Süß und seine Tochter sowie acht Patienten, die beim Bombenangriff am 6. Februar 1945 starben.
Aus den sieben bisher erschienenen Jahrbüchern des 1996 gegründeten Vereins wurden Artikel zu den Weltkriegen im Sonderband zusammengefasst, ebenso Ausschnitte aus der Chronik von Werner Schuhn. Neu sind Artikel zu den Feldpostbriefen von Hans Hammerstein aus dem Ersten Weltkrieg von Peter Dohms und "Kriegserlebnisse 1944/45" von Gottfried Schuhn.
Der Sonderband 2014 "Ehrang im Krieg" der Schriftenreihe Ehranger Heimat enthält 216 Seiten mit zahlreichen historischen Abbildungen und kostet 6 Euro. Er ist in Ehrang in den Apotheken, bei der Tankstelle Roth und dem Quartiersmanagement erhältlich, außerdem bei den Vorstandsmitgliedern des Vereins.