Buchhandlung Stephanus schließt Standort in der Trierer Fleischstraße

Kostenpflichtiger Inhalt: Einzelhandel : Buchhandlung Stephanus schließt Standort in der Trierer Fleischstraße

Vor einem Jahr feierte die Trierer Buchhandlung Stephanus ihr 140-jähriges Bestehen. Im kommenden Jahr schließt das Traditionshaus nun seinen Standort in der Fleischstraße. Das geänderte Käuferverhalten setzt den stationären Buchhandel immer mehr unter Druck.

Der stationäre Buchhandel kämpft seit Jahren gegen neue Konkurrenz. Der Online-Handel, Hörbücher oder auch Literatur für Tablets nagen an den Margen.  Auf das veränderte Kaufverhalten reagiert nun auch das Trierer Traditionshaus Stephanus. „Zum 28. Februar 2020 werden wir unser Ladengeschäft in der Fleischstraße schließen. Unsere Universitäts- und Stadtteilbuchhandlung in Trier-Tarforst, das Bestellgeschäft für regionale Institutionen und Unternehmen sowie den Online-Shop mit portofreier Belieferung werden wir weiter wie bisher betreiben“, erklärt Firmenchef Georg Stephanus dem TV. Doch auch für die „Laufkundschaft“ in der City zieht sich das Haus nicht gänzlich zurück. So bestehe für Kunden die Möglichkeit, bestellte Bücher in der Innenstadt in dem Schwesterunternehmen „Trier Souvenir“ in der Simeonstraße abzuholen. Auch die Büros und die Verwaltung der Buchhandlung Stephanus verblieben in der Fleischstraße in den oberen Etagen.

Für die unteren beiden Etagen kündigt Stephanus einen Nachfolger an, ohne konkret zu werden. „Es wird ein Einzelhändler sein, natürlich nicht aus der Buchbranche“, sagt der 55-Jährige.

Die Schließung des Ladens in der Fleischstraße fällt der Inhaberfamilie Stephanus sehr schwer. Georg Stephanus: „Wie etliche Buchhandlungen leidet unser Geschäft in der Fleischstraße seit Jahren unter der zunehmenden Marktmacht Amazons. Erschwerend kommt jetzt seit einiger Zeit hinzu, dass der stationäre Einzelhandel insgesamt durch den Online-Handel stark bedrängt wird und deutsche Innenstädte wie auch Trier Käuferfrequenz- und damit Umsatzrückgänge zu verzeichnen haben.“

Die Gründe, die der Trierer Buchhändler anführt, gelten insgesamt für den stationären Buchhandel. Auch andere Händler haben schon darauf reagiert. Letztendlich ist für den Buchhändler der wirtschaftliche Druck zu groß gewesen: „Über Jahre haben wir versucht, mit etlichen Vertriebs-, Marketingmaßnahmen und Kostensenkungen in unserem Innenstadtgeschäft gegen diese Markttrends anzukämpfen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Fleischstraße haben diese Vorgaben immer mit Bravour umgesetzt. Deshalb ist die Entscheidung besonders im Hinblick auf die bislang in der Fleischstraße beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedauerlich, die trotz ihres engagierten Einsatzes nicht weiterbeschäftigt werden können.“ Derzeit suche man mit dem Betriebsrat nach sozialverträglichen Lösungen. Inklusive Aushilfen beschäftigt das Unternehmen an allen Standorten 26 Mitarbeiter.

In der langen Geschichte der Trierer Buchhandlung ist das nicht die erste Krise, die es zu bewältigen galt. Nach zwei Weltkriegen musste die Familie kämpfen, um die Buchhandlung erneut aufzubauen, die starke Konkurrenz in der Innenstadt war jederzeit eine Herausforderung. Auch der Standort in der Fleischstraße musste nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise aufgegeben werden, bevor der Buchladen 1953 wieder an den angestammten Platz zurückkehren konnte. Mit der Gründung der Universität in Trier gibt es dann  für Stephanus einen Schub und eine Neuausrichtung. Anfang der 80er gründet Stephanus eine zweite Buchhandlung in Uninähe in der Passage „Im Treff“ mit rund 250 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Dieser Standort wird auch im Neukonzept eine wichtige Rolle spielen. „Wir haben den Standort umbenannt in ‚Stephanus auf der Höhe’“, erklärt Georg Stephanus. Und weiter: „Die Buchhandlung Stephanus bleibt somit, wenn auch mit verkleinerter Präsenz, in Trier erhalten als wichtige Anlaufstelle für Buchfreunde, mit ihrer Stadtteilbuchhandlung in Trier-Tarforst und dem Bestell- und Fachbuchservice. Auch künftig freuen wir uns unvermindert darauf, unseren Kunden den besten Service rund ums Buch zu liefern.“

Er verkörpert die vierte Generation der Trierer Buchhändlerfamilie Stephanus: Georg Stephanus. Foto: Roland Morgen

Zudem möchte die Buchhandlung auch weiterhin mit Kulturveranstaltungen ihren Kunden einen Mehrwert bieten. „Wir haben im Herbst sieben Veranstaltungen, Autorenlesungen wie etwa mit dem Trierer Autoren Frank Jöricke und andere Aktionen. So etwas wird es auch in Zukunft geben. Vielleicht dann aber im Frankenturm.“

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