Bücher auf dem Scheiterhaufen

Else Lasker-Schüler, Lion Feuchtwanger oder Arthur Schnitzler - nur einige Schriftsteller, deren Werke bei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 in die Flammen geworfen wurden. Bei einer Lesung stellten die Buchhandlung Stephanus und die ESG ausgewählte Werke der "verbrannten Autoren" vor.

Susanne Link (stehend, rechts) und ihre Kollegen erinnern bei einer Lesung an die „verbannten Autoren“. TV-Foto: Anke Scholz

Trier. (as) "Der beste Jahrgang deutscher Reben ließ vor der Ernte schon sein Leben." Das schreibt Walter Mehring im Jahre 1941 und erinnert an die zahlreichen Schriftsteller, die im NS-Regime als "Schmutz- und Schundliteratur" bezeichnet worden sind. Mit einer Lesung gedachten die Evangelische Studentinnen- und Studentengemeinde (ESG) und die Buchhandlung Stephanus in der Filiale "Im Treff" am Donnerstagabend der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933. Damals vor 75 Jahren wurden in 22 deutschen Universitätsstädten rund 12 700 Titel auf großen Scheiterhaufen verbrannt.Nachdenkliches und Unterhaltsames

Inmitten Bücherregalen und Teelichtern stellten die Vorleser Susanne Link, Johannes Metzdorf und Florian Valerius Gedichte, Zeitungsartikel oder Romanausschnitte verstoßener Autoren vor. Für den Abschluss der einzelnen Leseeinheiten sorgte Sonja Lehrke am Cello. Neben nachdenklicher Lyrik wie "Die Verscheuchte" von Else Lasker-Schüler oder "Elegie von Abschied und Wiederkehr" von Carl Zuckmayer lauschte das Publikum auch Texten, die zum Schmunzeln auffordern wie "Der Mensch" von Alfred Polgar. Im Sommer 2007 haben die befreundeten Vorleser die Idee zu der Lesung im Gedenken an Autoren, die der Bücherverbrennung zum Opfer fielen, entwickelt. Nationaler Gedenktag

Damit wollten sie einen Beitrag zur Veranstaltungsreihe anlässlich des nationalen Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar leisten, den die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) und die ESG alljährlich organisieren. "Jeder von uns hat individuell seine Texte ausgesucht", erzählt Susanne Link, Filialleiterin der Buchhandlung Stephanus "Im Treff". Dem Publikum bot sich daher ein Potpourri aus der Literatur der Weimarer Republik. Veranstaltung gegen das Vergessen

"Viele der verbrannten Dichter haben interessante Texte veröffentlicht", stellt Besucherin Charlotte Heyl begeistert fest. Diese literarischen Meisterwerke des vielleicht "besten Jahrgangs" sollten auch heute nicht in Vergessenheit geraten. Dafür sorgen Veranstaltungen wie die in der Buchhandlung Stephanus.