Brückenplaner laufen ins Leere - Bevorzugter Standort stößt in Schweich und Longuich auf Ablehnung

Schweich/Longuich/Trier · Der geplante Neubau der Moselbrücke bei Schweich schlägt hohe Wellen. Kommunalpolitiker aus Schweich und Longuich sind gegen den Standort neben der Autobahnbrücke, den der Landesbetrieb Mobilität (LBM) favorisiert.

 Zum Erscheinungsbild der Stadt Schweich gehört seit vielen Jahrzehnten auch die Moselbrücke am Fährturm. In einigen Jahren soll die Brücke neu gebaut werden. Noch ist offen, an welchem Standort. TV-Foto: Portaflug

Zum Erscheinungsbild der Stadt Schweich gehört seit vielen Jahrzehnten auch die Moselbrücke am Fährturm. In einigen Jahren soll die Brücke neu gebaut werden. Noch ist offen, an welchem Standort. TV-Foto: Portaflug

Foto: (h_tl )

Schweich/Longuich/Trier. Die 66 Jahre alte Moselbrücke bei Schweich ist in einem schlechten baulichen Zustand. Darüber hinaus ist sie wegen der geringen Höhe ein Hindernis für die Schifffahrt. Schon mehrfach sind Schubschiffe mit Brückenpfeilern kollidiert. Aufgrund dessen erwägt der LBM, die Brücke abzureißen und etwa 250 Meter weiter moselabwärts in Höhe des Longuicher Ortsteils Kirsch eine neue Überfahrt zu bauen (der TV berichtete am 19. und 20. Juli sowie am 2. August). Dieser Standort, der sich unmittelbar neben der Autobahnbrücke befindet (siehe Visualisierung), wird vom LBM favorisiert. Insgesamt haben die Straßenplaner vier Varianten untersucht. Neben der bevorzugten Lösung neben der Autobahnbrücke waren dies der Neubau am jetzigen Standort, unmittelbar neben dem jetzigen Standort und in Höhe des Sägewerks Wick.
Nach der Berichterstattung im TV und der Veröffentlichung der "Vorzugsvariante" auf einer Interseite des LBM hat sich die Longuicher Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder aus dem Urlaub gemeldet. Es wundere sie doch sehr, schreibt sie in einer Mail an unsere Zeitung, dass ohne Absprache mit den Räten nur eine Variante des Brückeneubaus ins Netz gestellt worden sei. Die Ortslage Kirsch werde von der Maßnahme baulich und durch Lärm in erheblichem Umfang betroffen. Schlöder: "Das werden wir im Sinne unserer Bürger nicht akzeptieren."
Auch der Schweicher Stadtbürgermeister Lars Rieger findet klare Worte: "Eine solche Planung lehnen wir ab." Alt-Schweich werde durch die Verlegung der Brücke in Richtung Longuich noch mehr Verkehr abbekommen. Andererseits würden die Geschäfte in der Brücken- und Richtstraße vom Verkehr und damit von Kunden abgeschnitten. Diese Auffassung teilt Michael Heinz, Vorsitzender des Gewerbeverbands Schweich. Er sei schon von vielen besorgten Kollegen angerufen worden, berichtet er dem TV. Ohne die direkte Achse Brücke-Innenstadt verliere Schweich an Attraktivität.
Stadtratsmitglied Josef Rohr (CDU) verweist auf Umsatzrückgänge in Verbindung mit der ausbaubedingten Vollsperrung der Oberstiftstraße: "Daran sieht man, dass die Befürchtungen nicht von ungefähr kommen. Wird die Brücke wie geplant gebaut, dann hat das ein Ladensterben in Schweich zur Folge." Der Standort müsse nahe an der alten Brücke liegen. Rohr kritisiert auch das Vorgehen des LBM. So eine Planung könne nicht verordnet werden, sondern müsse in einem offenen Dialogprozess mit Rat und Bürgern zustande kommen.
Auch Johannes Lehnert, FWG-Fraktionschef im Schweicher Stadtrat, ist skeptisch: "Diese Planung löst in Schweich keine Freude aus." Die SPD-Fraktion hält sich noch bedeckt. Man wolle erst abwarten, was der LBM zu den verschiedenen Varianten zu sagen habe, so Stadträtin Iris Hess.
Wie Marc Kuhn vom LBM Trier mitteilt, wird die Öffentlichkeit im Herbst in Versammlungen über die Brückenplanung informiert. Dann werde auch ein Vergleich aller vier Varianten ins Internet gestellt. Darauf habe man zum jetzigen Zeitpunkt auf Grund der vielen Erläuterungen, die zum Verständnis nötig wären, verzichtet. Laut Kuhn wird es ein Planfeststellungsverfahren geben, in dem Kommunen und Bürger Bedenken und Anregungen vorbringen können.Meinung

Eine Frage des Geldes
Die heftigen Reaktionen auf die Brückenplanung des LBM waren zu erwarten. Wer vorgibt, vier Varianten untersucht zu haben, aber nur eine "Vorzugsvariante" pusht, der macht sich zwangsläufig angreifbar für Verschwörungstheorien. Den verkorksten Start mit der geplatzten nichtöffentlichen Sitzung der Räte von Schweich und Longuich haben die Straßenplaner allerdings nicht zu verantworten. Fakt ist nun, dass die Räte und die Bürger erst im Herbst informiert werden. Bis dahin darf weiter kräftig spekuliert werden. Dabei hat der LBM durchaus viel Zeit und Gehirnschmalz in die Untersuchung der vier möglichen Standorte gesteckt. Die Vorzugsvariante entspringt ja auch der Tatsache, dass sie das Sägewerk Wick am wenigsten tangiert. Zwei Trassen, die näher an der bestehenden Brücke liegen und damit sowohl den Interessen der Schweicher Geschäftswelt als auch dem Lärmschutz für die Kirscher Bürger entgegenkämen, verbieten sich von selber - noch. Sie führen nämlich mitten durch den Holzbetrieb. Eine Realisierung dieser beiden Varianten ist nur vorstellbar, wenn der LBM das Firmengelände erwirbt. Wie sich jetzt abzeichnet, ist eine Moselquerung neben der bestehenden Brücke am ehesten konsensfähig. Dann müsste der Kreisel am Schweicher Brückenkopf über einen Zufahrtsarm angebunden werden. Die alte Brücke könnte während des Baus genutzt werden, die Stadt Schweich wäre nicht abgehängt und auf der Longuicher Seite hätte man mehr Platz und weniger Lärm. Was letztlich kommt, wissen wir nicht. Nur eins dürfte heute schon gewiss sein: Es wird eine teure Angelegenheit. a.follmann@volksfreund.de