Brot schadet Enten

Wasservögel sollten am besten gar nicht gefüttert werden, sagt ein Experte. In Zeiten der Vogelgrippe gilt das umso mehr. Am Moselufer locken derweil Essenreste Ratten an.

Trier "Ich gehe oft mit meinem Hund an der Mosel spazieren und sehe, dass Leute den Enten sogar Kartoffelsalat, Nudeln mit Tomatensoße und ganze Brote hinwerfen", sagt eine Trier-Quinterin. Die Enten verschmähen die Essensreste - stattdessen machen sich Ratten darüber her, wie die Anwohnerin berichtet. Sie habe schon oft Ratten am Ufer beobachtet. "Leider wird Kritik kaum angenommen", bedauert die Frau.
Jan-Roeland Vos von der Südeifeler Gruppe des Naturschutzbunds (Nabu) teilt die Kritik der Quinterin. "Auf das Verfüttern von Essensresten sollte verzichtet werden. Oftmals sind Salz, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker zugesetzt worden. Dies schadet den Tieren."
Das gilt natürlich nicht nur für das Moselufer, sondern auch für die Enten an den Trierer Teichen und Seen - im Palastgarten zum Beispiel, am Mattheiser Weiher und dem Uni-See, an dem auch immer wieder Reiher, Nilgänse oder Blesshühner zu beobachten sind. Seit Anfang März bei einem in Trier-Nord gefundenen toten Schwan Vogelgrippe diagnostiziert wurde, gibt es ein weiteres Argument gegen das Füttern von Wasservögeln. Zwar ist eine Übertragung des Virus auf den Menschen äußerst selten. Experten raten trotzdem, Wasservögel nicht zu berühren und den Kontakt zu deren Kot zu vermeiden. Wer partout nicht auf das Füttern verzichten wolle, solle den Vögeln Haferflocken oder Getreidekörner anbieten, rät Vogelexperte Vos. Er gibt noch einen wichtigen Tipp: Massives Füttern führe an vielen Gewässern zu einer Überdüngung. Deshalb solle Futter niemals ins Wasser geworfen, sondern am Ufer ausgelegt werden.
Auch die Fütterung von Wildvögeln im heimischen Garten sehen viele Experten kritisch. Gartenvögel wie Amsel, Rotkehlchen, Elstern, Meisen und Spatzen, die an die Futterhäuser kämen, seien alle nicht gefährdet. Befürworter argumentieren, dass die Vögel immer weniger natürliche Lebensräume und damit Futter fänden. Gegner argumentieren unter anderem mit der Übertragung von Krankheiten durch Exkremente. Außerdem erschwere das Füttern die natürliche Auslese. "Wer Vögeln wirklich helfen will, sollte im Garten etwa beerentragende Sträucher pflanzen und für naturbelassene Ecken mit Unterwuchs und nicht weggeräumtem Gras sorgen", sagt Jan-Roeland Vos. Das erhöhe das natürliche Nahrungsangebot.Wer Vögel unbedingt füttern wolle, solle auf jeden Fall folgende Tipps beachten: Der Futterplatz muss immer sauber gehalten werden, um eine Übertragung von Krankheiten zu verhindern. Zwar infizieren sich Singvögel nicht mit Vogelgrippe, doch andere Viren bedrohen auch sie. Futterautomaten sind gute Alternativen, weil die Vögel hier nichts verschmutzen können. Und Futterhäuser sollen hoch genug und freistehend angebracht werden, damit die Vögel vor Katzen sicher sind. Als Artenschutzmaßnahme tauge die Vogelfütterung nicht, erklärt Experte Vos. Gefährdete Vogelarten, die auf der Roten Liste stünden, stellten hohe Ansprüche an ihre Lebensräume. Die meisten dieser Arten lebten in offenen und halboffenen Landschaften, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft knapper geworden seien. Zufütterung helfe diesen Arten nicht. Bei aller Kritik gibt es für den Experten doch einen guten Grund, Vögel zu füttern: "Das ist eine gute Möglichkeit, die Wildvögel in unserer Region kennenzulernen. Und es macht Kindern wie Erwachsenen Spaß."