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Brubacher Hof erneut Topthema, nun auch für Archäologen

Brubacher Hof erneut Topthema, nun auch für Archäologen

Bei der zweiten Offenlegung des Flächennutzungsplan-Entwurfs 2030 melden sich vor allem Gegner der städtischen Pläne. Und das Landesmuseum erwartet jetzt doch bedeutende Funde.

Zwei Aktenordner, die es in sich haben: "Das sind die gesammelten Stellungnahmen, die bei der zweiten öffentlichen Auslegung des Entwurfs zum Flächennutzungsplan Trier 2030 zusammen gekommen sind", sagt Heike Defourny. Die 35-Jährige Mitarbeiterin des Stadtplanungsamtes ist die für den Flächennutzungsplan (FNP) zuständige Projektsachbearbeiterin. Über den Stand der Dinge hat sie am Mittwochabend den Bauausschuss informiert. 209 Stellungnahmen sind bei Runde zwei der Öffentlichkeitsbeteiligung (24. Juli bis 25. August) im Rathaus eingegangen - das entspricht in etwa der Hälfte des Ertrags der ersten öffentlichen FNP-Entwurfsauslegung im Winter 2016: 422 an der Zahl, zusammengefasst in vier Aktenordnern.

Notwendig geworden war die neuerliche Beteiligungsrunde, weil der Stadtrat im März einen Grundbeschluss gefasst und den Brubacher Hof (Stadtteil Mariahof) als künftiges großes Neubaubaugebiet priorisiert. Die Alternative Langenberg (Euren/Zewen) taucht im neuen Entwurf nicht mehr auf.

So verwundert es nicht, dass der Brubacher Hof - wie gehabt - das Topthema der jüngst eingegangen Stellungnahmen ist und die von der Stadt angestrebte Baulandausweisung den mit Abstand größten Widerspruch erregt. Und der kommt fast ausschließlich aus den am meisten tangierten Stadtteilen Heiligkreuz und Mariahof.
Erwartungsgemäß hat der Verein "Rettet Brubach" argumentativ nachgelegt. Alleine seine Stellungnahme umfasst 50 Seiten. "Wir machen insbesondere auf einige rechtliche Probleme aufmerksam, die unserer Auffassung nach einer Genehmigung des geplanten Baugebiets zum jetzigen Zeitpunkt entgegenstehen würden", so die Vereinsvorsitzende Katrin Cosack (45) zum TV. So erachtet sie den von der Stadt ins Feld geführten erhöhten Bedarf an Wohnungen für nicht haltbar. Neueste Prognosen sähen auf Dauer einen Bevölkerungsrückgang für Trier.

Von der Stadtverwaltung ist dazu noch keine Aussage zu erhalten. "So weit sind wir noch nicht. Die Stellungnahmen müssen jetzt erst einmal ausgewertet und innerhalb des Rathauses abgestimmt werden", kündigt Heike Defourny an. Der Stadtrat werde eine Entscheidung treffen, wenn zu den Stellungnahmen der Bürger die Bewertung durch die Verwaltung vorliege. Das soll alles "möglichst bald" geschehen. Einen konkreten Zeitplan gebe es aber nicht, zumal noch offen ist, wie es jetzt weitergehrt. Durchaus denkbar, dass der Entwurf erneut modifiziert wird, was eine weitere öffentliche Auslegung zur Folge hätte. Beobachter gehen davon aus, dass sich in Sachen FNP-Verabschiedung vor Mitte 2018 nichts tut.

Auch die (im Rheinischen Landesmuseum angesiedelte) Landesarchäologie hat eine Stellungnahme abgegeben, in der sie ihre erste Einschätzung vom Winter 2016 revidiert. Damals hatten sie das Brubacher-Hof-Areal nicht als archäologisch bedeutend relevant eingestuft, sondern antike Hinterlassenschaften nur in der Umgebung (Bereich Hofgut) angenommen. Jetzt warten die Landesmuseums-Experten mit neuen Informationen auf. Paktisch unter der gesamten Planungsfläche erwarten sie Überreste einer ausgedehnten römischen Villenanlage - genau, wie es Uni-Geschichtsprofessor Lukas Clemens (56) im Rahmen der TV-Archäologie-Serie in der Ausgabe vom 5./6. August prophezeit hatte.

Verhindern oder einschränken wollen die Archäologen die städtischen Baugebietspläne nach jetzigem Erkenntnisstand nicht. Sie reklamieren jedoch in ihrer Stellungnahme "einen ausreichenden zeitlichen Vorlauf" für wissenschaftliche Grabungen.