Brot & Spiele: Der Kampf um nationale Bekanntheit
Trier · Die Vorbereitungen für Brot & Spiele laufen auf Hochtouren. Das Römerspektakel wird in diesem Jahr erstmals im September stattfinden. Zeit, bei den Verantwortlichen einmal nachzufragen, wohin die Veranstaltung in Zukunft steuert.
Trier. Brot & Spiele ist in diesem Jahr erstmals auf zwei Termine verteilt. Was erhofft sich der Organisator Medienfabrik davon? Das fragen wir im TV-Interview Medienfabrik-Chef Ronald Frank. Er wehrt sich mit deutlichen Worten gegen die Kritik der Grünen im Stadtrat an der künstlerischen Konzeption der Veranstaltung. Erklärt, warum und wie die Veranstaltung bundesweit bekanntwerden soll. Und verweist auf Besucherbefragungen, die zeigen, dass das Publikum ein ausgesprochen hohes Bildungsniveau hat. Das Interview führten Michael Schmitz und Falk Straub.
2011 findet Brot & Spiele erstmals an zwei Wochenenden statt. Was erwarten Sie davon?
Frank: Wir hoffen vor allem auf einen Besucherzuwachs, um die Zukunft von Brot & Spiele zu sichern. Deshalb haben wir diese Neuerung auch bewusst das Zukunftskonzept 2011/2015 genannt. In den nächsten fünf Jahren wollen wir mit Brot & Spiele den nächsten Schritt gehen. Zehn Jahre benötigt man, um ein Kultur-Event als Kultur-Dachmarke einzuführen. Danach benötigt man noch einmal fünf bis zehn Jahre, um es am Markt entsprechend zu positionieren. Wir sind regional gut gestartet. Wir müssen national aber noch bekannter werden.
Wie wollen Sie überregional bekannter werden?
Frank: Dafür braucht man ein sehr einfaches, aber schlagkräftiges Konzept. Genau so, wie man beispielsweise mit Bad Segeberg die Karl-May-Festspiele oder mit Kassel die Documenta verbindet, so möchten wir den Römer beziehungsweise den Gladiatoren für Trier als signifikantes Merkmal etablieren und auf diesem Wege nationale Bekanntheit erreichen.
Raus aus den Sommerferien, rein in den Herbst: Gibt es schon Erfahrungen, ob der neue Termin so gut angenommen wird wie der bisherige Ferientermin?
Frank: Der bisherige Vorverkauf hat sich weder entscheidend verschlechtert noch verbessert. Die Frage, ob es für uns der große Wurf war, den Termin in den September zu verschieben, lässt sich erst im Nachhinein beantworten.
Es gibt aber durchaus gute Argumente für diese Verlegung. Zum einen glauben wir, dadurch mehr regionale Gäste zu gewinnen, die im August mit ihren Kindern in den Ferien sind. Auch Schulklassen können wir mit unserem Programm in Zukunft ansprechen. Wir wissen auch, dass Bustouristiker Kulturreisen verstärkt außerhalb der großen Ferienzeiten anbieten. Da im Anschluss an unseren bisherigen Termin auf Jahre hinweg die ADAC-Rallye gesetzt ist, blieb uns nichts anderes übrig, als auf den September auszuweichen. Im August hätten wir nicht die Chance gehabt, ein zweites oder drittes Wochenende anzuhängen.
Darüber hinaus wird es im September früher dunkel, was uns erlaubt, die Abendvorstellung früher zu beginnen. Dadurch kommen auch die Besucher aus Saarbrücken, Koblenz oder Luxemburg mit ihrer Eintrittskarte, die auch als ÖPNV-Ticket gilt, noch nach der letzten Vorstellung nach Hause. Und zu guter Letzt ist die Regenwahrscheinlichkeit im September niedriger.
Ende vergangenen Jahres gab es im Trierer Stadtrat eine Debatte, bei der die Grünen heftig gegen das neue Konzept und gegen Brot & Spiele gewettert haben. Was sagen Sie zur Kritik unter anderem an der künstlerischen Qualität der Veranstaltung?
Frank: Wir sind immer offen für konstruktive Kritik. Sie sollte aber begründet sein. Wieso wir von den Grünen unser künstlerisches Konzept um die Ohren gehauen bekamen, ist für mich schwer nachzuvollziehen. Insbesondere deshalb, weil ihre Redeführerin unsere Vorstellung im Amphitheater nicht besucht hat. Ich gehe davon aus, dass die Kritik von Uschi Britz eher allgemeiner Natur ist. Ich kann dem entgegenhalten, dass wir mit Alexander Etzel-Ragusa denselben Dramaturgen haben, der bei den Antikenfestspielen die "Goldenen Zeiten" mitgestaltet hat. Darüber hinaus stimmt unser Publikum mit den Füßen ab. 98 Prozent Auslastung und ausverkaufte Shows sprechen ihre eigene Sprache. Darunter sind sicherlich auch Wähler der Grünen. Ich würde meine Wähler nicht diskreditieren, indem ich behaupte, sie besuchten eine Veranstaltung mit niedrigem Niveau. Zudem hat sich in unseren Zuschauerbefragungen herausgestellt, dass unsere Besucher einen sehr hohen Bildungsgrad haben. Darunter sind 36 Prozent Hochschulabsolventen, 23 Prozent Abiturienten und 23 Prozent Besucher mit einem Realschulabschluss. Anhand des Vergleichs der beiden Besucherbefragungen von den Antikenfestspielen und Brot & Spiele lässt sich festhalten, dass der Anspruch unserer Besucher an das Angebot sicher nicht geringer ist.
