"Brutal und respektlos": Reaktionen auf die Streichung des Circus Maximus in Trier

"Brutal und respektlos": Reaktionen auf die Streichung des Circus Maximus in Trier

Ohne Vorwarnung und gegen alle bisherigen Absprachen hat der ADAC am Mittwoch den Rallye-Innenstadtkurs Circus Maximus abgesagt (der TV berichtete). Die Reaktionen in Politik und Wirtschaft umfassen Schock und Empörung ebenso wie Freude und Erleichterung.

Die Rallye direkt vor der Haustür wird in diesem Jahr für die Trierer nicht stattfinden. Fans und Interessierte freuten sich über den gigantischen Motorsport-Zirkus ebenso wie Gastronomen und Hoteliers. Skeptiker, Gegner und genervte Anwohner wünschten die dröhnenden Boliden zusammen mit allen Sperrungen und Einschränkungen in die tiefste Wüste. Jetzt sehen sie alle sich einer neuen Situation gegenüber: Die Rallye kommt zwar am 22. August in die Region, aber in der Stadt Trier wird man bis auf das Fahrerlager im Messepark kaum noch etwas davon sehen (der TV berichtete).

Handel und Gastronomie sind nicht erfreut. "Ich bin sehr erschrocken und bedaure diese Entscheidung", sagt Michael Cornelius, Vorsitzender der City-Initiative Trier. "Hier hat man über die Köpfe aller Beteiligten hinweg entschieden und setzt diese Entscheidung brutal und respektlos um." Die Rallye sei ein für Trier wichtiges und bedeutendes Großereignis.
Helmut Scheuering spricht für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). "Ich bin schockiert", sagt der Vorsitzende des Kreisverbands Trier und Trier-Saarburg. "Die Rallye hat viele Gäste nach Trier gebracht und die Stadt ins Rampenlicht gerückt."

Genau hier liegt eines der Hauptargumente der Rallye-Kritiker: Zwar seien die Hotels und Pensionen in und um Trier im August voll belegt — aber das wären sie zu dieser Jahreszeit auch ohne die Rallye. Scheuering stellt sich diesem Problem. "Es ist wahr, die Hotels wären trotzdem voll", sagt er. "Aber die Rallye brachte einen enormen Werbeeffekt." Ohne den Show-Start und den Circus Maximus sei die Anziehungskraft des Weltmeisterschaftslaufs wesentlich geringer.

"Ich habe diese Entscheidung mit großer Freude und Erleichterung zur Kenntnis genommen", sagt Richard Leuckefeld. Innerhalb der Ratsfraktion der Grünen tritt Leuckefeld seit Jahren als Gegner der Rallye auf. "Der ADAC schönt die Zahlen", sagt Leuckefeld jetzt. "14 000 Zuschauer für den Circus Maximus sind viel zu hoch angesetzt. Hier werden alle Freikarten mitgezählt, die man an möglicherweise gar nicht interessierte Anwohner herausgegeben hat." Die Grünen und die Linke haben sich im Rat gegen die Rallye positioniert, die große Mehrheit aus CDU, SPD, FDP und FWG ist dafür und hat dem Motorsportzirkus bereits bis 2015 per Ratsbeschluss Starterlaubnis erteilt (siehe Extra).

Die Anwohner reagieren unterschiedlich. "Ich werde die Rallye nicht vermissen", sagt der im Maarviertel lebende Richard Darrelmann. "Trier-Nord war am Rallyesonntag ja immer ein regelrechtes Sperrgebiet, das war unerträglich." Paulinstraßen-Anwohner Timo Reichert stimmt zu. "Ich bin auch kein Fan. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wie der ADAC vorgeht. So sollte man mit einer Stadt wie Trier nicht umgehen."

Meinung

Trier als FußabtreterWas der ADAC hier aufführt, ist absolut inakzeptabel, ein Beispiel totaler Arroganz und ein Armutszeugnis in den Fächern Verlässlichkeit und Stabilität. Die Organisation der Rallye in Trier war finanziell und personell ein Mammutprojekt und hat den Verantwortungsträgern vor Ort alles abverlangt. Sie haben über Wochen und Monate Zeit und Energie investiert und alles getan, um aus der Rallye das Optimum für ihre Stadt und ihre Region herauszuholen und den Fans aus aller Welt ein tolles Spektakel und schöne Eindrücke von Trier zu präsentieren. Und jetzt das: Kurz und bündig, ohne nachvollziehbare Begründung und gegen alles, was bisher besprochen wurde, streicht der ADAC eine der Hauptattraktionen. Die Gegner und Skeptiker der Rallye werden sich natürlich freuen, was aus ihrer Sicht auch absolut verständlich ist. Doch auch sie kommen an der Erkenntnis nicht vorbei, dass ein mächtiger Verband die Stadt Trier nicht wie einen Partner, sondern wie einen Fußabtreter benutzt.
j.pistorius@volksfreund.de
Extra

Der Stadtrat hat entschieden, die Deutschland-Rallye in Trier auch 2013 bis 2015 zu unterstützen. Die erforderlichen Mittel von 140 000 Euro sind im Doppelhaushalt 2013 und 2014 eingeplant und bereitgestellt. Ob die abgespeckte Rallye jetzt die Gesamtkosten der Stadt senkt, könne noch nicht konkret errechnet werden, so Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt Trier. Aber: Die internen Verrechnungspositionen werden aufgrund des geringeren Aufwands der städtischen Ämter sinken." Auch die externen Kosten dürften sich einer ersten Schätzung nach um 10 000 Euro verringern.

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