Brutaler Überfall auf Autohaus möglicherweise ein gezielter Anschlag

Trier · Der blutige Überfall auf einen Trie8rer Autohändler im August 2013 war ein in Moskau befohlener Angriff zweier Profischläger – diese Vermutung präsentiert das Opfer, der Firmenchef, dem Trierer Landgericht. Der Angeklagte, mutmaßlich einer dieser beiden Schläger, schweigt dazu.

Polizisten am Tatort vor den Geschäftsräumen eines Luxusautohändlers an der Porta Nigra in Trier. (Archivbild)

Foto: Christian Moeris

"Diese beiden Männer sind in Moskau beauftragt worden. Sie sollten mich umbringen oder zumindest schwer verletzen. Dieser Angriff galt ganz klar mir." Mit diesen Worten tritt der aus Russland stammende und in der Schweiz lebende Inhaber einer auf hochwertige Automobile spezialisierten Trierer Firma vor die erste große Strafkammer des Trierer Landgerichts. Sein Unternehmen sei auch in Moskau und Kiew vertreten, er unterhalte viele Geschäftsbeziehungen mit der Russischen Föderation.

Konkurrent aus Hamburg

Der 35-Jährige spricht von Drohungen einer "rechtsradikalen Organisation" und nennt auch einen Konkurrenten aus Hamburg, der seiner Ansicht nach hinter dem Angriff stecken könnte. Bereits im Februar 2013 sei er während eines Treffens in Moskau bedroht worden. "In Moskau achtet man immer genau auf seine Umgebung", sagt der Unternehmer im Zeugenstand. "Aber mit einem Angriff in Trier hätte ich nie gerechnet."

Diese Aussage ist die erste konkrete Erklärung des brutalen Überfalls vom Spätsommer 2013. Am 23. August betraten zwei Männer die Geschäftsräume des Autohändlers neben dem Mercure-Hotel bei der Porta Nigra und schlugen ohne ein Wort mit metallenen Teleskopstöcken auf den Inhaber, dessen Mutter und einen Mitarbeiter ein (der TV berichtete). Der damals siebenjährige Sohn des Inhabers sah alles mit an. Die Schläger verschonten ihn, aber er ist nach Angaben seines Vaters heute schwer traumatisiert.

Der 35-Jährige wehrte sich und verletzte einen der Angreifer. Als Polizeisirenen ertönen, flohen die Schläger und ließen ihre drei Opfer schwer verletzt und blutüberströmt zurück. Ein Mann wurde kurz darauf in der Innenstadt verhaftet und sitzt jetzt auf der Anklagebank. Über eine Dolmetscherin macht er knappe Angaben zu seiner Vita: 31 Jahre alt, ledig, russischer Staatsbürger. In Moskau habe er zuerst als Kassierer einer Bank gearbeitet und sich dann als Händler und Teilinhaber einer Möbelfirma selbstständig gemacht. Zur Anklage sagt er nichts. Der zweite Schläger konnte nach dem Überfall entkommen, bis jetzt fehlt von ihm jede Spur.

Die ausführliche Vernehmung der drei Opfer des Überfalls prägt den ersten von drei geplanten Prozesstagen. Richterin Petra Schmitz hört neben der Aussage des Firmenchefs auch die Schilderungen seiner Mutter und seines Mitarbeiters. Alle drei stimmen in ihren Aussagen überein: Die beiden Angreifer haben das Firmengebäude zielstrebig betreten, die metallenen Schlagstöcke ausgepackt und ohne ein Wort auf die Anwesenden eingeschlagen. "Weil sie mich nicht persönlich gekannt haben, sind sie auch auf meinen Mitarbeiter losgegangen", schildert der Inhaber. Seine Mutter, die in einem Nebenraum mit seinem kleinen Sohn gespielt hat, sei ebenfalls geschlagen worden. Der Firmenchef musste mit 141 Stichen am Kopf genäht werden, er erlitt außerdem viele Prellungen sowie einen Schädelriss, einen Bruch des Mittelhandknochens und einen Abriss der Bizepssehne.

Der Prozess soll am 25. Februar und 8. März fortgesetzt werden.
Extra: Die Firma


R-Company heißt der Autohandel, in dessen Räumen neben dem Mercure-Hotel bei der Porta Nigra die beiden Schläger drei Menschen schwer verletzt haben. Nach Angaben ihres aus Russland stammenden Inhabers spezialisiert sich die GmbH auf Nobelmarken wie Maybach und Bugatti, die Veredlung und Individualisierung von Fahrzeugen durch hochwertiges Tuning und außerdem auf die Panzerung von Regierungslimousinen. Das Autohaus gibt auf seiner Internetseite Filialen in Moskau, Kiew, Krasnodar (eine Großstadt mit 745.000 Einwohnern in Südrussland) und Zürich an. Der Export laufe weltweit, in Europa überführe das Unternehmen hauptsächlich Fahrzeuge nach Italien, Belgien, Dänemark, Frankreich, Holland, die Schweiz, Österreich, Spanien sowie Portugal.