Von den Grünen gab es aber auch Kritik an der Erhebung der Zuschauerzahlen. Was sagen Sie dazu?
Frank: Das war zum Beispiel eine konstruktive Kritik, auf die wir sofort reagiert haben. Ihr Vertreter Gerd Dahm war zwischenzeitlich der festen Auffassung, dass unsere Besucherzahlen nur halb so hoch seien als von uns publiziert, da wir die verkauften Tickets für die Kaiserthermen und das Amphitheater summieren. Auf seine Kritik hin haben wir 2010 ein Kombi-Ticket eingeführt. Und damit konnten wir nachweisen, dass von den rund 20 000 Besuchern nur knapp 500 Doppelbesucher waren. Weil exakt 492 Menschen ein solches Ticket gekauft haben.
Wie profitiert Ihrer Ansicht nach die Stadt von Brot & Spiele?
Frank: Die Stadt profitiert in hohem Maße. Eine Besucherbefragung in Zusammenarbeit mit der Uni Trier aus dem Jahr 2009 belegt, dass rund 3400 Besucher des Römerspektakels in Trier und der Region übernachteten und dies bei einen Übernachtungsquotienten von 3,44 Übernachtungen pro Gast sowie 43 Euro Umsatz pro Nacht. Das bedeutet, es kam zu 11 800 Übernachtungen und einem Umsatz von 1,2 Millionen Euro, die in Verbindung mit Brot & Spiele zu bringen sind.
Zudem schreiben über Brot & Spiele der Spiegel, der Stern, der Focus und die Zeit. Ich glaube sagen zu dürfen, dass außer über die Konstantin-Ausstellung, über die ADAC-Rallye und vielleicht einem Halbfinalspiel von Eintracht Trier kein anderes Ereignis es geschafft hat, Trier derart in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen. Davon profitiert die Stadt auch.
Besteht die Chance, eine Veranstaltung wie Brot & Spiele irgendwann komplett privatwirtschaftlich zu organisieren und zu finanzieren?
Frank: Unser Langzeitziel ist es, dass Brot & Spiele national bekannt wird, dass die Reiseveranstalter Brot & Spiele auf die Agenda nehmen, dass die Veranstaltung bundesweit beworben wird und Bustouristen bekommt. Die jetzige Konzeption mit der experimentellen Darstellung in den Kaiserthermen wird nie viel mehr als 10 000 bis 15 000 Besucher anziehen. Das Spectaculum im Amphitheater hat hingegen Wachstumspotenzial. Wir gehen mittelfristig von einem Potenzial von zusammen 40 000 Besuchern aus. Momentan bewegen wir uns noch bei 20 000 bis 23 000 Besuchern. Wann es jedoch so weit sein wird, ist schwer zu beantworten. Wir werden dieses Ziel 2015 noch nicht erreicht haben, wohl eher 2020 oder 2025. Die wichtige Unterstützung mit öffentlichen Mitteln von der Stadt und dem Land benötigen wir aber mindestens bis 2015, wahrscheinlich aber noch über diese Zeit hinaus.
Das Budget für Brot & Spiele 2011 beträgt 487 000 Euro. Davon werden 73 000 Euro für infrastrukturelle Maßnahmen, Künstlersozialabgaben, Vorverkaufs-, Systemgebühren, Leistungsverrechnungen und die VRT Abgabe eingesetzt. Der Medienfabrik steht für die reinen Veranstaltungskosten von Brot & Spiele ein Ausgabebudget von 414 000 Euro zur Verfügung. Etwa 138 000 Euro des Ausgabenbudgets stammen aus Spenden und von Sponsoren. 60 000 Euro kommen von der Stadt Trier, weitere 67 500 Euro vom Land. Der Restbetrag von knapp 221 500 Euro muss über Ticketverkäufe, Mieten und Pachten eingenommen werden. Überschreitet die Medienfabrik das Ausgabenbudget, muss sie für die Mehrkosten selbst aufkommen. Wird der Restbetrag von 221 500 Euro durch den Verkauf von Eintrittskarten nicht gedeckt, trägt die Stadt Trier das finanzielle Risiko. Nimmt Brot & Spiele mehr als 221 500 Euro ein, soll dieser Betrag für frühzeitige Marketingmaßnahmen und eine verbesserte Infrastruktur von Brot & Spiele 2012 investiert werden. Finanzielles Risiko wie möglicher Gewinn am zweiten Wochenende liegen bei der Medienfabrik Trier. fas Brot & Spiele läuft vom 2. bis 4. und am 10. September. Die Kaiserthermen haben am Freitag, 2. September, ab 19 Uhr und am Samstag, 3., und Sonntag, 4. September, je ab 11 Uhr geöffnet. Termine für das Spectaculum im Amphitheater sind: Freitag, 2. September, 19.45 Uhr, Samstag, 3. September, 16.45 Uhr und 19.45 Uhr, Sonntag, 4. September, 16.45 Uhr und Samstag, 10. September, 16.45 Uhr und 19.45 Uhr. Karten gibt es in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie auf www.volksfreund.de/tickets. fasRonald Frank, 47, ist seit 15 Jahren geschäftsführender Gesellschafter der medienfabrik trier\\'luxembourg. Die Agentur für Kommunikation, Public Relations und Veranstaltungen beschäftigt 20 Mitarbeiter in Luxemburg, Trier und Koblenz. Sie ist im Februar von der Herzogenbuscher Straße auf den Petrisberg gezogen, in eine Mediabox am Wasserband. fas